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Warum jetzt auch in Seniorenheimen gezockt wird

Videospiele machen Spaß, doch als gesundheitsfördernd gelten sie kaum. Das Projekt einer Krankenkasse könnte das ändern: Hessische Seniorenheime testen nun den Einsatz von therapeutischen Videospielen.



Tanzspiel vor der Spielkonsole
Die hessische Digitalministerin Kristina Sinemus (parteilos, l) macht im Helenenheim Bad Arolsen mit Heimbewohnerin Irene Bartosch (89) ein Tanzspiel vor der Spielekonsole. Foto: Uwe Zucchi   Foto: dpa

Bewohner von Seniorenheimen können ihre

körperliche und geistige Fitness mit Videospielen trainieren. Ein

entsprechendes Angebot wird in vier hessischen Einrichtungen erprobt.

Am Montag fiel in Bad Arolsen (Kreis Waldeck-Frankenberg) der

Startschuss. Im Diakonissenhaus Helenenheim wurde das Projekt der

Krankenkasse Barmer vorgestellt. «Mit der Memorebox können

Seniorinnen und Senioren Standfestigkeit und Kognition üben. Sie regt

zudem die Kommunikation und soziale Interaktion zwischen den

Bewohnern an», sagte Hessens Digitalministerin Kristina Sinemus

(parteilos) als Schirmherrin.

Geistige und körperliche Bewegung fördern

Die Box ist eine Videospielkonsole, die nur durch Handbewegungen

gesteuert wird. Sie erlaubt einfache Spiele wie Kegeln, Tanzen und

Motorradfahren. Eine Kamera überträgt die Bewegung auf den

Bildschirm. «Die Computerspiele können mit leichten Gesten auch aus

einem Rollstuhl gesteuert werden», erklärte Jens Brandis,

Projektleiter des Hamburger Entwicklers Retro Brain.

Für die 89-jährige Irene Bartosch ist es das erste Videospiel ihres

Lebens: Zu der Musik des Helene-Fischer-Hits «Atemlos» beginnt sie zu

tanzen. Erst mit Armbewegungen, dann fordert die Spielkonsole sie

auf: «Tanzen Sie nun mit den Beinen.» Beim Refrain des Liedes fangen

die zuschauenden Senioren an zu singen.

Wissenschaftlich untersucht

Der Test in Hessen ist nicht der erste Einsatz der Box. Laut der

Barmer wurde sie bereits in Hamburg und Berlin erprobt und die

Wirkung wissenschaftlich untersucht. Dabei habe sich bei den Senioren

eine Stärkung der geistigen Leistungsfähigkeit, der Stand- und

Gangsicherheit, der Motorik, Ausdauer und Koordination gezeigt.

Das Besondere an der Memorebox sei nicht das Gerät selbst, betont

Brandis: «Das Innovative ist die Software.» Man habe Spiele

entwickelt, die einfach erschienen, aber herausfordernd seien. Und

man könne nicht verlieren. Wie viel eine Box kosten wird, verraten

Krankenkasse und Entwickler nicht.

Der 79-jährige Gustav Vering legt seine Krücken beiseite, dann setzt

er sich auf einen Stuhl vor die Konsole. «Motorradfahren», heißt das

Spiel. Durch Neigen des Oberkörpers steuert er sein Motorrad über

eine virtuelle Autobahn, als die Aufforderung aus den Lautsprechern

kommt: «Welche Stadt ist für die Reeperbahn bekannt? Nehmen Sie die

richtige Abzweigung.» Vering biegt nach Hamburg ab.

Bundesweiter Einsatz der Memorebox ist geplant

Insgesamt soll die Memorebox in den nächsten Monaten in 100

ausgewählten Pflegeeinrichtungen bundesweit zum Einsatz kommen. In

Hessen sind das neben dem Helenenheim eine Einrichtung der AWO

Stadtkreis Gießen, die Seniorenresidenz Haus Eduard Schwerzel in

Flörsheim (Main-Taunus-Kreis) und der Forstgarten Stift Wehretal

(Werra-Meißner-Kreis). Die Tests sollen zwölf Monate dauern, dann

will die Barmer über das weitere Vorgehen entscheiden.

Veröffentlicht am:
23. 07. 2019
16:37 Uhr

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Autor

dpa

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23. 07. 2019
16:37 Uhr



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