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Ein Jahr «Silbertelefon» für einsame Senioren

Der Ehepartner tot, die Kinder längst aus dem Haus: Bei manchen Älteren kommen die einzigen Stimmen in der Wohnung aus dem Fernseher. Eine Berliner Initiative bietet vereinsamten Senioren seit einem Jahr ein offenes Ohr. Wie fällt die Bilanz aus?



Telefonieren gegen Einsamkeit
Wer sich als älterer Mensch einsam fühlt, der könnte zum Hörer greifen und anrufen.   Foto: Britta Pedersen/dpa

Eine vor einem Jahr in Berlin gestartete Telefon-Hotline für einsame Senioren bekommt viel mehr Anrufe als die Helfer annehmen können. «Wir haben vor 14 Tagen unser 7000. Gespräch gehabt», sagte «Silbertelefon»-Initiatorin Elke Schilling der Deutschen Presse-Agentur vor dem ersten Geburtstag des kostenlosen Angebots an diesem Dienstag.

Bisher scheiterten aber viele Menschen, wenn alle Mitarbeiter im Gespräch sind: Rund 30.000 versuchte Anrufe seien verzeichnet worden, sagte Schilling.

Für Menschen ab 60

Das «Silbertelefon» ist täglich von 8.00 bis 22.00 Uhr besetzt, die Rufnummer lautet 0800 4708090. Gedacht ist es für einsame Menschen ab 60 in Berlin, die mit jemandem reden möchten, aber nicht beim Krisendienst oder der Telefonseelsorge anrufen möchten.

Dass ein Teil der Anrufer nicht durchkommt und sich mit einer Bandansage begnügen muss, hält Schilling in der Zielgruppe für problematisch: «Ältere Menschen sind ziemlich viel Ablehnung gewöhnt. Wenn sie zu viel davon bekommen, dann geben sie auf.» Mögliche Kontakte gingen so verloren. Perspektivisch soll das Team der Hotline Schilling zufolge weiter von derzeit 15 auf 25 Kräfte anwachsen, die Nummer könnte dann rund um die Uhr erreichbar sein. Beim Start hatte es fünf Mitarbeiter gegeben.

Mehr Frauen als Männer

Bisher meldeten sich viel mehr Frauen als Männer, 80 bis 90 Prozent seien weiblich, sagte Schilling. Besonders häufig hätten die Anrufer das Bedürfnis, überhaupt einen Zuhörer zu haben. Viele ältere Frauen berichteten vom abgerissenen Kontakt zu ihren Kindern und Enkeln. Hinzu kämen bei manchen gesundheitliche Themen wie Depression sowie weitere schwierige Probleme.

Das geschulte Team hört zu und vermittelt je nach Problem auch zu Angeboten im Kiez: Einen Witwer, der nach dem Tod seiner Frau sehr in seiner Trauer gefangen gewesen sei und viel geweint habe, habe sie zum Beispiel auf ein Trauercafé in einer Kirche in seiner Nähe hingewiesen, erzählt Schilling. «Das kannte er noch nicht.» Auch Telefonfreundschaften mit Ehrenamtlichen werden vermittelt.

Unterdessen gibt es Bestrebungen, die Hotline über Berlin hinaus auszubauen. Träger ist der 2016 gegründete Verein Silbernetz in Kooperation mit dem Humanistischen Verband Deutschland. Silbernetz geht davon aus, dass in Deutschland rund acht Millionen Menschen zwischen 60 und 99 zumindest zeitweise von Einsamkeit betroffen sind. Vorbild der Hotline war das britische Angebot «The Silver Line».

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dpa

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Veröffentlicht am:
23. 09. 2019
15:13 Uhr

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23. 09. 2019
15:13 Uhr



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