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Viele Eltern leiden unter Dauerstress

Die kleine Tochter will trotz eisiger Temperaturen ihre Mütze nicht aufsetzen, der zwölfjährige Sohn nur zocken: Mütter und Väter reibt der Alltag zwischen Familie und Beruf häufig auf. Was ist zu tun, damit die Gesundheit nicht auf der Strecke bleibt?



Familie und Beruf
Arbeiten beide Elternteile in Vollzeit, ist die Belastung im Alltag hoch. Der Stress kann gesundheitliche Folgen haben.   Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

Der ständige Kampf mit den Kindern, Druck im Job und dazu noch «das bisschen Haushalt», wie es im 70er-Jahre-Schlager heißt: Fast 40 Prozent der Eltern mit Nachwuchs unter 18 Jahren fühlen sich häufig oder sehr häufig gestresst. Das geht aus einer Forsa-Umfrage im Auftrag der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH) hervor.

Im Endspurt vor Weihnachten mit Adventsbasteln, Geschenke-Shoppen, Flötenkonzert und Plätzchenbacken dürfte sich der Stress bei den meisten Müttern und Vätern noch potenzieren.

Was sind die Stress-Ursachen?

Als Auslöser nennen die befragten Eltern zu jeweils 30 Prozent Konflikte/Probleme in der Familie sowie die Arbeitsbelastung im Haushalt. Gut jeden Vierten (27 Prozent) setzt das Gefühl unter Druck, ständig erreichbar sein zu müssen oder zu wollen. Dies gilt für das berufliche E-Mail-Postfach genauso wie für private WhatsApp-Gruppen, wo vor dem Fest Geschenke, das Weihnachtsmenü oder selbst die Rollenverteilung im Krippenspiel diskutiert werden.

Weihnachtsvorbereitungen sind in der Regel zunächst positiver Stress, der aber ins Negative kippen kann. Die meisten dauerhaft gestressten Eltern erleben der Umfrage zufolge irgendwann Erschöpfung und Burn-out. Viele leiden unter Nervosität, Gereiztheit, Schlafstörungen sowie Kopf-, Rücken- und Magenschmerzen. 31 Prozent von ihnen sagten, dass sie wegen des hohen Drucks schon einmal niedergeschlagen oder sogar depressiv waren.

Die Zahl der Krankschreibungen aufgrund psychischer Leiden ist deutlich gestiegen. In jungen Familien arbeiten zunehmend beide Partner annähernd Vollzeit - bei Alleinerziehenden würde das Gehalt einer Teilzeitstelle meist gar nicht reichen. Sie fühlen sich noch häufiger gestresst als Eltern, die mit ihrem Partner zusammenleben.

Laut Müttergenesungswerk kommen immer mehr Eltern in Beratungsstellen, um sich über Kuren zu informieren. Arbeitgeber sind dazu verpflichtet, gestresste Mütter und Väter für eine vom Arzt verordnete Kur freizustellen.

Zu wenig Zeit für Erziehungsarbeit

«Der Druck ist sehr hoch, die Taktung anders als früher», sagt Antje Krause, Leiterin einer Klinik in Bad Harzburg, die Mütter- und Mütter-Kind-Kuren anbietet. Eltern strebten danach, ihre Familien zu optimieren und ihren Kindern die besten Startchancen zu geben. Im Gespräch mit Freundinnen werde zwar auf die Partner geschimpft oder über die Kinder gestöhnt, wenige Frauen redeten aber über ihre totale Erschöpfung. In der Kur gehe es dann darum, sich auszutauschen und innezuhalten. «Eine Frau erzählte mir am Ende, das Schönste sei gewesen, ihrem Kind in Ruhe beim Spielen zuschauen zu können.»

Silvia Selinger-Hugen, Leiterin von zwei Kliniken auf der Nordsee-Insel Norderney, beobachtet, dass die Erziehungsarbeit nebenher erledigt werden muss, weil oft beide Eltern nahezu Vollzeit arbeiten. «Es muss Zeit für Beziehungen und Zeit für Kommunikation in der Familie bleiben», mahnt sie. Wenn es ein Wertegerüst und gute Beziehungen innerhalb einer Familie gebe, seien die Mitglieder auch stressresistenter.

Die Doppelbelastung von Familie und Beruf sei ein Faktor für erhöhtes Auftreten von Depressionen bei Frauen im Vergleich zu Männern, sagt Anette Kersting, Professorin für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am Universitätsklinikum Leipzig. Dies sei durch Studien gut belegt. Die Haus- und Erziehungsarbeit bleibe meist Frauensache. Gleichzeitig gibt es Untersuchungen, die darauf hinweisen, dass Elternschaft vor psychischen Erkrankungen schützen kann. Die Ärztin betont: «Eltern müssen zwar sehr viel leisten, aber sie bekommen auch sehr viel zurück von ihren Kindern.»

Veröffentlicht am:
09. 12. 2019
10:14 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
09. 12. 2019
10:14 Uhr



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