Lade Login-Box.
Topthemen: Bilder vom WochenendeHofer Filmtage 2019EhrenamtskampagneVER Selb

 

In Kitas die digitale Welt verstehen

Informatik an Kitas: Was sich verrückt anhört, lässt sich spielerisch kindsgerecht verpacken. Dennoch gibt es dabei aus Expertensicht noch Baustellen. Nicht nur bei der technischen Ausstattung hapert es.



Kinder und Erzieherin vor Waschmaschine
Kindern wird digitale Technik anhand der Bedienschritte einer Waschmaschine näher gebracht.   Foto: Jörg Carstensen » zu den Bildern

Die Waschmaschine ist für die Kinder ein Gerät voller Geheimnisse und unentdeckten Tasten, Regler und Fächer. «Da oben kommt das Wasser raus», sagt Erzieherin Kathrin Kulenisch.

Die Kinder, die in einer Kita im Osten von Berlin um das Gerät herumstehen, starren durch das gläserne Auge der Tür. Dann fängt die Wäsche in der Maschine zu wirbeln an. «Der Motor dreht die Pumpe», erläutert die Erzieherin. Die Kleinen sollen lernen, wie die moderne Welt funktioniert. Es geht darum, die Technik in Geräten zu verstehen. Bildungsforscher sehen hier Nachholbedarf.

Von außen betrachtet sieht es nach Haushaltsunterricht aus, wenn die Kinder beim Waschen zuschauen. Im Kern geht es aber um etwas Anderes: zu lernen, wie die digitalisierte Welt tickt und sie nicht einfach nur gedankenlos zu konsumieren. Denn Algorithmen - immer gleiche Abläufe - stecken nicht nur hinter Computern. Kindern sollen sie an Dingen entdecken, die sie aus ihrem Alltag kennen: etwa beim Lichtschalter, bei der Klospülung oder bei der Waschmaschine

Im Gruppenraum legt Kathrin Kulenisch Plastikreifen auf den Boden. Sie symbolisieren die verschiedenen Schritte beim Wäschewaschen und sollen zugleich spielerisch zeigen, wie Algorithmen funktionieren. Die Kleinen spielen das nun durch. Ein Kind mimt die Waschmaschine und gibt Kommandos an das andere Kind, das in die einzelnen Ringe springt. Jeder der Ringe steht für einen Schritt beim Waschen: Zuerst Wäsche hineinlegen, dann Waschpulver einfüllen, Programm auswählen und den Startknopf drücken. Vier Schritte, vier Ringe.

Kathrin Kulenisch hat eine Fortbildung zu diesem Thema besucht. Hinter dem Angebot steht die gemeinnützige Stiftung «Haus der kleinen Forscher» in Berlin. Mehrere Tausend Fachkräfte in Kitas, Grundschulen und Horten sollen bis Ende des Sommers fit darin gemacht werden, dass Kinder solche Abläufe entdecken können.

Aus Sicht von Bildungsexpertin Eva Reichert-Garschhammer sind derartige Initiativen längst überfällig - gerade in Kindergärten. Das sei etwas, das schon länger anstehe, sagt die stellvertretende Direktorin des Staatsinstituts für Frühpädagogik in München. Digitale Bildung sei schon vor mehr als zehn Jahren als Bildungsauftrag in Kitas verankert worden. Fachleute seien sich uneins gewesen, sagt sie: Die einen traten für eine frühe Auseinandersetzung mit digitalen Geräten ein, die anderen sagten, dass junge Kinder in Kindergarten davon aus Schutzgründen noch ferngehalten werden müssten.

Neben Lesen, Rechnen und Schreiben gilt der Umgang mit digitalen Medien inzwischen als vierte Kulturtechnik. «Kinder erleben Digitales als etwas ganz Normales», gibt der Vorstand der Stiftung «Haus der kleinen Forscher», Michael Fritz, zu bedenken.

Inzwischen ist die Meinung verbreitet, dass die Digitalisierung der Gesellschaft in Kitas ein Thema sein sollte. Reichert-Garschhammer sagt dazu: Kinder müssten den kreativen, kritischen und sicheren Umgang mit digitalen Geräten aktiv erfahren und in Gesprächen reflektieren. «Und das schon in der Kita, in einem pädagogisch begleiteten, kindgerechten, risikofreien und zeitlich dosierten Rahmen.» Die Expertin sieht einen «sehr hohen Qualifikationsbedarf bei allen pädagogischen Fachkräften».

Im Entwurf ihres Koalitionsvertrags für eine mögliche Bundesregierung schreiben Union und SPD keine konkreten Maßnahmen dazu fest. Allgemein heißt es lediglich: Es brauche eine «digitale Bildungsoffensive, die die gesamte Bildungskette in den Blick nimmt».

In einer von der Stiftung «Haus der kleinen Forscher» in Auftrag gegebenen Umfrage aus dem vergangenen Sommer hatten sich 75 Prozent der befragten Erzieher in deutschen Kitas dafür ausgesprochen, dass Kinder schon in ihren Kitas die Möglichkeit haben sollten, den verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Geräten zu erlernen.

Nur: Oft fehlt es an solchen Geräten. «Die Ausstattung der Kitas mit digitalen Medien wird eine der großen Fragen der Zukunft sein», sagt Reichert-Garschhammer. Sie verweist auf Projekte zur Erforschung des Tablet-Einsatzes in drei Bundesländern. «Wir brauchen auch WLAN in den Kitas», fordert sie.

In der Kita in Berlin-Hellersdorf, in der Kathrin Kulenisch arbeitet, gibt es weder kabelloses Internet noch Tablets. Mit der digitalen Welt kommen die Kinder vor allem zu Hause in Berührung, besonders mit den Smartphones der Eltern. «Sie erzählen, dass sie damit spielen. Das Wort Telefon ist für sie schon gar kein bekannter Begriff mehr. Sie kennen nur Handy», sagt die 49-Jährige. Ihre Kita versteht sich deshalb auch als eine Art Entschleunigungszone. Ihre Smartphones müssen die Eltern in ihren Taschen lassen, wenn sie die Kinder in die Kita bringen oder abholen. Kathrin Kulenisch findet: «Die Kinder sollen einen gesunden Umgang mit den Geräten lernen.»

Veröffentlicht am:
23. 02. 2018
11:58 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Algorithmen Baustellen Bildungsforscher Digitaltechnik Elektronische Medien und Internet Erzieherinnen und Erzieher Kinder und Jugendliche Kindertagesstätten Kleidung SPD Smartphones
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
100 Jahre Grundschule

13.09.2019

Welche Chancen eröffnet die Grundschule?

Lesen, Schreiben und Rechnen lernen Kinder seit nunmehr 100 Jahren in der gemeinsamen Grundschule. Wie war das damals und wie könnte die Grundschule in 100 Jahren aussehen? » mehr

Digitale Erziehung

13.02.2019

Digital Natives und die Suche der Kitas nach Antworten

Die Kleinsten wachsen mit Smartphone und Laptop auf. Die Bedienung ist kinderleicht, aber zum Umgang gehört mehr. Zehn Einrichtungen in Nordrhein-Westfalen haben sich dem Thema in einem Modellprojekt angenähert. » mehr

Bildungsmesse Didacta

19.02.2019

Didacta zeigt digitale Lernwelten

Die viel beschworene Digitalisierung der Schulen ist auf der Bildungsmesse Didacta an vielen Ständen ein Schwerpunktthema. Doch ohne qualifizierte Lehrer nutzt auch die beste Technik wenig, mahnen Experten. » mehr

Fehlende Kitaplätze

20.08.2019

Eltern kämpfen um Rechtsanspruch auf Kita-Platz

Das hätten sich die Müllers nicht träumen lassen: Die Suche nach einem Kita-Platz für ihr Töchterchen ist so schwierig - trotz Rechtsanspruchs. Sie ziehen vor Gericht. » mehr

«Hau ab!»

02.08.2019

Wie mache ich mein Kind stark?

Was ist, wenn Fremde die eigenen Kinder ansprechen? Wenn jemand ihnen sagt: «Komm mit, ich habe Schokolade für dich»? Eltern können ihre Kinder nicht ständig im Blick haben. Aber sie können sie zu Wachsamkeit erziehen, z... » mehr

Aufräumen mit dem Kind

13.08.2019

Wie Kinder Regeln am besten lernen

Das Kind sollte längst in der Kita sein, denn die Arbeit ruft. Doch der kleine Trotzkopf zieht sich einfach nicht an. Jetzt bloß nicht schimpfen, sagt eine Expertin. Denn das frisst nur noch mehr Zeit. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
23. 02. 2018
11:58 Uhr



^