Lade Login-Box.
Topthemen: BlitzerwarnerHofer Volksfest 2019Video: Lagerleben Collis Clamat

 

Senioren spielen «Walking Football»

Wenn es in der Hüfte zwickt und die Puste ausgeht, ist Fußballspielen meist nicht mehr drin. Anhänger einer kuriosen Trendsportart aus England wollen das ändern: Beim «Walking Football» spielen sie nach seniorenfreundlichen Regeln. Rennen ist verboten!



Walking Football
Die Mannschaft der TUS Essen Holsterhausen Abteilung «Walking Football» trainiert auf dem Kunstrasenplatz. Die erste Regel bei Walking Football ist, dass die Spieler nicht rennen dürfen.    Foto: Roland Weihrauch

Und gehen, gehen, nur gehen!», ruft Rainer Küpper einem seiner Fußball-Spieler zu. «Du kannst dir Zeit lassen.» Der 63-Jährige macht die Übung noch einmal vor.

«Ich spiele zurück und dann gehe ich!» Flotten Schrittes bewegt sich der Trainer auf das kleine Tor zu. Die Arme schwingt er demonstrativ mit - wie ein Nordic Walker es machen würde. Fußball im Gehen eben.

«Walking Football» heißt die kuriose Trendsportart aus England, die Küpper, Vorstandsmitglied beim TuS Holsterhausen in Essen, seit kurzem jeden Donnerstag mit den Senioren trainiert. Die meisten von ihnen sind langjährige Hobby-Kicker über 60, die «irgendwann nicht mehr so konnten, wie sie wollten». Beim Geh-Fußball sollen sie trotzdem auf den Platz. «Hier kann man auch mit einer kaputten Hüfte oder einem Ersatzknie spielen», sagt Küpper.

Die wichtigste und zugleich schwierigste Regel: Mindestens ein Fuß muss auf dem Boden sein. «Es ist eine unheimliche Umstellung, nicht zu laufen», sagt Küpper. Im Spiel fällt das den Senioren sichtlich schwer. «Nicht rennen!» etwa rufen sich die Männer immer wieder zu. Sonst gibt es Freistoß. Verboten außerdem: Reingrätschen, Körperkontakt, den Ball über Hüfthöhe spielen. Es gibt weder Abseitsregel noch Torwart. Die Teams, die etwa halb so groß wie eine normale Mannschaft sind, spielen auf etwa 20 mal 40 Metern.

In England und Holland ist der Sport schon weit verbreitet. In Deutschland haben Vereine wie Werder Bremen, Schalke oder der VfL Wolfsburg «Walking Football»-Teams. Wie viele Amateurvereine den Sport aber in Nordrhein-Westfalen anbieten, ist nicht bekannt - «gefühlt eine Handvoll» am Niederrhein, sagt Florian Baues vom Fußballverband Niederrhein. «Es steckt noch in den Kinderschuhen.»

Meike Ebbert vom Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen meint: «Das kommt wirklich gut an.» Ein Grund: Viele Vereine mit Altherrenmannschaften würden sich an den Verband wenden und sagen: «Uns geht die Puste aus.» Und es sei auch eine Möglichkeit, ältere Menschen an den Verein zu binden, sagt Ebbert.

Auch Werner Hensch spielt in Essen mit - er kann nicht ohne Fußball. Schon als Jugendlicher war das so: Wenn der heute 64-Jährige von der Schule heimkam, pfiff ein Freund und rief: «Werner, kommste runter?» Dann ging es zum Kicken auf die Straße, erzählt Hensch. Mittlerweile hat er zwei operierte Knie. Beim «Walking Football» bekomme er Bewegung und sei an der Luft, sagt der Mann mit dem weißen Schnauzer. Zwar sei das nicht mit normalem Fußball zu vergleichen - aber als Pensionär immer noch besser, als zuhause zu sitzen.

Für seinen Mitspieler Heiko Kleszka, der zwei künstliche Knie und eine Gefäßstütze am Herzen hat, ist der Geh-Fußball «Reha-Sport», wie er sagt. «Hier macht jeder so viel, wie er eben kann.»

Die Intention hinterm «Walking Football» sei vor allem der Spaß - «und man tut was für die Gesundheit», sagt Trainer Küpper. «Die sind froh, mal wieder spielen zu können und gegen den Ball treten zu dürfen.» Aber dennoch nähmen die Spieler das Ganze sehr ernst - über eine verfehlte Torchance ärgerten auch sie sich.

Wer sich aber bei einem erhöhten Blutdruck zu sehr aufregt, soll nach Meinung des Sportmediziners Herbert Löllgen vom Deutschen Sportärztebund DGSP besser verzichten. Generell hält «Walking Football» die Senioren aber fit: Trainiert würden die Beweglichkeit, die Aufmerksamkeit und das Reaktionsvermögen. «Auch das langsame Bewegen hat einen moderaten Trainingseffekt», sagt Löllgen.

Nach dem Sommer, wenn die Essener Gruppe etwas größer ist, will Trainer Küpper auch mal ein richtiges Spiel auf die Beine stellen - zum Beispiel gegen einen Verein aus Holland. Er ist optimistisch: «Ich glaube, dass sich das durchsetzen wird.»

Veröffentlicht am:
03. 05. 2018
12:57 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
England Essen Football Fußballspiele Fußballspieler Niederrhein Senioren Trendsport VfL Wolfsburg Werder Bremen
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Arbeiten trotz Rente

19.08.2019

Immer mehr Rentner verdienen dazu

Eine Aufgabe behalten, mal rauskommen, aber auch: ein paar Euro hinzuverdienen. Viele wollen sich nicht gleich ganz zur Ruhe setzen. Das kommt Unternehmen gelegen. » mehr

Selbst zusammengestellt

25.07.2019

Grüne Stunde für Alte und Kranke

Den Sommerstrauß im Foyer einer Senioreneinrichtung haben Bewohner selbst zusammengestellt. Sie befühlen auch Pflanzen und graben Erinnerungen aus. Eine Therapeutin hat die Lust aufs Grüne geweckt. » mehr

Internet im Seniorenheim

11.07.2019

Seniorenheime bauen das Internet aus

In Cafés und Kaufhäusern ist kabelloser Internetzugang oft Standard, in Seniorenheimen dagegen meist nicht. Doch die Pflegeeinrichtungen denken um - auch weil sich ihre Kundschaft verändert. » mehr

Christine Sowinski

05.07.2019

Neun Tipps für geistige Fitness im Alter

Die Kraft lässt etwas nach, die Zipperlein werden mehr - das ist im Alter ganz normal. Doch die geistige Fitness muss jenseits der 70 nicht zwingend sinken. Es lohnt sich aber, aktiv etwas für die grauen Zellen zu tun - ... » mehr

Im Schwimmbad

05.06.2019

Zu wenige Kinder bewegen sich souverän im Wasser

Eigentlich soll jedes Kind in Bayern nach der Grundschule sicher schwimmen können. Doch dieses Ziel ist weit entfernt - mit gravierenden Folgen. » mehr

Trinken, trinken, trinken

17.05.2019

So kommen Senioren gut durch den Sommer

Eine Jahreszeit zum Fürchten? Gerade für Ältere ist der Sommer nicht ganz ungefährlich. Mit ein paar Tipps bleiben Senioren aber locker auf der Sonnenseite. Allen voran: viel Wasser, viel Creme - und eine Siesta. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
03. 05. 2018
12:57 Uhr



^