Topthemen: HöllentalbrückenBrandserieHof-GalerieKaufhof-PläneGerch

 

Acht Tipps zum Umgang mit Teenagern

Himmelhochjauchzend, zu Tode betrübt - die Pubertät gilt oft als schwierigste Phase des Lebens. Und zwar nicht nur für Teenager selbst, sondern auch für die Eltern. Sie sollten sich frühzeitig auf Stimmungsschwankungen, Freiheitsdrang und Sexgespräche einstellen.



Dicke Luft
Tochter genervt, Mutter noch genervter: Viele Diskussionen in der Pubertät laufen so ab. Wichtig dabei: Eltern dürfen die schlechte Laune der Teenager nicht auf sich beziehen.   Foto: Garo/Phanie » zu den Bildern

Gerade noch ein süßes Baby, auf einmal ein ziemlich saurer Teenager. Zwischen Wutanfällen und Lethargie, zwischen Rebellion und Depression, zwischen dem Drang, die Welt zu erobern, und dem Bedürfnis, sich einzuigeln: Erwachsenwerden ist hart.

Und mit Pubertierenden unter einem Dach zu leben, erst recht. Aber was ist völlig normal, was alarmierend? Wie spricht man richtig über Sex? Und wann sind Kinder zu alt, um sie noch zu erziehen?

1. Wie reagieren Eltern auf Stimmungsschwankungen?

«Genau wie Erwachsene haben auch Teenager mal schlechte Laune», sagt Ulrich Hoffmann aus Hamburg, der sich als Autor vor allem mit Teenagern beschäftigt. Am besten sei es, das Gespräch dann auszusetzen und später weiterzuführen. Die Diplom-Psychologin Elisabeth Raffauf aus Köln rät: «Seien Sie nicht persönlich gekränkt.» Das sei das Wichtigste und Schwierigste zugleich: sich klarzumachen, dass die schlechte Laune nichts mit den Eltern zu tun hat.

2. Sind Teenager zu alt, um sie zu bestrafen?

«Ich halte nicht viel von Strafen, aber sehr viel von Konsequenzen», sagt Ulrich Hoffmann. Strafen demonstrieren häufig nur, wer am längeren Hebel sitzt. Doch wenn Teenager sich im Ton vergreifen, müsse man zeigen: «Wir können über alles reden, aber nicht so.»

3. Wie fördern Eltern die Selbstständigkeit ihrer Kinder?

Jugendliche wollen alles ausprobieren - und zwar alleine. Wie viel Vertrauen sollte man ihnen schenken? Die Experten finden: viel. «Vertrauen ist die Basis für die Entwicklung des Selbstbewusstseins», sagt Raffauf. Deshalb gilt die Devise: möglichst viel selbst machen lassen und als Back-up zur Verfügung stehen. So kann Vertrauen schrittweise wachsen - auch das in die eigenen Fähigkeiten.

4. Wo und wie zieht man dennoch Grenzen?

«Erziehung von Teenagern klappt nicht mehr mit dem Wenn-Dann-Hebel», sagt Raffauf. Erziehung sei aber auch, seine Position zu vertreten - und zu riskieren, sich damit unbeliebt zu machen. «Strenge ist wichtig, sobald es gefährlich wird», findet die Erziehungsberaterin.

Generell helfe es, einen Rahmen vorzugeben, statt ständig Einzelentscheidung zu treffen, so Hoffmann: «Wenn klar ist, an Schultagen wird nicht außer Haus übernachtet, erspart das viele Diskussionen.»

5. Welche Themen sind tabu für Eltern?

«Kinder haben dasselbe Recht auf Privatsphäre wie Eltern», sagt Hoffmann. Das heißt: keine Chats lesen, keine Tagebücher - außer in Gefahrensituationen wie Suizidgefahr oder Drogensucht. Stattdessen empfiehlt er, viele Fragen zu stellen und den Antworten auch wirklich zuzuhören: Wie war dein Tag, was hast du erlebt, was interessiert dich im Leben?

6. Wie und wann spricht man über Sex?

«Viel früher, als die Kinder es wollen!», meint Hoffmann. Freiwillig fragen würden Jugendliche nur in größter Not. Darum solle man als Eltern auch von eigenen Erfahrungen mit Flirten, Liebe und Sex erzählen.

Dem stimmt Inga Fielenbach zu. Sie ist Erziehungswissenschaftlerin und Sexualpädagogin bei pro familia in Marburg und sagt: «Sexuelle Aufklärung sollte kein einmaliges Ereignis, sondern ein Prozess sein.» Fielenbach erlebt es, dass Teenager oft gar nicht mehr wollen, dass die Eltern mit ihnen über intime Dinge sprechen. Daher sei es sinnvoll, frühzeitig mit den Kindern ins Gespräch zu gehen.

7. Wie unterscheiden Eltern ernsthafte Probleme von normalen Problemen?

Schlechte Laune, Zurückgezogenheit, Trotzausbrüche: All das gehört zur Pubertät. Aber woran erkennen Eltern, ob mehr dahintersteckt? «Eltern sind oft betriebsblind», erklärt Raffauf. Wer sich unsicher ist, sollte sich mit anderen Eltern austauschen - oder bei einer Erziehungsberatungsstelle nachfragen. Pädagogin Fielenbach rät Eltern, ihre eigene Einschätzung zu hinterfragen und sich nicht mit vorschnellen Erklärungen zufriedenzugeben. «Schlechte Stimmung auf die Pubertät zu schieben und damit zu bagatellisieren, kann den Blick auf die Situation verhindern.»

8. Autoritätsperson oder bester Kumpel: Was sollten Eltern sein?

Gegenseitigen Respekt wachsen zu lassen: oft ist das ein Balanceakt. Familie sei keine Demokratie, sagt Hoffmann. Eltern sollten sich Argumente anhören und ihre eigenen Standpunkte erklären - aber am Schluss entscheiden sie. Dennoch: Um Respektlosigkeit vorzubeugen, sei es wichtig, Kindern selbst respektvoll zu begegnen, findet Psychologin Raffauf. «Das mit dem Kumpel, das sollten wir aber vergessen.». Denn bei allem Respekt: Die besten Freunde für Teenager seien nicht Eltern, sondern Teenager.

Ulrich Hoffmann: Jetzt chill mal, Papa. Thiele & Brandstätter. 160 S. Euro 12,00, ISBN-13: 9783851793192

Elisabeth Raffauf: Pubertät heute: Ohne Stress durch die wilden Jahre. Beltz. 128 S. Euro 12,95, ISBN-13: 9783407225108

Veröffentlicht am:
04. 05. 2018
04:27 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bergarbeiter Eltern Pubertät Pädagogen und Erziehungswissenschaftler Sex Sexual-Aufklärung Suizidgefahr Teenager Tipps Tod und Trauer
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Ein Raum für zwei: Wie es mit dem gemeinsamem Kinderzimmer klappt

22.09.2017

Wie es mit dem gemeinsamem Kinderzimmer klappt

Aus Platzgründen ist ein gemeinsames Kinderzimmer oft die einzige Lösung. Wichtig ist dabei, dass jedes Kind einen Rückzugsraum hat. Spätestens in der Pubertät wird ein eigenes Zimmer aber immer wichtiger. » mehr

Monika Wertfein

05.01.2018

Homogen oder heterogen: Welche Kitagruppe fürs Kind?

Erst Krippe oder gleich Kindergarten? Bei der Altersmischung der Gruppen gibt es in deutschen Kitas unterschiedliche Konzepte. Der verbreitete Klassiker bietet aus Sicht von Experten einige Vorteile. Mit größerer Alterss... » mehr

Elterntaxi zur Schule

15.08.2017

Chaos vor der Schule: Lassen sich «Elterntaxis» stoppen?

Der Morgen rast schon wieder dahin, und draußen regnet es auch noch. Schnell haben Eltern doch wieder einen Grund, ihr Kind ausnahmsweise mit dem Auto zur Schule zu fahren. Zweimal täglich verursachen sie so ein Chaos au... » mehr

Peerberaterin Lina

05.02.2018

Wenn Jugendliche sich selbst töten wollen

Jeden Tag nehmen sich in Deutschland statistisch ein bis zwei Heranwachsende das Leben. Bei einem Online-Projekt unterstützen Jugendliche Gleichaltrige in extremen Krisen. Das Wichtigste dabei: für die Betroffenen da zu ... » mehr

Eckart Hammer

17.08.2018

Im Alter neue Kontakte knüpfen

Je älter wir werden, desto schwieriger wird es, Freundschaften zu pflegen oder gar neue zu schließen. Die beste Freundin aus Schulzeiten ist längst verstorben, der Kumpel aus dem Fußballverein lebt zu weit weg. Wie sich ... » mehr

Senioren-Paar

03.05.2018

Sexualbegleitung für alte Leute

Sexuelles Verlangen verlöscht auch im Rentenalter nicht. Aber was, wenn Senioren nicht mehr in der Lage sind, diesem eigenständig nachzugehen? Sexualbegleiter versprechen Hilfe. Doch dieses Angebot in Anspruch zu nehmen,... » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
04. 05. 2018
04:27 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".