Topthemen: Hof-GalerieWaldschratDie Bilder vom WochenendeFall Peggy KnoblochSelber Wölfe

 

Im Alter in eine Wohngemeinschaft ziehen

Viele ältere Menschen wollen so lange wie möglich selbstständig bleiben und in den eigenen vier Wänden leben. Dabei haben Wohngemeinschaften viele Vorteile, denn gemeinsam altert es sich leichter. Was Interessierte beachten sollten.



Frauen unterhalten sich
Einsam muss auf «Hof Eiche» in Emsdetten niemand sein. Wer Gesellschaft sucht, geht in dem Komplex aus mehreren Wohnungen einfach vor die Tür.   Foto: Caroline Seidel » zu den Bildern

Rita Stahl hat geschafft, wovor sich viele ältere Menschen fürchten. Mit 68 Jahren ist sie aus «ihrem» Stadtteil Ludwigshafen-Oppau, in dem sie seit der Geburt wohnte, weggezogen, um mit anderen Senioren in einer Gemeinschaft zu leben. 

«Haus Noah» ist eine Mischung aus «normalen» Wohnungen, betreutem Wohnen und Senioren-Wohngemeinschaft. 24 Wohneinheiten im ersten und zweiten Stock des Hochhauses sind barrierefrei. Außerdem gibt es einen Gemeinschaftsraum mit einer Küche, wie in jeder WG. Zusätzlich haben die Wohnungen eine eigene kleine Küche. Täglich besucht die Bewohner eine Fachkraft des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). «Sie steht für persönliche Gespräche zur Verfügung und bietet Aktivitäten wie Sitzgymnastik oder Ausflüge an», erklärt Tanja Hahn, Projektleiterin für «Haus Noah» der BASF Wohnen und Bauen. 

Rita Stahl wohnt im neunten Stock. Ihre Wohnung ist barrierefrei. Für Spiele-Abende oder zum gemeinsamen Essen gibt es hier ebenfalls einen Gemeinschaftraum. Alle Angebote sind freiwillig. «Man muss nicht einsam sein, wenn man es nicht will», sagt Stahl.

Die meisten älteren Menschen wünschen sich nach neueren Umfragen ein Leben in den eigenen vier Wänden, außerhalb stationärer Einrichtungen. Sollte es ohne fremde Hilfe nicht mehr gehen, könnte sich laut Generali Altersstudie von 2013 immerhin gut jeder Vierte der 65- bis 85-Jährigen vorstellen, in einem Mehrgenerationenhaus oder einer Wohngemeinschaft unterzukommen. 

Mit den Nachbarn alt werden - unter diesem Motto wohnen mehrere Generationen auf «Hof Eiche» in Emsdetten im Münsterland. 2007 hörte Elisabeth Albrecht von dem Projekt. Die heute 80-Jährige verkaufte ihr Haus und schloss sich der Gruppe an. Mittlerweile sind 40 Menschen zwischen einem und 80 Jahren in einem quadratisch angeordneten Wohnkomplex mit 25 Wohnungen angesiedelt.

Albrecht bügelt für ihre Nachbarn, andere kümmern sich um die Kleinen oder versorgen Haustiere. Wird jemand krank, ist ihm die Hilfe der Mitbewohner sicher. Will Albrecht Gesellschaft, muss sie nur vor die Tür treten und sich im grünen Innenhof niederlassen.

«Ein solches Konzept bedeutet Arbeit», gibt Johannes Bergmann zu bedenken, der ebenfalls auf «Hof Eiche» lebt. «Man muss bereit sein, seine Zeit zu opfern und andere zum Mitmachen motivieren.» Der 58-Jährige empfiehlt potenziellen Nachahmern: «Baut euch keine Luftschlösser.» Bei dieser Form des Wohnens gebe es auch mal Krach.

Beratung finden Interessierte unter anderem bei den Regionalstellen des Forums gemeinschaftliches Wohnen . Die Mitarbeiter kennen bereits bestehende oder geplante Projekte und können mit Info-Broschüren weiterhelfen. «Wir bekommen immer mehr Anfragen», sagt Josef Bura, Vorsitzender des Forums.

Alexander Grünenwald ist Geschäftsführer der BauWohnberatung Karlsruhe, die die Planung von «Haus Noah» unterstützt hat. Er rät, rechtzeitig mit der Planung eines Wohnprojekts  anzufangen und so früh wie möglich professionelle Unterstützung zu suchen. «Ideal ist der Zeitpunkt, wenn die Kinder aus dem Haus sind oder das Arbeitsende absehbar ist», meint Grünenwald. Mit drei Jahren Laufzeit müsse man dabei rechnen. 

Viele Projekte scheitern schon in der Planungsphase. Die Gruppe diskutiert lieber über die Bodenbeläge als über den Ort des Projekts, es fehlt das fachliche Wissen, manchmal schlicht der Mut. «Man muss das wirklich wollen und den Sprung machen», sagt Rita Stahl. 

Veröffentlicht am:
11. 05. 2018
11:07 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
BASF AG Deutsches Rotes Kreuz Eichen Eigenheimbesitzer Foren Senioren Stahl Wohngemeinschaften Wohnungen
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Silvesterfeier

27.12.2018

Zehn Tipps für eine sichere Silvesterfeier

Egal, ob man Silvester mit viel Sekt, Raketen und lauter Partymusik oder lieber gemütlich mit Freunden beim Fondue feiert: Damit der Start ins neue Jahr reibungslos gelingt, gibt es einiges zu beachten. » mehr

Kerstin Tempel

24.08.2018

Optionen zur Kinderbetreuung außerhalb der Verwandtschaft

«Oma zu verleihen»: Wer keine eigenen Verwandten in der Nähe hat, würde sich über eine solche Anzeige freuen. Zum Glück gibt es aber Alternativen: Sie reichen von ehrenamtlichen Helfern bis zu bezahlten Dienstleistern. » mehr

Ferienbetreuung bei Schott

27.07.2017

Ferienbetreuung kann große Herausforderung sein

Viele Eltern müssen in den Sommerferien arbeiten - und brauchen eine Betreuung für ihre Kinder. Vor allem größere Unternehmen bieten dies reichlich an. Kleine Betrieben können das dagegen oft nicht leisten. » mehr

Pflege zu Hause organisieren

27.10.2017

Pflege zu Hause organisieren: Die ersten Schritte

Wenn ein naher Angehöriger pflegebedürftig wird und auf keinen Fall in ein Heim möchte, dann muss auf die Schnelle viel organisiert werden. Tipps für die Organisation der Pflege zu Hause. » mehr

Seniorenbetreuung

18.09.2017

Entlastungsangebote - Pflegebedürftige bekommen Alltagshilfe

Ambulant vor stationär - Pflegebedürftige sollen möglichst lange selbstständig bleiben. Das wird angesichts der alternden Gesellschaft immer wichtiger. Der Pflegemarkt stellt sich gerade darauf ein. » mehr

Pflegebedürftige Eltern

13.07.2017

Pflegebedürftige Eltern: Was Familien bedenken sollten

Wenn die Eltern pflegebedürftig werden, bedeutet das für die ganze Familie eine große Herausforderung. Das gilt vor allem für Familien, in denen nicht alle nah beieinander wohnen. Ganz wichtig ist dann das Gespräch mitei... » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
11. 05. 2018
11:07 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".