Lade Login-Box.
Topthemen: Bilder vom Wochenende30 Jahre GrenzöffnungBlitzerwarnerVER Selb

 

So gelingt der Umzug mit Kindern

Die Lieblingslehrerin in der Schule, die Freunde im Sportverein, der Spielplatz um die Ecke - Kinder lieben ihr vertrautes Umfeld. Doch was, wenn ein Umzug ansteht? Für viele fühlt sich das bedrohlich an. Umso wichtiger, dass Eltern ihre Ängste und Sorgen ernst nehmen.



Packen für den Umzug
Sachen packen, alles organisieren: Ein Umzug ist für alle Beteiligten in der Familie anstrengend.   Foto: Franziska Gabbert/dpa-tmn » zu den Bildern

Familienumzug von Berlin nach Stuttgart - der Gedanke schwirrte Christina Häußler (39) schon lange durch den Kopf. Ihr Mann hatte in Stuttgart einen Job, der ihn erfüllte, sie reizte der Neuanfang.

Irgendwann war es beschlossene Sache, das Abenteuer konnte beginnen - eigentlich. Doch so einfach war es nicht. Christina Häußlers sechsjährige Tochter Stella fand die Entscheidung der Eltern gar nicht abenteuerlich. Ihr Standpunkt war klar: Sie wollte bleiben.

Für die Frankfurter Diplom-Pädagogin und Paar- und Familientherapeutin Bettina Freifrau von Schorlemer ist das eine ganz natürliche Reaktion. Vor allem Kinder, die älter als fünf Jahre sind, könnten nicht mehr unbefangen mit einem Umzug umgehen. «Sie haben schon ein festes soziales Umfeld: Freunde, Schule, Nachbarn oder auch die Großeltern in der Nähe.»

Hier sei viel Fingerspitzengefühl gefragt. Von Schorlemer empfiehlt: «Sobald die Entscheidung feststeht, sollten Eltern mit ihren Kindern darüber sprechen»

So tasteten sich auch Christina Häußler und Tochter Stella langsam an ihr neues Zuhause heran. «Wir sind vor dem Umzug immer wieder in Stuttgart gewesen und haben schöne Plätze für uns entdeckt», erinnert sie sich. «Wir haben uns richtige Luftschlösser gebaut und uns so nach und nach gedanklich in Stuttgart verankert.»

Genauso wichtig wie die Vorfreude aufs neue Zuhause ist jedoch auch ein ausführliches Abschiednehmen - das betont Helga Boldt. Sie ist Schulleiterin der Neuen Schule Wolfsburg, an der regelmäßig Kinder aus anderen Städten oder Ländern in bestehende Klassen wechseln oder sie wieder verlassen. Hauptgrund dafür sind häufige berufsbedingte Wohnortwechsel der Eltern, die bei Volkswagen angestellt sind.

«Kinder, die sich in Ruhe und mit offenem Herzen von ihrer alten Schule verabschieden, haben es in der neuen Schule einfacher», sagt Helga Boldt. Deshalb wird an der Neuen Schule Wolfsburg ein Abschied gebührend gefeiert - mit selbst gebastelten Geschenken und Kuchen.

Den Kindern Zeit geben, sich mit dem neuen Umfeld vertraut zu machen, dazu rät auch Stefanie Malanowski. Sie ist Diplom-Psychologin sowie Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin in Berlin. «Natürlich haben Eltern das Bedürfnis, den Kindern den besten Start in der neuen Umgebung zu ermöglichen und nehmen häufig viel vorweg.»

Dabei sei es nicht immer sinnvoll, den Kindern schon im Vorfeld eine für sie vorgefertigte Umgebung zu schaffen - den neuen Sportverein schon auszusuchen oder die Musikschule. «Das kann Kinder schnell überfordern. Ich bin davon überzeugt, dass sie von sich aus signalisieren, was für sie das richtige Tempo ist», sagt Malanowski.

Doch auch die beste Vorbereitung auf das neue Zuhause schützt nicht vor Heimweh. Laut Malanowski werden Umzüge von Kindern in der Regel zwar gut bewältigt. In seltenen Fällen zeigen sie jedoch auffällige Symptome. Sie entwickeln eine verstärkte Trennungsängstlichkeit, ziehen sich zurück, nässen nachts plötzlich wieder ein, bekommen Alpträume, werden launischer oder sogar aggressiv. Halten solche Auffälligkeiten länger als ein halbes Jahr an, sei es ratsam, einen Therapeuten aufzusuchen.

Stella lebt nun seit sechs Monaten in Stuttgart - sie geht in den Kindergarten, hat neue Freundinnen. Christina Häußler ist glücklich, dass ihre Tochter die Umstellung gemeistert hat. Und neulich sagte Stella: «Mama, Stuttgart ist jetzt unser neues Zuhause!» Da war klar: Jetzt sind alle drei wirklich angekommen.

Veröffentlicht am:
14. 09. 2018
04:27 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Familientherapeutinnen und Familientherapeuten Freunde Sportvereine Töchter Volkswagen AG Ängste
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Streit

04.10.2019

Trotz Trennung zusammen wohnen bleiben

Die Beziehung ist beendet, was schon schmerzhaft genug ist. Aber Dinge wie ein gemeinsames Haus können Ex-Partner zwingen, einen endgültigen Schlussstrich zu ziehen. Doch genau der wäre notwendig. » mehr

Geschwister als Rivalen

01.03.2019

Vom ewigen Geschwister-Streit zum Geschwister-Team

Im Alltag von Geschwistern ist häufiger Streit an der Tagesordnung. Warum ist das so? Und wie gelingt es Eltern, als Konfliktcoaches die Kampfhähne zu einem starken Team zu formen? » mehr

Marion Brandt

14.12.2018

Warum die Patchworkfamilie dauernd für Konflikte sorgt

Patchworkfamilie - der Name klingt so lässig und fröhlich. Dahinter verbergen sich nicht selten zermürbende Beziehungsjahre, Kummer, Demütigung, Ablehnung zwischen Kindern und Stiefeltern. Die neuen Familien können gelin... » mehr

Zurück ins Kinderzimmer

19.07.2019

Mit Ende Zwanzig zurück ins Kinderzimmer

Sie waren schon mal flügge, zogen um die Ecke oder in die weite Welt. Nach Jahren passiert es dann: Ein Job in der Heimat, ein Studium oder die Trennung vom Partner - und die Kinder stehen wieder auf der Matte. Doch nich... » mehr

Bettina Steingass

07.06.2019

Was tun, wenn der Partner ein bisschen fremdgeht?

Ein Like hier, ein Herz-Emoji da, und der Beziehungsstatus wird dem neuen Online-Schwarm verheimlicht: Kleine Dinge können das Vertrauen in Paarbeziehungen auf die Probe stellen. Doch wo fängt Betrug an, und wie sollte m... » mehr

Reiner Kuhn und Tochter Katharina

06.10.2017

«Guck mal, da kommt der Opa»: Im Alter noch mal Vater werden

Wenn andere Opa werden, legt manch einer selbst noch mal nach. Väter jenseits der 50 oder 60 sind längst keine Seltenheit mehr. Was bedeutet so eine Konstellation für die Familie? Und wie geht man damit um, wenn einen al... » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
14. 09. 2018
04:27 Uhr



^