Lade Login-Box.
Topthemen: Bilder vom Wochenende30 Jahre GrenzöffnungBlitzerwarnerVER Selb

 

Wann erzählen Frauen von ihrer Schwangerschaft?

Ob lang ersehnter Kinderwunsch oder ungeplante Schwangerschaft: Wer ein Kind erwartet, muss früher oder später Freunden, Familie und dem Arbeitgeber davon erzählen. Aber wann ist dafür der richtige Zeitpunkt?



Frohe Botschaft
Manche platzen vor Glück, wenn der Schwangerschaftstest positiv ist: Dann spricht nichts dagegen, es gleich Freunden und der Familie zu erzählen.   Foto: Christin Klose

Ich bin schwanger» - mit dieser Erkenntnis fängt es an. Teilen muss man sie nicht unbedingt gleich. Fast ein Drittel aller Schwangerschaften endet innerhalb der ersten drei Monate in einer Fehlgeburt.

Darum hat sich eine Art magische Grenze etabliert: Viele Frauen oder Paare berichten erst nach zwölf Wochen von ihrer Schwangerschaft. Aber muss man das unbedingt so machen? Ein Richtig oder Falsch gibt es nicht, sagt Angela Klein, die als leitende Psychologin im Bereich der Gynäkologischen Psychosomatik an der Uniklinik Bonn tätig ist. Jede Frau handle je nach Naturell und Vorgeschichte anders und müsse abwägen, was am besten zu ihr und der jeweiligen Situation passt.

Abhängig von Situation und Vorgeschichte

Frauen, die schon eine oder sogar mehrere Fehlgeburten erlitten haben, seien bei Folgeschwangerschaften vorsichtiger. «Andere platzen vor Glück und können kaum darauf warten, alle einzuweihen.» Auch die Hebamme Manuela Rauer sagt: «Wenn es sich um eine gewünschte Schwangerschaft handelt und alle Beteiligten glücklich sind, spricht nichts dagegen, schon früh von der Schwangerschaft zu erzählen.»

Haben Frauen bereits eine Fehlgeburt erlitten, versuche sie im Gespräch zu erfahren, wie stark der Rückhalt aus dem familiären Umfeld ist, sagt Rauer. «Je größer der Kinderwunsch ist, desto stärker und früher findet auch eine Bindung ans Kind statt», sagt Klein. Im Falle eines Kindesverlustes sei folglich auch die Trauer größer. Daher sei es wichtig, vertraute Menschen um sich zu haben, von denen eine empathische Anteilnahme zu erwarten sei.

Vorteile und Nachteile

Halima Lohbeck, Bloggerin, Arbeitsrechtlerin und Mutter von zwei Söhnen, ist ihre Schwangerschaften zuversichtlich angegangen: «Als ich von meinen Schwangerschaften erfahren habe, habe ich mich so darüber gefreut, dass ich gleich allen davon erzählen wollte.» Sie hält nichts davon, lange mit der frohen Botschaft zu zögern. «Spätestens in der 7. Schwangerschaftswoche wussten alle Bescheid», sagt die 39-Jährige.

Ihre Freude habe sie nicht nur mit ihrem engsten Familien- und Freundeskreis teilen wollen. Auch in der Arbeitswelt gebe es durchaus Vorteile, früh von der Schwangerschaft zu erzählen, meint Lohbeck. «Es gibt bestimmte Arbeitsschutzbestimmungen, wie etwa die Einhaltung gewisser Arbeitszeiten, die logischerweise nur greifen können, wenn der Arbeitgeber auch von der Schwangerschaft weiß.»

Was für manche ein Grund ist, früh von der Schwangerschaft zu erzählen, hält andere wiederum genau davon ab, weiß Manuela Rauer aus Erfahrung. In gewissen Bereichen müssen Schwangere sofort die Arbeit niederlegen. Betroffen seien alle Frauen, die in Berufen mit hoher Infektionsgefahr arbeiten, wie etwa Erzieherinnen, Ärztinnen, Krankenschwestern oder auch Hebammen. «Frauen, die gerne arbeiten, halten ihre Schwangerschaft oft länger geheim», sagt Rauer. Dabei müsse das Wohl von Mutter und Kind jedoch immer an erster Stelle stehen.

Eine Frage des Naturells

In ihrem Berufsalltag als Hebamme habe sie außerdem beobachtet, dass Frauen, die im Falle einer schweren Krankheit des Kindes einen Schwangerschaftsabbruch erwägen, auf Nummer sicher gehen wollen. Sie warteten erst einmal weitere Untersuchungen wie beispielsweise das Ersttrimesterscreening ab, sagt Rauer. Diese Untersuchung wird zwischen der 10. und 14. Schwangerschaftswoche angeboten und macht eine Aussage zur Wahrscheinlichkeit einer Chromosomenabweichung wie etwa dem Down-Syndrom.

Wann werdende Eltern letztendlich mit der Botschaft an die Öffentlichkeit gehen, sei immer auch eine Frage des Naturells, sagt Halima Lohbeck. Manche Frauen machen solche Ereignisse eher mit sich selbst aus - sie jedoch sei ein ganz anderer Typ. «Ich will alles Schöne sofort mit Freunden und Familie teilen - genauso wie die weniger schönen Erlebnissen.»

Veröffentlicht am:
28. 09. 2018
10:18 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Arbeitgeber Fehlgeburten Hebammen Schwangerschaftswoche
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Namiah Bauer

17.05.2019

Wenn der Kinderwunsch nicht in Erfüllung geht

Viele Paare wünschen sich verzweifelt ein Kind. Manchmal gibt es organische Gründe, manchmal weiß niemand so recht, warum es nicht klappt. Eins haben alle Paare gemeinsam: Sie müssen gemeinsam durch eine schwere Zeit. Wi... » mehr

Die Paartherapeutin

12.07.2019

Wie Paare ihre Zukunft verhandeln sollten

Kinder - ja oder nein? Einen neuen Job im anderen Bundesland annehmen? Kaum ein Paar kommt darum herum, sich mit seiner Zukunft zu beschäftigen. Haben Partner unterschiedliche Pläne, kann das kritisch für die Beziehung w... » mehr

Vater in Elternzeit

27.05.2019

Gibt es noch Wickel-Verweigerer unter Vätern?

Schweigen, Geld verdienen - und ansonsten alles der Frau überlassen: Lange galt der abwesende Alleinverdiener-Papa als ganz normal. Väter in Elternzeit haben das Bild radikal verändert. Aber bei manchen hält sich das kla... » mehr

Gabriela Urban

07.09.2018

Elternzeit kann auch langweilig sein

Windeln wechseln, Kinderlieder singen und auf dem Spielplatz sitzen - in der Elternzeit beschäftigen sich Väter und Mütter fast ausschließlich damit. Eigene Interessen kommen dabei häufig zu kurz. Das kann auf Dauer zu U... » mehr

Als Renter hinzuverdienen

03.08.2018

Als Rentner weiter arbeiten gehen

Wer eine Altersrente bezieht, kann trotzdem weiter arbeiten und Geld verdienen. Die Rente wird dadurch nicht gekürzt. Es gibt aber Besonderheiten zum Beispiel bei der Krankenversicherung. » mehr

Vor der Geburt

25.08.2017

Was für eine gute Geburt wichtig ist

Eine Geburt geht vorüber, die Erinnerungen daran bleiben. Fast jede Frau wünscht sich eine schnelle, unkomplizierte Geburt - aber nicht alle bekommen sie. Eine Hebamme erklärt, was werdende Mütter dennoch dafür tun könne... » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
28. 09. 2018
10:18 Uhr



^