Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: Jubiläumsgewinnspiel "75 Jahre Frankenpost"WohnzimmerkunstBlitzerwarnerCoronavirus

 

Gute Eltern-Kind-Bindung bildet Fundament fürs Leben

Inniges Kuscheln, Hautkontakt, liebevolle Zuwendung - all das ist gut für die Bindung zwischen Eltern und Kind. Doch wie wichtig ist sie für das Baby? Und beeinflusst sie wirklich das ganze Leben?



Viel Zeit zusammen
Viel Zeit zusammen verbringen: Das stärkt die Bindung zwischen Eltern und Kindern, wie bei Inga Nawin und ihren Söhnen. Foto: Franziska Gabbert   Foto: dpa » zu den Bildern

Ob Geburtsvorbereitungskurs, Eltern-Ratgeber oder Online-Magazin - schon in der Schwangerschaft prasseln jede Menge Tipps auf junge Eltern ein. Immer mit dabei: das Thema Bindung - wie wichtig sie für das Kind ist und was es zu beachten gilt.

Häufig entsteht daraus vor allem eins: Verunsicherung. «Eltern dürfen gelassen bleiben», sagt Prof. Fabienne Becker-Stoll, Diplom-Psychologin und Direktorin des Staatsinstituts für Frühpädagogik in München. «Bindung zwischen Eltern und Baby entwickelt sich in der Regel völlig natürlich.» Durch sanfte Berührungen und eine liebevolle Zuwendung wachse eine innige Beziehung heran. Und die sei für die Entwicklung des Babys tatsächlich von enormer Bedeutung.

Viel Schutz und Geborgenheit

Jutta Draht, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin und Diplom-Heilpädagogin aus Hattingen (Nordrhein-Westfalen), vergleicht die Bindung mit Leitplanken: «Am Anfang stehen die Planken ganz eng. Das Baby braucht viel Schutz und Geborgenheit. Im Laufe des Lebens werden die Leitplanken immer weiter. Die Kinder haben Sicherheit erfahren und können sich nun selbst ausprobieren.»

Sicherheit und Geborgenheit schenken - das wünschte sich auch Inga Nawin aus Köln, als sie zum ersten Mal schwanger war. «Ich freute mich auf eine natürliche Geburt und auf die erste Kuschelzeit mit meinem Baby», erzählt die 39-Jährige. Doch alles kam anders. Trotz Wehen ging die Geburt nicht voran, zwei Tage lang bekam Nawin Schmerzmittel mit heftigen Nebenwirkungen. Und dann: Kaiserschnitt. Ihren kleinen Paul konnte sie danach nicht sofort in den Armen halten, die Wirkung der Medikamente war noch zu stark.

Erste Stunden sind nicht alles

«Mütter müssen sich auch dann keine Sorgen machen, etwas zu versäumen», sagt Becker-Stoll. «Die ersten Stunden nach der Geburt sind nicht alles. Die Eltern-Kind-Bindung entwickelt sich über eine lange Zeit.» Prägend seien die ersten acht bis zehn Lebensmonate. In diesem Zeitraum legt sich laut Becker-Stoll ein Baby auf seine Bezugsperson fest - dabei spielt es keine Rolle, ob es die Mutter, der Vater, Opa oder Oma ist.

Auch Inga Nawin wurde Bezugsperson Nummer eins für ihren Sohn Paul. «Obwohl ich die ersten Kuschelmomente verpasst habe, hatte ich nie Zweifel daran», erinnert sich die mittlerweile dreifache Mutter. Um wirklich unbeschwert mit ihrem Baby umgehen zu können, traf Nawin nach der Geburt eine Entscheidung: Sie wollte nicht stillen. «Mir widerstrebte die Vorstellung extrem.» Und trotzdem hörte sie immer wieder, wie wichtig das Stillen für die Bindung sei. «Das ist nicht richtig. Es gibt keinen Zusammenhang zwischen Stillen und Bindungsverhalten», sagt Becker-Stoll.

Keine Perfektionsansprüche

Vielmehr gehe es darum, einem Baby beim Füttern kostbare Momente zu schenken - durch Zuwendung, Berührung und Blickkontakt. «Wenn dies geschieht, ist es nicht entscheidend, ob ein Kind gestillt wird oder ein Fläschchen bekommt.»

Doch was ist mit Kindern, die nicht immer eine sichere Bindung erfahren haben? Meistern sie ihr Leben wirklich von vornherein schlechter? «Das muss nicht unbedingt sein», sagt Becker-Stoll. Bindung entstehe durch viele verschiedene Faktoren und werde nicht gleich durch einen oder zwei Fehler zerstört. Eltern sollten daher keine Perfektionsansprüche an sich stellen. «Wenn sie mal aus der Haut fahren und wütend mit ihren Kindern schimpfen, wird die Bindung nicht darunter leiden», sagt Becker-Stoll.

Veröffentlicht am:
05. 10. 2018
12:57 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Geborgenheit Medikamentenwirkung Stillen Säuglinge und Kleinkinder Vorschulpädagogik
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Wieder schwanger nach Fehlgeburt

12.02.2020

Wenn Frauen nach einer Fehlgeburt wieder schwanger werden

Die unbändige Freude darüber, ein Kind in sich zu tragen - und die Trauer, es vor der Geburt zu verlieren: Manche Frauen erleben beides. Eine Betroffene erzählt ihre Geschichte, um anderen Mut zu machen. » mehr

Gemeinsam spielen am Tisch

23.06.2020

In der Natur oder am Tisch: Warum Spielen wichtig ist

Puzzles und Brettspiele - das war in den vergangenen Wochen besonders gefragt. Kein Wunder, verbrachten Eltern und Kinder doch wegen der Corona-Pandemie viel Zeit zusammen. Es gibt viele Gründe, warum das gemeinsame Spie... » mehr

Mini-Gruppe statt Maske: Wie mehr Notbetreuung in Kitas gelingt

20.04.2020

Wie mehr Notbetreuung in Kitas gelingt

Es dürfen wieder mehr Geschäfte öffnen, und Betriebe schieben ihre Produktion an. Wenn Eltern nicht mehr zu Hause sind, benötigen sie eine Notbetreuung für die Kinder. Tipps zum Wechsel in die Kita. » mehr

Nuckel ade

10.07.2020

So klappt der Abschied vom Schnuller

Eltern kaufen ihn meist in mehrfacher Ausführung: Denn der Schnuller ist für viele Kinder ihr Ein und Alles. Irgendwann muss aber Schluss mit dem Stück Plastik sein. Wie klappt der Abschied am besten? » mehr

Wenn Papa noch mal Vater wird

23.06.2020

Halbgeschwister als Störenfriede?

Die Trennung der Eltern ist gerade einigermaßen verarbeitet, da bekommt Papa mit der neuen Partnerin ein Baby. Kinder kann das in widersprüchliche Gefühle stürzen - und Vätern einiges abverlangen. » mehr

Berührung

28.05.2020

Was die Isolation mit uns macht

Wenn wir Menschen lieben, halten wir uns von ihnen fern. Auf eine solche Idee muss man erst einmal kommen - und ohne Corona-Pandemie wäre das wohl kaum passiert. Aber wie lange können Menschen auf Nähe und Berührungen ve... » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
05. 10. 2018
12:57 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.