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Freundinnen fürs Leben

Brigitte und Sigrid sind beste Freundinnen. Seit 30 jahren kann sie nichts trennen, selbst Ozeane oder Männer brachten sie nicht auseinander. Das Geheimnis einer echten Freundschaft



Mindestens zweimal im Jahr besuchen sich Brigitte Schult-Debusmann (rechts) und Sigrid Thelen-Schult. Der große Traum der beiden Freundinnen: den Lebensabend gemeinsam verbringen.   » zu den Bildern

Im Sandkasten teilen beste Freundinnen Schaufel und Eimer. In der ersten Klasse den todschicken Radiergummi in Blümchenform und als Teenager die allerneusten Schminktipps. Brigitte und Sigrid, beste Freundinnen, haben sich den Mann geteilt. Wenn Brigitte Schult-Debusmann sich an den Anfang ihrer Freundschaft mit Sigrid Thelen-Schult erinnert, reist sie in Gedanken zurück ins Allgäu.

Dorthin zieht die mittlerweile 70-jährige Lehrerin 1985 mit ihrer Familie. Ihr Mann, ebenfalls Lehrer, übernimmt die erste Klasse. Sigrid ist die neue Kindergärtnerin, bei der Brigitte ihre damals fünfjährige Tochter jeden Morgen abgibt. "Sie war mir gleich sympathisch", erzählt sie. Sigrids Tochter geht in die Klasse ihres Mannes, beide Familien treffen sich öfters, die Kinder spielen zusammen.

"Sigrid ist spontan und kann begeistern, das hat mir sehr gefallen", sagt Brigitte über ihre Freundin. "Sie hat eine ganz andere Art als ich, ist so angenehm ruhig und war anfangs auch recht zurückhaltend", meint die 66-jährige Sigrid rückblickend. Seit über 30 Jahren sind die beiden beste Freundinnen, und je mehr Zeit sie miteinander verbringen, umso enger rücken sie zusammen. "Eine ähnliche Lebensanschauung ist wichtig für eine wirkliche Freundschaft", ist Sigrid überzeugt. Dabei darf jeder durchaus seine eigene Meinung und andere Interessen haben. Aber die innere Grundeinstellung stimmt. Etwa der Anspruch, nicht vor sich selbst wegzulaufen, und die Zuversicht, dass das Leben einen guten Weg nimmt.

"Sigrid ist nach meinen Kindern das Allerwichtigste für mich", sagt Brigitte liebevoll. "Wir haben immer das Wohl des anderen im Blick und fördern es uneigennützig", beschreibt sie die Beziehung zu ihrer besten Freundin. Sigrid ist es wichtig, dass sie sich mit ihrer Freundin so gut ergänzt. "Diese Freundschaft ist eine Bereicherung, wir unterstützen uns seelisch und emotional, ich kann mit ihr über alles sprechen."

Prägend in ihren Leben war für sie die Beziehung zum selben Mann. "Ich habe nach kurzer Zeit gemerkt, dass mein Mann ein Verhältnis hat. Mit Sigrid", sagt Brigitte. Damals stellt sie ihre Freundin zur Rede. "Das war für mich wie eine Befreiung. Ich habe ihr angeboten, dass ich auf ihn verzichte, das war mir sehr wichtig. Doch sie hat abgelehnt", schildert Sigrid das Gespräch. Wirklich übel nimmt es ihr die Freundin nicht. "Unsere Ehe war schon länger wackelig, ich war eigentlich froh, nun einen äußeren Anlass zu haben, das zu beenden", gibt Brigitte zu.

Nach einer etwa sechswöchigen Pause nehmen die beiden ihre Freundschaft also wieder auf. Die Kinder besuchen sich und haben in der neuen Familie ein zweites zu Hause. Auch als Sigrid mit ihrem neuen Ehemann, dem inzwischen geborenen gemeinsamen Sohn und der Tochter nach Südtirol umzieht, reißt der Kontakt nicht ab. "Ich glaube, weil wir gleich am Anfang so eine Krise durchgemacht haben, gab es nie ein Zerwürfnis in den 30 Jahren", meint Sigrid. Auch als ihre Ehe nach drei Jahren zerbricht, der gemeinsame Exmann später tödlich verunglückt und Brigitte wieder heiratet, berührt das die Freundschaft der Frauen nicht.

Mit Ausnahme der ersten beiden Jahre ihrer Freundschaft haben die beiden Frauen nie mehr in derselben Stadt gelebt. Zeitweise lebten sie in verschiedenen Ländern, sogar auf verschiedenen Kontinenten. Dennoch bleiben sie immer in Kontakt, besuchen sich mindestens zweimal im Jahr, schreiben Briefe oder Kurznachrichten und telefonierten mehrmals pro Woche miteinander. "Wir sind überzeugt, dass unsere Freundschaft auch bei mehr räumlicher Nähe gehalten hätte", sind die beiden sicher.

Dass räumliche Nähe nicht für jede Freundschaft förderlich ist, das hat Dr. Julia Hahmann herausgefunden. Sie forscht als Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Institut für Beziehungssoziologie an der Universität Vechta und hat sich intensiv mit den Themen Freundschaft und Neue Medien beschäftigt. "Wenn man einen weiten Weg zurück legt, um sich zu sehen, dann ist das etwas Besonders. Dann geht man liebevoller miteinander um", so ihre Erfahrung. Sie weiß, dass Freundschaften, die im Jugendalter starten, oft mehr Chancen haben, die Jahrzehnte zu überdauern, als solche, die erst zwischen Erwachsenen entstehen. "Man kennt die Ursprungsfamilie, sozusagen den Stall, aus dem der andere kommt."

Diese Verbindung bleibt auch erhalten, wenn zwischenzeitlich mitunter andere Beziehungen in den Vordergrund rücken. Etwa die Eltern von Freunden der eigenen Kinder. Oder die Nachbarn, denen man im Alltag schlicht öfters über den Weg läuft. Wenn sich diese Lebensumstände ändern, die Kinder aus dem Haus sind und die Nachbarn älter werden, dann würde so manche Jugendfreundschaft wieder intensiver und durchaus erfolgreich gepflegt. "Alte Freunde gehen oft großzügiger mit Enttäuschungen um, als wie sie es beim eigenen Partner, dem Nachbarn oder Arbeitskollegen tun", erklärt Julia Hahmann.

Neben den Freunden im echten Leben spielen immer mehr auch Freunde aus sozialen Medien eine Rolle. Verwässern Hunderte Facebook-Freunde nicht den Wert von Freundschaft? "Diese Aussage halte ich für falsch, die Leute haben in der Regel ein sehr gutes Gespür dafür, wer von diesen vielen Freunden wirkliche Freunde sind", sagt Julia Hahmann. Sie hat jedoch bei ihren Untersuchungen Hinweise gefunden, die beide Thesen unterstützen. Hinweise, die für eine Qualitätsminderung, aber auch dagegen sprechen. "Viele Menschen treten durch die Neuen Medien viel stärker in Kontakt mit anderen, ich denke, das ist eine Generationenfrage." Sie ist überzeugt davon, dass sich durch Facebook oder WhatsApp zwar die Kommunikationswege ändern, nicht jedoch automatisch die Qualität des Kontakts. "Man kann damit gut den tatsächlichen Austausch im Alltag ersetzen, wenn ein Freund gerade nicht da ist". Es fehle dann allerdings Körpersprache und der körperliche Kontakt, neben der Stimme ebenfalls wichtige Kommunikationsmittel.

Wie viel Austausch es braucht, um eine Freundschaft am Leben zu halten, sei völlig unterschiedlich. "Gerade ältere Menschen sehen sich vielleicht nur alle fünf Jahre, andere Freundschaften funktionieren nur über den gemeinsamen Alltag", sagt die Soziologin. Was einen guten Freund ausmache, sei daher nicht allgemeingültig zu definieren. Sie habe beobachtet, dass das Thema Freundschaft in der Gesellschaft stark romantisiert werde, nach dem Motto "Kein Leben ohne einen wirklich guten Freund". "Es gibt auch Menschen, die alleine völlig zufrieden und glücklich sind", gibt sie zu bedenken.

Alleine glücklich sein wollen Sigrid und Brigitte nicht. Nach etlichen gemeinsamen Urlauben etwa in Holland oder auf Lanzarote wollen sie in diesem Jahr zusammen mit dem Wohnmobil nach Irland fahren.Zum wandern. Zum Wandern. "Laufen ist eine große Leidenschaft von uns beiden", sagt Brigitte. Der große Traum der beiden Freundinnen: den Lebensabend gemeinsam verbringen. Derzeit lebt die eine in der Nähe ihrer kleinen Enkel in Stuttgart, die andere bei ihren Enkeln in Coburg. "Aber wenn die Kinder in einigen Jahren groß sind oder einer von uns vielleicht mehr Hilfe im Alltag braucht, vielleicht ist das dann der Zeitpunkt, wo das klappt", ist Brigitte zuversichtlich. Nach einer geeigneten Wohnung für ihre Freundin hält sie vorsorglich schon mal Ausschau.

 

Freundschaft zwischen Buchdeckeln


Der Kleine Prinz – von Antoine de Saint-Exupéry. Die philosophisch-poetische Geschichte vom Kleinen Prinzen erschien erstmals 1943 und fasziniert noch immer große und kleine Leser. Der Kleine Prinz bereist auf der Suche nach Freunden allerlei seltsame Planeten und erlebt jede Menge Abenteuer. Das moderne Märchen wurde auch als Zeichentrickserie für Kinder verfilmt. 96 Seiten, erschienen im Anaconda Verlag.

Hector und das Wunder der Freundschaft – Roman von François Lelord. Hector ist ein Psychiater in Paris. Immer wieder behandelt er Menschen die darunter leiden, keine richtig guten Freunde mehr zu haben. Als er erfährt, dass sein allerbester Freund aus Kindertagen sehr viel Geld gestohlen haben soll, steckt er kurz darauf mittendrin in einem großen Abenteuer. Das führt ihn nicht nur durch zahlreiche Länder Südostasiens, sondern auch zu der Frage, was Freundschaft ihm eigentlich bedeutet und warum sie für alle Menschen so wichtig ist. 256 Seiten, erschienen 2010 im Piper Verlag.

Freundschaft. Das Buch. Auf 272 Seiten sind Essays unter anderem von Soziologe Heinz Bude, Kunsthistoriker Werner Busch, Sozialwissenschaftlerin Heidrun Friese, Publizist Hans Ulrich Gumbrecht, Autor Jean-Louis Schefer und Philosoph Peter Trawny gesammelt. Sie gehen den Fragen nach, was Freunde verbindet, ob wir mit demjenigen befreundet sind, der uns ähnlich oder gegensätzlich ist, und ob Freundschaft nicht ohnehin eine Utopie ist. Das Buch erschien 2015 begleitend zur Ausstellung "Freundschaft – Die Ausstellung über das, was uns verbindet" im Deutschen Hygiene Museum in Dresden. Herausgegeben 2015 von Daniel Tyradellis im Verlag Matthes & Seitz Berlin.
 

Freundschaft . .

. . . in turbulenten Zeiten: Greta Garbo (1905 – 1990) und Salka Viertel (1889 – 1978). Die beiden Schauspielerinnen verband fast 50 Jahre eine mitunter unterbrochene, aber bis zu ihrem Tod sehr enge Freundschaft. Zeitweise soll es sogar eine Liebesbeziehung gewesen sein. Kennengelernt haben sie sich 1930 in Hollywood, als Greta Garbo, die gebürtige Schwedin, bereits weltberühmt war. Salka Viertel half Intellektuellen und Schauspielern, aus Nazi-Deutschland zu fliehen.

. . . in Hollywood: Matt Damon und Ben Affleck, US-Schauspieler und Drehbuchautoren, beide Mitte 40. Sie sind zusammen in Massachusetts, USA, aufgewachsen und gemeinsam nach Los Angeles gegangen. Der Durchbruch gelang ihnen 1997 mit dem Film "Good Will Hunting". Auf sie passt die neue Wortschöpfung "Bromance" perfekt, die die enge Freundschaft zwischen Männern beschreibt.

. . . mit Auszeiten: Courteney Cox (52, Schauspielerin) und Jennifer Aniston (47, Schauspielerin, Drehbuchautorin und Regisseurin). Die beiden US-Amerikanerinnen sind seit vielen Jahren beste Freundinnen. Kennen gelernt haben sie sich bei Dreharbeiten für die US-Serie "Friends", die bis 2004 produziert wurde. Seither sind sie unzertrennlich, auch wenn sie einen privaten Streit gelegentlich vor den Augen der Weltpresse austragen und dann vorübergehend der Kontakt abbricht. Bisher haben sich Cox und Aniston immer wieder versöhnt.


Autor
Christiane Schult

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Veröffentlicht am:
02. 02. 2017
18:05 Uhr

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02. 02. 2017
18:05 Uhr



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