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Sind pollenfreie Pflanzen die Lösung?

Manche Gartencenter und Gärtnereien preisen Pollenallergikern Pflanzen an, die dank Züchtung pollenfrei sind. Ist das die Lösung für Geplagte, die gerne im Garten sitzen würden oder gar darin arbeiten wollen? Und wie wirkt sich dies auf die Natur aus?



Heuschnupfen
Wer von Heuschnupfen geplagt ist, muss nicht auf Pflanzen in seinem Garten verzichten.   Foto: Franziska Gabbert » zu den Bildern

Gesundheit! Die Nase läuft. Die Augen sind rot, tränen, jucken. Auch die Haut kann reagieren und Kopfschmerzen sowie Schlafstörungen sind möglich - wer Heuschnupfen hat, ist geplagt. Und wer will mit einer Pollenallergie schon im Garten sitzen oder zwischen den Beeten arbeiten?

Betroffen von einer Pollenallergie sind mehr als 15 Prozent der Bevölkerung in Deutschland - laut dem Deutschen Wetterdienst ist die Tendenz steigend. Die Pollensaison dauert von Januar bis Oktober - je nach Witterung kann der tatsächliche Pollenflug einzelner Pflanzen von Jahr zu Jahr variieren.

Im Handel finden sich Pflanzen, die steril und pollenfrei sind - diese werden oft als Lösung für Allergiker beworben. Umweltschützer sind davon allerdings nicht begeistert, und auch Allergieexperten sind nur eingeschränkt von ihnen überzeugt.

Bringen pollenfreie Pflanzen Allergikern etwas?

Man muss zwei Pflanzen-Gruppen unterscheiden: So gibt es jene, die ihre Pollen in die Luft abgeben und vom Wind wegtragen lassen. Das sind die sogenannten Windblütler. Man erkennt sie oft daran, dass ihre Blüten unauffällig sind. Und es gibt die sogenannten Insektenblütler. Sie locken Insekten mit schönen Blüten an, damit die Tiere die schweren, großen Pollen zu anderen Blüten bringen.

Für Pollenallergien sind vorwiegend Windblütler verantwortlich - wie Haselnuss, Erle und Birke. «Ein Garten ohne Birke kann aber trotzdem nicht ganz vor allergischen Reaktionen auf Birkenpollen schützen», erklärt Anja Schwalfenberg vom Deutschen Allergie- und Asthmabund in Mönchengladbach. Denn der Wind kann die Pollen windblütiger Pflanzen sehr weit verbreiten. Zwar könnten auch Insektenblütler Allergien auslösen. Das komme aber eher selten vor. Deshalb habe das Setzen von sterilen Pflanzen für Pollenallergiker nur begrenzt eine Wirkung.

Sind sterile Pflanzen schlecht für die Natur?

Umweltschützer sprechen sich klar gegen sterile Pflanzen aus - gerade wenn es sich um solche Pflanzen handelt, die Insekten für Nahrung ansteuern müssen. Die kleinen Tiere finden häufig zu wenig Nahrung in der Natur und den Gärten. Wenn sie nun zum Beispiel sterile Geranien anfliegen, bekommen sie nicht nur keinen Nachschub an Nahrung, sie verbrauchen auch noch unnötig Energie für den Flug, erläutert Marja Rottleb vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu).

Gibt es eine andere Lösung?

Den Gedanken pollenfreier Pflanzen kann sogar Naturschützerin Rottleb nachvollziehen. Doch wer auf Pflanzen mit Allergiepotenzial verzichten will, muss ja nicht sterile Varianten verwenden. Beide Expertinnen raten Allergikern von windblütigen Pflanzen ab.

Und wer auf Birke allergisch reagiert, sollte sie nicht im Garten haben. Das gilt auch für Pflanzen dieser Familie: «Verwandte Arten können ähnliche Allergene aufweisen und dann zu Kreuzreaktionen führen», erläutert Schwalfenberg. Mit der Birke ist etwa die Hasel verwandt. Als Alternativen empfiehlt Rottleb etwa Weißdorn oder Kornelkirsche. Und statt einer Geranie sollte man etwa einen Blut-Storchschnabel oder die Wilde Malve pflanzen.

So erkennt man verwandte Pflanzen

Wer allergisch auf Birkenpollen reagiert, könnte auch Probleme mit der Hasel haben. Denn die beiden sind verwandt. Das trifft auf viele gängige Gartenpflanzen zu, die Pollenallergiker plagen. Betroffene sollten daher vor dem Kauf einer Pflanze recherchieren, ob sie sich nicht ein weiteres schwarzes Schaf einer Pflanzenfamilie auf ihr Grundstück holen. Das erkennen sie an den gemeinsamen biologischen Namen.

Biologische Pflanzennamen bestehen aus der Gattung an erster Stelle und der Art an zweiter Stelle. Manchmal gibt es auch noch eine Sortenangabe an dritter Stelle. Letztere wird meist in einfache Anführungszeichen gesetzt. Ein Beispiel: Die Birke gehört in die Gattung Betula, die Hasel in Corylus.

Hier findet man noch keine Gemeinsamkeiten. Daher muss man sich die höhere Kategorie anschauen: Die Verwandtschaft von Hasel und Birke zeigt sich im Familiennamen, der der Gattung übergeordnet ist. Bei den beiden Pflanzen lautet er Betulaceae.

Leider findet man diesen Familiennamen oftmals nicht bei den Informationen, die der Handel zu einer Pflanze gibt. Allerdings sind die Angaben so gängig, dass man sie über eine Suchmaschine im Internet schnell recherchieren kann. Dafür reicht es, den deutschen Pflanzennamen einzugeben.

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Von Simone Andrea Mayer
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Veröffentlicht am:
21. 02. 2019
05:02 Uhr

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Von Simone Andrea Mayer

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21. 02. 2019
05:02 Uhr



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