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Kartoffel und Süßkartoffel im Garten anbauen

Kartoffeln und Süßkartoffeln dienen seit Jahrhunderten als Nahrungsgrundlage. Doch abgesehen davon, dass beide essbare und leckere Wurzeln bilden, haben die Pflanzen nichts gemein. In der freien Natur würden sie sich nicht mal begegnen.



Kartoffelknolle
Damit die Knollen gut wachsen und reich tragen, sollte man den Boden mit Kompost und Stickstoffdünger vorbereiten.   Foto: Sven Hoppe » zu den Bildern

Kartoffeln und Süßkartoffeln werden gern in einen Topf geworfen, doch botanisch gesehen ist das nicht korrekt. Im Gegenteil: «Abgesehen davon, dass beide stärkereiche Organe im Boden bilden, haben die beiden Pflanzen nichts gemeinsam», sagt der Experte Bernhard von Hagen.

So gehören Kartoffeln (Solanum tuberosum) wie Tomate und Tabak zu den Nachtschattengewächsen. Die Süßkartoffel, auch Batate (Ipomoea batatas) genannt, ist ein Windengewächs. Um es ganz genau zu nehmen, bildet sie nicht einmal Knollen, sondern Botaniker sprechen von Speicherwurzeln. «Die Süßkartoffel bildet große, sehr schöne dunkelrosafarbene Blüten, die an Prunkwinden erinnern», so von Hagen, der als Kurator des Botanischen Gartens der Carl von Ossietzky Universität in Oldenburg tätig ist.

Grobe Gemeinsamkeit

Auch sonst sehen Pflanzen unterschiedlich aus. «Kartoffeln wachsen mit aufrechten Sprossen und haben gefiederte Blätter. Die Blätter der Süßkartoffel sind hingegen glatt, ganzrandig oder spießförmig. Ihre Sprossen liegen auf dem Boden, wie bei einem Bodendecker», erklärt Heidi Lorey, Gartenbau-Ingenieurin und Buchautorin. Dass beide in Südamerika kultiviert wurden, ist auch nur eine grobe Gemeinsamkeit. «Neuesten Erkenntnissen zufolge stammt die Süßkartoffel aus dem tropischen Asien und wurde in Südamerika nur domestiziert», so Lorey.

Bei den Anbaubedingungen stellen die beiden Gewächse höchst unterschiedliche Ansprüche. So benötigt die Batate zum Gedeihen Temperaturen über 25 Grad. «Die Süßkartoffel wächst im feucht-warmen, tropischen Tiefland. Bei Temperaturen unter 10 Grad stellt sie das Wachstum ein», ergänzt von Hagen. Die Kartoffel hingegen ist in den 3000 bis 4000 Meter hohen Anden zu Hause. Die Bedingungen dort sind wesentlich harscher und kühler, aber das ist für sie kein Problem. «Die Kartoffel ist sehr anpassungsfähig, was das Klima angeht», sagt Lorey. «Sie akzeptiert klimatisch Anbaubedingungen in einem breiten Rahmen. Nur Temperaturen über 28 Grad mag sie nicht.»

In freier Natur würden sich die beiden Pflanzen also nie begegnen. Im eigenen Garten stehen die Chancen dafür in bestimmten Regionen etwas besser - wenn auch nicht unbedingt im selben Beet.

Bei Raumtemperatur vorkeimen

Kartoffeln werden im April und Mai gelegt- Wilfried Stegmann von der Arbeitsgemeinschaft «Kartoffel des Jahres» empfiehlt, die Knollen vier Wochen vor der Aussaat bei Raumtemperatur vorzukeimen. «Das Vorkeimen verschafft den Pflanzen einen Vorsprung von ein bis zwei Wochen.» Im Sonnenlicht bilden die Kartoffeln zwei bis drei Zentimeter lange, grünliche Triebe. Mit diesen nach oben werden sie dann ins Beet gesetzt - entweder alle 30 Zentimeter in einem Reihenabstand von 75 Zentimetern oder rautenförmig im Abstand von 50 Zentimetern.

Stegmann empfiehlt, das Beet mit drei Litern Kompost pro Quadratmeter vorzubereiten - ergänzt um Stickstoffdünger. «Kompost allein als Dünger reicht nicht aus. Die Stoffwechselvorgänge sind zu langsam, um die Kartoffel ausreichend und insbesondere mit Stickstoff zu versorgen», erklärt der Experte. «Ansonsten kann es im Extremfall sogar zu Mindererträgen führen.» Abschließend werden die Knollen mit 15 Zentimetern Erde angehäufelt - und das Beet mit einer 10 Zentimeter dicken Schicht Stroh oder Gras bedeckt. Sobald das Laub im Spätsommer abgestorben ist, kann man die Kartoffeln ernten.

Halbschatten oft besser

Bei den frostempfindlichen Süßkartoffeln empfiehlt Lorey, sich Jungpflanzen aus dem Fachhandel zu besorgen und diese ab Mitte bis Ende Mai in einem Abstand von 50 mal 50 Zentimetern in ein mit Kompost angereichtes Beet auszupflanzen. «Der Standort muss nicht vollsonnig sein. Halbschatten ist oft sogar besser, damit die Blätter nicht verbrennen», erklärt die Expertin. Bataten sind recht pflegeleicht, sie müssen nur bei Trockenheit durchdringend gegossen werden. «Bisher gibt es so gut wie keinen Krankheiten oder Schädlinge - abgesehen von Mäusen im Herbst.» Nach etwa 100 Tagen lassen sich die Knollen vorsichtig aus dem Boden holen.

Anders als bei den Kartoffeln ist die Süßkartoffel-Pflanze dann aber nicht verwelkt, denn unter optimalen Bedingungen können die Gewächse mehrere Jahre lang gedeihen. «Die Ernte ist quasi eine Noternte, bevor die Temperaturen unter zehn Grad fallen und die Pflanze das Wachstum einstellt und erfriert», sagt von Hagen.

Literatur:

Heidi Lorey: Kartoffelliebe. Pflanzen, ernten, Sortenvielfalt genießen, Ulmer Verlag, 2019, 144 Seiten, 16,95 Euro, ISBN-13: 978-3-8186-0649-7.

Veröffentlicht am:
11. 04. 2019
04:57 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
11. 04. 2019
04:57 Uhr



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