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Wann soll man Blattläuse bekämpfen?

Blattläuse treten gerade im Frühling vermehrt auf. Vielen Gärtnern sind sie ein Graus. Die winzigen Läuse zu vernichten, ist ein schier unmögliches Vorhaben - und eigentlich auch erst mal gar nicht empfehlenswert. Die Natur reguliert sich oft selbst.



Gefährdete Pflanze
Eine große Menge Blattläuse kann den Pflanzen gefährlich werden. Sie saugen den Pflanzensaft aus.   Foto: Karl-Josef Hildenbrand » zu den Bildern

Sprießt das erste Grün im Garten, schlüpfen sie aus ihren Verstecken und aus den Eiern: Blattläuse machen Pflanzen vor allem im Frühling zu schaffen. «Läuse sind immer ein Zeichen dafür, dass eine Pflanze schwächelt», erklärt Olaf Beier vom Bundesverband Einzelhandelsgärtner.

Der Grund dafür kann vielfältig sein: Die Pflanze steht zu dunkel, zu warm oder zu trocken. Die Folge: Die Zellstruktur wird weich, und die Blattläuse können die Pflanzenhaut leicht durchstechen. Auch Düngung kann eine Ursache dafür sein, dass eine Pflanze schlapp macht - insbesondere wenn sie zu viel Stickstoff und zu wenig Kalium bekommt. «Kalium kräftigt die Zellwände und macht sie widerstandsfähiger. Zu viel Stickstoff ist eher kontraproduktiv und macht die Zellen weich», erläutert Beier.

Beliebte Orte

Da weiche Teile ihnen einen einfachen Zugang zum Pflanzensaft bieten, sind Blattläuse im Frühjahr besonders an jungen Trieben und Blättern, auf Knospen und Blüten zu finden. Krümmen sie sich oder sehen verkrüppelt aus, gilt es genauer hinzusehen. Auch eine klebrige, silbrig glänzende Schicht auf der Blattoberfläche ist verdächtig.

«Den Honigtau scheiden die Blattläuse aus, nachdem sie den Pflanzensaft durch ihren Körper gefiltert haben», sagt Beier. Durch das Aussaugen des Pflanzensaftes schwächen Blattläuse die Pflanzen nicht nur, sondern können auch Krankheiten übertragen. «Blattläuse sind Überträger Nummer eins, wenn es um Viren und Krankheiten geht», sagt Gärtnermeister René Wadas, der sich selbst als «Pflanzenarzt» betitelt. Je nach Wirtspflanze können bestimmte Arten beispielsweise den Tomatenmosikvirus oder Baumkrebs übertragen.

Verbreitete Probleme

Ruß- oder Schwarzpilze gehören zu den am weitesten verbreiteten Problemen, die Blattläuse verursachen können. Die Pilze siedeln sich auf dem Honigtau an, zersetzen den darin enthaltenen Zucker und überziehen nach und nach das Blatt mit einer schwarzen Schicht, die an Kohlestaub erinnert. «Breitet sich diese Schicht über alle Blätter aus, kann die Pflanze keine Photosynthese mehr betreiben, wodurch sie zusätzlich geschwächt wird», erklärt Beier.

Dennoch empfehlen die Fachleute, nicht gleich bei der ersten Blattlaus in Panik zu verfallen. «Meisen, Marienkäfer, Florfliegen und viele andere Tiere ernähren sich von Blattläusen. Daher sollte man zunächst abwarten, ob die Fressfeinde den Bestand regulieren», sagt Marja Rottleb, Gartenexpertin beim Naturschutzbund Deutschland ( Nabu ). Auch Wadas rät dazu, erst einzuschreiten, wenn die Läuse so sehr Überhand nehmen, dass sie Pflanzen sichtlich schaden.

Keine chemische Keule

Lässt sie die Blätter hängen, verfärben sich diese schwarz oder ist das Gewächs vor lauter Blattläusen kaum noch zu erkennen - das sind für Wadas entscheidende Kriterien. «Die Blattläuse sollte man dann aber nicht mit der chemischen Keule vollständig vernichten. Auch eher harmlose Hausmittel wie Milch oder Rapsöl können helfen, Blattläuse zu reduzieren.» Sein Tipp: Zehn Milliliter Rapsöl und einem Spritzer Spülmittel mit warmen Wasser vermischen und aufsprühen.

Beier setzt auch auf natürliche Ölpräparate. «Unter der Ölschicht ersticken Blattläuse und auch Schildläuse und Wollläuse wird man damit los», erklärt er. Bei grünen Blattläusen kann auch Seifenlauge helfen. «Die Lauge wäscht den Läusen die Fettschicht vom Körper, wodurch sie in der Sonne austrocknen.»

Pinsel, Zahnbürste, Wasser

Rottleb empfiehlt, Seifenlauge eher sparsam einzusetzen, denn sie schädigt auch Nützlinge und zerstört irgendwann den Boden. Ihr Tipp: Die Blattläuse mit Hilfe eines Pinsels, einer Zahnbürste oder Wasser entfernen. Später kann man neben Pflanzenöl auch einen Sud aus Rainfarn oder Efeu aufbringen. «Eine Brühe aus Ackerschachtelhalm und ein Sud aus Brennnesseln stärken die Pflanzen zusätzlich.»

Es gibt aber auch Hausmittel, von denen der Pflanzenarzt entschieden abrät. Einen Tabaksud zum Beispiel. «Nikotin ist hochgiftig und schadet den Pflanzen.» Auch für Spiritus gilt das. «Das ist wie mit Kanonen auf Spatzen schießen», sagt Wadas.

Literatur:

René Wadas: Der Pflanzenarzt - Mein großes Praxisbuch für Garten und Balkon, Rowohlt Taschenbuch, 2019, 288 S., 12 Euro, ISBN: 978-3499634581.

Veröffentlicht am:
18. 04. 2019
05:02 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
18. 04. 2019
05:02 Uhr



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