Lade Login-Box.
Topthemen: Bilder vom Wochenende30 Jahre GrenzöffnungBlitzerwarnerVER Selb

 

Kistengärten als neuer Trend: Tipps zum Anbau

Beim Urban Gardening werden sogar Brachflächen zum Garten. Mit Hilfe von Hochbeeten etwa. Ein neuer Trend sind hier Kistengärten. Die Plastikkörbe lassen sich bequem in alle Höhen stapeln, mit der zum Gemüse passenden Erde füllen und wegtragen.



Mutter und Sohn beim Kistengärtnern
Das Kistengärtnern macht auch Kindern viel Spaß. Für sie eignen sich besonders Pflanzen, die sich gut beernten lassen. Foto: Dorothea Baumjohann/dpa-tmn   Foto: dpa » zu den Bildern

Eigentlich stapeln sich die Kunststoffkisten vor den Bäckereien ? gefüllt mit Brötchen. Immer öfter stehen diese Kisten auf Balkon, Terrasse oder im Innenhof. Dann verströmen sie den Duft von Tomatenblättern, Basilikum und anderen Kräutern, die in den Behältern wachsen.

«Das Kistengärtnern ist eine Form des Urban Gardenings», sagt Folko Kullmann, Gartenbau-Ingenieur und Buchautor aus Stuttgart. «Man kann den Begriff tatsächlich wörtlich nehmen», erklärt Dorothea Baumjohann, ebenfalls Gartenbau-Ingenieurin und Buchautorin aus Bodenwerder (Niedersachsen). Die Kiste ersetzt genauso wie ein Blumentopf das Beet - bietet aber auf einer Fläche von 40 mal 60 Zentimetern mehr Platz.

Gut ist das natürlich für alle, die auf Balkon oder im Hinterhof gärtnern müssen. Aber auch im Hausgarten lassen sich so Brachflächen und die Ecke der Hofeinfahrt für die Gemüseaufzucht nutzen.

Das relativ große Erdvolumen und die geringe Platzverschwendung durch die eckige Grundform sind für Kullmann entscheidende Vorteile dieser modernen Art des Gemüsegartens. «Man ist aber auch unabhängig vom Boden», ergänzt Baumjohann. So kann man sich nicht in jedem Garten und vor allem auf Brachen sicher sein, ob eine Schadstoffbelastung des vorhandenen Erdreichs vorliegt.

Durch den modularen Aufbau mit den Kisten, die je nach Modell eine Höhe von rund 30 bis 40 Zentimeter haben, kann man bequeme Hochbeete schaffen. Baumjohann ist praktizierende Kistengärtnerin und legt immer erst eine Europalette auf den Boden. Darüber kommen vier Kisten in zwei Ebenen übereinander.

So kann sie rückenschonend arbeiten und auf unterschiedliche Böden achten, die die Gemüse- und Kräuterarten benötigen. Fruchtgemüse und Kohl verlangt zum Beispiel einen hohen Nährstoffgehalt, während Salate und Kräuter mit weniger Dünger auskommen.

«Natürlich müssen die Kisten an allen Seiten durchbrochen sein, damit Wasser abfließen kann», betont Baumjohann. Die Kisten lassen sich aber mit Vlies oder Karton auskleiden, damit das Substrat nicht herausrieselt.

Es hängt von den angebauten Kulturen und ihrer Wurzeltiefe ab, ob man die untere Lage der Kisten mit Substrat befüllt. Wenn, dann rät die Buchautorin, die untere Kiste bis zum Rand zu befüllen. Es sollte von der darüber stehenden Kiste Substrat nach unten durchrieseln können, denn nur so entsteht tatsächlich eine Verbindung für die Wurzeln.

Die Kisten haben Durchfassgriffe an allen Seiten, so dass man sie relativ bequem tragen kann. «Das ist ein großer Vorteil im Vergleich zu klassischen Töpfen in einer entsprechenden Größe», findet die Buchautorin. Kullmann betont auch die Haltbarkeit der Kunststoffgefäße. Zwar sehen auch Weinkisten aus Holz schön aus, aber sie haben ein deutlich geringeres Volumen und verrotten schnell.

«Als Substrat nimmt man am besten eine torffreie Hochbeeterde», rät der Gartenbau-Ingenieur. Eine Drainage hält er für überflüssig, da die Gefäße eine optimale Entwässerung haben. Baumjohann schichtet in ihren unteren Gefäßen - ähnlich wie in einem Hochbeet - zunächst grobes Häckselgut aus dem Garten auf und gibt halbfertige Komposterde darüber. In das obere Gefäß kommt zur Hälfte reife Komposterde, Gemüse- oder eine Universalerde füllen es auf.

Wer diese verschiedenen Materialien nicht zur Verfügung hat, kann die verschiedenen Typen Hochbeeterde auch im Handel erwerben. Für die Befüllung einer Kiste benötigt man nach Angabe von Baumjohann rund 70 Liter Substrat.

Rasch sieht man den Erfolg des Kistengärtnerns bei schnellwachsenden Kulturen wie Salat und Radieschen. Kullmann rät beim Salat zu Jungpflanzen. «Gute Erfolge habe ich auch mit Rote Bete, Balkontomaten, Snackpaprika und buntem Mangold erzielt», sagt Baumjohann. Auch Möhren, Zwiebeln und Kohlrabi eignen sich. Zucchini und Kohl brauchen für die Entwicklung etwas länger.

Literatur:

Dorothea Baumjohann: Kistengärtnern - Mobile Selbstversorgung step by step, BLV-Verlag, 2017, 144 Seiten, 15 Euro, ISBN-13: 978-3-8354-1599-7

Veröffentlicht am:
29. 06. 2017
05:00 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Buchautorinnen und Buchautoren Fruchtgemüse Gemüsegärten Hochbeete Tipps Tomaten Trends
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

Wenn Sie einen Kommentar hinterlassen möchten, melden Sie sich bitte an.

Benutzername
Passwort
     

Noch kein Konto? Jetzt Registrieren
Mehr zum Thema
Farbakzente durch Liebesperlensträucher

30.11.2017

Weihnachten im Vorgarten: Immergrün und farbige Akzente

Beleuchtete Bäume und Sträucher überall: So sieht es in deutschen Vorgärten vor Weihnachten aus. Doch nicht nur Lichterketten sorgen für festliche Optik. Wer die passenden Pflanzen wählt, kreiert auch damit eine besonder... » mehr

Kürbiswiegen in Ludwigsburg

18.08.2017

Wenn der Kürbis mehr als eine Tonne wiegt

Riesen-Tomaten, monströse Kürbisse und XXL-Zucchini halten seit einigen Jahren in immer mehr deutschen Gärten Einzug. Einer der Höhepunkte der Szene ist jedes Jahr in Ludwigsburg. » mehr

Andrea Heistinger

03.08.2017

So erntet man Saatgut vom Lieblingsgemüse

Saatgut muss man nicht immer im Handel kaufen. Von vielen Pflanzen im Gemüsebeet kann es der Hobbygärtner auch selbst ernten und im kommenden Jahr wieder aussäen. » mehr

Orchidee

21.03.2018

Die Wurzeln der Cattleya brauchen viel Luft

Die Cattleya ist die Nationalblume von Kolumbien. Hier wächst sie nicht in der Erde, sondern auf Bäumen. Hobbygärtner in Deutschland müssen daher darauf achten, dass die ungewöhnlich schön blühende Orchidee im Topf ausre... » mehr

Zyperngras

04.05.2017

Nach Schädlingsbefall: Ersatz für den Problemfall Zyperngras

Es ist Zeit für die Abrechnung: Der Winter war eine Strapaze für viele Zimmerpflanzen. Gerade die trockene Heizungsluft förderte zum Beispiel am Wechselblättrigen Zyperngras Schädlingsbefall. Betroffene sollten sich den ... » mehr

Tipps zum Anbau von Zitronen

10.08.2017

Jetzt gibt?s Saures: Tipps zum Anbau von Zitronen

Wohl kaum eine andere Frucht wird so sehr mit Frische assoziiert wie die Zitrone. Gut geschützt lassen sich die hellgelben Südfrüchte auch hierzulande anbauen. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
29. 06. 2017
05:00 Uhr



^