Topthemen: BrandserieAwallaHof-GalerieKaufhof-PläneBayern HofGerch

Berichte

Doch Verbot für Afrikanisches Lampenputzergras

Es klingt nach einer Banalität, aber manche Hobbygärtner dürfte es wundern: Das im Garten beliebte Afrikanische Lampenputzergras wurde von der EU verboten - zum Naturschutz im warmen Süden. Auch für Profis ist nicht eindeutig, welche Folgen das nun in Deutschland hat.



Afrikanisches Lampenputzergras
Das Afrikanische Lampenputzergras ist von der EU auf die Liste der invasiven gebietsfremden Arten gesetzt worden.   Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn

Das bei Hobbygärtnern beliebte Federborstengras der Art Pennisetum setaceum darf in Deutschland nicht mehr verkauft und kultiviert werden. Das haben mehrere der für den Naturschutz zuständigen Landesämter oder Umweltministerien der Bundesländer bestätigt.

Das Verbot gilt demnach auch für die als steril geltenden Sorten und Hybriden der Pflanze. Pennisetum setaceum ist im Gartenhandel auch zu finden unter den Bezeichnungen Afrikanisches Lampenputzergras oder Rotes Lampenputzergras. Im August 2017 hat die Europäische Union diese Pflanzenart in ihre Liste der invasiven gebietsfremden Arten aufgenommen, da sie sich stark verbreiten und damit einheimischen Pflanzen Probleme bereiten kann. Das hat nun ein Verbot von Verkauf, Freisetzen und Halten der Pflanze zur Folge - auch in Privatgärten.

Fraglich war zunächst allerdings der Umgang mit denjenigen Sorten und Hybriden, die als steril gelten. So ging der Zentralverband Gartenbau davon aus, dass diese - im eigentlichen Sinne über Samen nicht fortpflanzungsfähigen - Varianten von dem Verbot ausgeschlossen sein müssten. Denn laut der EU-Verordnung 1143/2014 sind invasive Arten ein Problem, wenn sie überleben und sich fortpflanzen könnten.

Die Landesbehörden, die für die Umsetzung von Managementmaßnahmen zu dem Verbot zuständig sind, sehen das nun jedoch anders. Denn es gibt noch eine zweite, ungeschlechtliche Art der Vermehrung: Ein Tier oder auch der Spaten des Gärtners kann - absichtlich oder unabsichtlich - einen Teil des Wurzelstocks abtrennen und an einer anderen Stelle ablegen, wo dieser zwar als identische, aber eigenständige Pflanze dann anwächst. Diese Verbreitung nennt sich vegetative Vermehrung.

Außerdem heißt es übereinstimmend von den Landesbehörden in Brandenburg und Sachsen-Anhalt, dass bisher keine wissenschaftliche Untersuchung vorliege, «die belegt, dass sogenannte 'sterile' Hybride von Pennisetum setaceum bei allen in der EU möglichen Umweltbedingungen vollkommen steril sind.» Ähnlich äußern sich die zuständigen Landesbehörden in Schleswig-Holstein und Sachsen.

Allerdings ergänzt das Hessische Ministerium für Umwelt: «Abgestimmte Entwürfe für die Management-Maßnahmen der Bundesländer zu Pennisetum liegen noch nicht vor, diese sind von den Ländern gemeinsam bis Frühjahr 2019 zu entwickeln.» Dafür sollten auch Betroffene angehört werden. «Hessen wird deshalb bis dahin keine Maßnahmen wegen Pennisetum ergreifen.» Das zuständige Landesamt in Schleswig-Holstein teilt allerdings schon mal mit: «Die Art Pennisetum setaceum gilt in Deutschland jedoch nicht als weit verbreitet. Daher ist die Erstellung von Managementmaßnahmen für diese Art nicht relevant.»

Was heißt all das für den Hobbygärtner? Muss er sein Gras ausgraben und vernichten? Oder darf oder sollte er es noch kaufen? Kontrollen in Privatgärten scheint es laut den Aussagen einzelner Länderbehörden nicht zu geben. Diese Einschätzung teilt auch der Zentralverband Gartenbau. Auch scheint der Kauf online noch möglich zu sein, wie das Angebot von Gartenhandelsseiten vermuten lässt. Im stationären Handel wie zum Beispiel in Gartencentern dürfte das nicht der Fall sein.

Allerdings gibt es auch einen Grund, warum sich Hobbygärtner mit dem verbotenem Gras im Garten einfach zurücklehnen können: Diese spezielle Art der Gattung Pennisetum gilt zwar als mehrjährig und in mehreren europäischen Mittelmeerländern schon als etabliert. In Deutschland aber überlebt sie in aller Regel den Winter nicht. Die ersten knackigen Frostnächte werden die Gräser in den Gärten zwischen Flensburg und Berchtesgaden also wohl vernichten - wenn nicht im kommenden Winter, dann vielleicht in dem darauf. Zur Vermehrung als akute Gefahr für die biologische Vielfalt kommt es dann nicht mehr.

Veröffentlicht am:
05. 10. 2017
04:50 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Gartenbau Hybridantrieb Pflanzen und Pflanzenwelt Privatgärten Umweltministerien
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

Wenn Sie einen Kommentar hinterlassen möchten, melden Sie sich bitte an.

Benutzername
Passwort
     

Noch kein Konto? Jetzt Registrieren
Mehr zum Thema
Blüten der Cattleya

21.03.2018

Die Wurzeln der Cattleya brauchen viel Luft

Die Cattleya ist die Nationalblume von Kolumbien. Hier wächst sie nicht in der Erde, sondern auf Bäumen. Hobbygärtner in Deutschland müssen daher darauf achten, dass die ungewöhnlich schön blühende Orchidee im Topf ausre... » mehr

Europäische Eibe

12.01.2017

Im Schatten wie im Sonnenschein zu Hause: Die Eibe

Die Eibe macht vieles mit, was der Hobbygärtner mit ihr anstellt: Sie lässt sich bis auf den Stamm zurückschneiden - und so wird aus einem Baum ein hübsches Schnittgehölz in Kugelform. Oder eine Hecke. Dazu verträgt sie ... » mehr

Hohe Schlüsselblume

21.03.2018

Farbenfrohe Primeln über Jahre erhalten

Primeln sind eigentlich ein klassischer Wegwerfartikel. Man kauft sie im Winter gerne wegen ihrer farbenfrohen Blüten, aber die Pflanzen sind anspruchsvoll und verblühen nach wenigen Wochen. Aber: Die Pflanzen können tat... » mehr

Pflanztechnik Kokedama

21.03.2018

Zimmerpflanzen sind der Wohntrend 2018

Es gibt einen Hype um Zimmerpflanzen. Neu ist an der Kultur von Kaktus und Gummibaum im Wohnraum nichts, aber das Grün war bisher eher schönes Beiwerk als hippes Must-have. » mehr

Gefäße mit 10 bis 15 Litern Volumen

21.03.2018

Eine grüne Deko-Idee für faule Gärtner

Pflanzen brauchen die Pflege des Menschen eigentlich nicht. Im richtigen Boden, mit ausreichend Wasser und Nährstoffen kommen sie gut klar. So können sie auch in einem über Jahre verschlossenen Glas überdauern - eine sch... » mehr

Blütenblätter wie Röckchen

21.03.2018

Schneeglöckchen sind Kundschafter des Frühlings

Sein zweiter, wenn auch nicht so verbreiteter Name lautet Frühlingsglöckchen - und das sagt viel über das Schneeglöckchen aus. Denn eigentlich ist es der erste Außenposten des Frühlings in der noch kalten Witterung des W... » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
05. 10. 2017
04:50 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".