Lade Login-Box.
Topthemen: Bilder vom Wochenende30 Jahre GrenzöffnungBlitzerwarnerVER Selb

 

Helgoland ist für die Meeresforschung etwas Besonderes

125 Jahre Meeresforschung auf Helgoland: Dieses Jubiläum feiert die Biologische Anstalt groß. Die besondere Lage der Hochseeinsel zieht zahlreiche Wissenschaftler an. Daten, die über einen sehr langen Zeitraum erhoben wurden, helfen bei Vorhersagen zum Klimawandel.



Helgoland
Seit 125 Jahren wird auf Helgoland inzwischen Meeresforschung betrieben. Foto: Marcus Brandt/dpa  

Das Ökosystem Nordsee befindet sich in einem starken Umbruch - das zeigen die Forschungen der Biologischen Anstalt Helgoland (BAH). Nun feiert die BAH ihren 125. Geburtstag und lädt am 19. Mai zum Tag der offenen Tür.

«Unsere Langzeitdaten, die bereits 1873 angefangen wurden, werden weltweit für Vorhersagen zum Klimawandel benutzt», sagt die Leiterin der Biologischen Anstalt (BAH), Professor Karen Wiltshire, in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur. «Die Bio» - wie ihr Haus gern genannt wird - wurde bereits 1892 gegründet und gehört wie die Wattenmeer-Station auf Sylt seit 1998 zum Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven. «Jeder gute, deutsche Meeresforscher war mal auf Helgoland und auf Sylt - das war immer so und ist immer noch so», sagt Wiltshire.

Frage: Welche Bedeutung hat die Arbeit des BAH für die internationale Forschung zum Klimawandel?

Antwort: Es gibt nur sehr wenige Datensätze zum Ozean, die derart lang sind und uns so Erkenntnisse zur Erwärmung der Meere liefern können. Seit 1962 zählen wir jeden Werktag alle Organismen in den Wasserproben. Weil sich die Nordsee um etwa 1,7 Grad erwärmt hat, haben wir etliche neue Warmwasser-Arten. Einige Kaltwasser-Arten sind schon nach Norden gezogen. Aber auch andere Beispiele aus unserer Forschung belegen die Klima-Erwärmung: Kleine Algen, die lichtabhängig sind, kommen immer früher im Jahr zum Vorschein und wachsen länger als früher. Auch haben sich die Wassertransporte in der Nordsee verändert.

Frage: Welche Rolle spielt die Lage der Hochseeinsel für die meeresbiologische Forschung?

Antwort: Helgoland hat im Meer eine sehr ungewöhnliche Position. Die Insel ist ein Fels mitten im Schlamm und Sand, viele Organismen siedeln sich dort an. Die nächste felsige Küste ist in Nordfrankreich oder Südnorwegen. Deshalb war es immer etwas ganz Besonderes, so eine Insel mitten in der Deutschen Bucht zu haben. Auf Helgoland kann man exzellent Langzeitdaten erheben. Man kann jeden Tag auch bei relativ schlechtem Wetter rausfahren, um Proben zu ziehen.

Frage: Welchen Vorteil hat die Lage noch?

Antwort: Helgoland, aber auch Sylt, bieten einen enormen Vorteil: Man hat permanent frisches Seewasser - davon brauchen wir große Mengen. Wir pumpen wirklich direkt vom Meer in unsere Becken und haben für unsere Versuche die günstigsten Bedingungen, die man sich vorstellen kann. Einzelne Lebewesen kann man zwar auch gut in künstlichem Seewasser halten, aber die Erfahrung über mehrere hundert Jahre zeigt, dass Organismen einfach ganz schlecht gedeihen, wenn sie nicht das Wasser bekommen, das sie gewohnt sind.

Frage: Was bietet Helgoland, um gute Forscher anzuziehen?

Antwort: Man bekommt die exzellenten Wissenschaftler heutzutage nur noch mit langfristigen Perspektiven, die Work-Life-Balance muss stimmen. Helgoland hat eine besondere Stellung, weil die Insel eine gute Infrastruktur hat, um dort zu leben. Es gibt Schulen, ein Krankenhaus und das Institut besitzt gute Wohnmöglichkeiten. Denn eines der größten Probleme weltweit ist, dass man entweder große Institute weit weg vom Meer hat mit einer exzellenten Infrastruktur oder man ist sehr isoliert, aber ozeanographisch ideal gelegen.

Frage: Das große Projekt der BAH in den kommenden Jahren heißt «Bluehouse» . Was verbirgt sich dahinter?

Antwort: Unser bisheriges Aquarium wurde Ende 2014 geschlossen. Bis 2019/2020 soll ein Neubau eröffnet werden, der Bund fördert das Projekt «Bluehouse» mit über zehn Millionen Euro. Es wird eine öffentliche Forschungslandschaft für die Nordsee - ein Zentrum für alle, die sich für unsere Arbeit interessieren. Hier werden Laien mal selbst Meeresforscher sein können!

ZUR PERSON: Die Umweltwissenschaftlerin Professor Karen Wiltshire (55) ist Direktorin der Biologischen Anstalt Helgoland und der Wattenmeer-Station auf Sylt. Die gebürtige Irin arbeitet seit 2001 für das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven, seit 2006 ist sie die Vize-Direktorin. Wiltshire hat Professuren an der Jacobs Universität Bremen und der Christian-Albrechts-Universität Kiel.

Veröffentlicht am:
08. 05. 2017
14:55 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bremerhaven Christian-Albrechts-Universität Deutsche Presseagentur Klimaveränderung Südnorwegen Universität Bremen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Work-Life-Balance
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

Wenn Sie einen Kommentar hinterlassen möchten, melden Sie sich bitte an.

Benutzername
Passwort
     

Noch kein Konto? Jetzt Registrieren
Mehr zum Thema
Schweinswale

25.12.2017

Online-Karten zeigen Meeresbewohner in Nord- und Ostsee

Schweinswale bei Rostock und Eiderenten vor Amrum: Neue Online-Karten zeigen, wo Meeressäuger und Seevögel gesichtet worden sind. Die Daten könnten dabei helfen, den Naturschutz zu stärken. » mehr

Rebe

19.01.2018

Reblaus-Comeback: Klimawandel bringt Schädling auf Trab

Die Reblaus - einst Todbringer für zahllose Rebstöcke - erlebt durch den Klimawandel ein Comeback. Bislang aber nur im Kleinen - auf wild wachsenden Reben. Damit der Schädling nicht expandiert, muss die Vorsorge verbesse... » mehr

Bäume dienen als Wasserspeicher

21.03.2017

Wälder für den Klimawandel wappnen

Die Vögel zwitschern, Frühblüher sorgen für Farbtupfer - und mit etwas Glück zeigt sich öfter die Sonne. Deutschlands Wälder laden im Frühling zu Spaziergängen ein. Doch wie geht es ihnen überhaupt? » mehr

Esskastanie

08.12.2017

Standfester Solitär gesucht: Hausbäume und der Klimawandel

Wer einen Baum pflanzt, will sich einen Partner fürs Leben in den Garten holen. Doch welche Arten gedeihen langfristig gut - und trotzen den klimatischen Veränderungen? » mehr

Zelt von Polarforschern im Klimahaus

06.01.2017

Im Bremerhavener Klimahaus wird geschwitzt

An einem Nachmittag rund um den Globus reisen: Das Klimahaus in Bremerhaven macht es möglich. Die Besucher erleben hautnah die drückende Hitze in der Sahelzone und die Eiseskälte in der Antarktis. » mehr

Dirk Uhrner

25.04.2017

Zum Tag des Baumes: Das Sterben der Eschen

Die Eschen in Europa werden von einem Pilz befallen, der das Überleben der Baumart bedroht. Die Wissenschaftler haben die Hoffnung nicht aufgegeben. Zum Tag des Baumes am 25. April zeigen sie, wie sie den Wettlauf gegen ... » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
08. 05. 2017
14:55 Uhr



^