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Reblaus-Comeback: Klimawandel bringt Schädling auf Trab

Die Reblaus - einst Todbringer für zahllose Rebstöcke - erlebt durch den Klimawandel ein Comeback. Bislang aber nur im Kleinen - auf wild wachsenden Reben. Damit der Schädling nicht expandiert, muss die Vorsorge verbessert werden, fordert ein Agrarexperte.



Rebe
Schutz vor Rebläusen: Eine Ruländerrebe wurde auf eine Unterlage aus Holz und Wurzeln einer reblausresistenten Amerikanerrebe aufgepfropft.   Foto: Rolf Haid/dpa

Der Klimawandel bringt die Reblaus wieder auf Touren - zumindest stellenweise.

In den vergangenen Jahren sei eine stärkere Vermehrung des Schädlings auf Reben zu beobachten, die wild auf nicht kultivierten Flächen in der Nähe von Weinbergen wüchsen. Das sagte der Agrarwissenschaftler Joachim Eder anlässlich der 71. Pfälzischen Weinbautage der Deutschen Presse-Agentur.

Grund sei unter anderem der Klimawandel, der wegen des Temperaturanstiegs die Saison für die Reblaus eher beginnen lasse und verlängere - und mehr Vermehrungszyklen ermögliche. Die Folge sei «ein erhöhtes Gefährdungspotential für unsere Weinberge».

Von den befallenen Pflanzen aus könne die Laus in die Weinbaugebiete einwandern und sich an den Wurzeln der dortigen Weinstöcke zu schaffen machen. Wenn die Zahl der Tiere hoch sei und noch andere Stressfaktoren wie zum Beispiel eine mehrwöchige Trockenheit und ein verdichteter Boden hinzukämen, könne es auch bei Reben, die eigentlich widerstandsfähig gegen den Schädling seien, zu Wachstumsrückgängen kommen. In bestimmten Fällen könne auch das Absterben drohen. «Aber da müssen schon viele Faktoren zusammenkommen», sagte Eder.

Der Agrarwissenschaftler warnte vor Panikmache. «Es ist nicht so, wie das vor 150 Jahren war, als die Reblaus eingeschleppt wurde im 19. Jahrhundert und Tausende Hektar Rebfläche vernichtet wurden», sagte er. «Das haben wir nicht zu befürchten.»

Denn damals sei gegen die Reblaus eine wirksame Strategie entwickelt worden: auf ein Wurzeln bildendes Reben-«Unterteil», das von Wildreben aus den USA abstammt und widerstandsfähig gegen die «Wurzelreblaus» ist, wird ein Triebe und Blätter bildendes Edelreis «aufgepfropft», zum Beispiel vom Riesling. «Dieser Teil ist dann widerstandsfähig gegen die Blattreblaus», erklärte er. «Das ist im Grunde genommen eine sehr elegante, biotechnische Bekämpfungsmethode, die seit über 100 Jahren eingesetzt wird.»

«Eigentlich funktioniert das System», sagte Eder. Aber wenn nun vermehrt Rebläuse an die Kulturen gingen, «dann kann es sein, dass der Rebenanbau auf den Ertragsrebflächen durchaus mit Wachstumsrückgängen und Stockausfällen bedroht ist». Denn die Widerstandsfähigkeit der Pflanzen gegen die Wurzelreblaus sei «nur graduell, die ist nicht komplett ausgeprägt».

«Wir müssen uns einfach im Rahmen der Vorsorge stärker um diesen wilden Rebenaufwuchs kümmern», sagte er. Die Vermehrungsorte müssten eingedämmt werden. Wilde Reben gebe es überall dort, wo Reben stünden, aber auch auf sogenannten Ausgleichsflächen. Sie könnten in Gehölzinseln stehen oder am Waldrand. Auch an Bahndämmen und Straßenböschungen seien sie zu finden. Die Stadt Neustadt an der Weinstraße entwickle derzeit ein Konzept für ein gezieltes Vorgehen.

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dpa

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Veröffentlicht am:
19. 01. 2018
10:17 Uhr

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19. 01. 2018
10:17 Uhr



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