Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: Urlaub daheimJubiläumsgewinnspiel "75 Jahre Frankenpost"BlitzerwarnerCoronavirus

 

Verbraucherschützer: Riestern fast immer zu teuer

Die Riester-Rente soll die Lücke bei der gesetzlichen Rente stopfen. Doch es gibt Kritik - insbesondere an den Kosten. Verbraucherschützer fordern neue Wege in der privaten Altersvorsorge.



Rentnerin mit Geldscheinen
Riestern ist Verbraucherschützern zufolge häufig zu teuer.   Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Die Kosten für die Riester-Rente sind aus Sicht der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) oft zu hoch. Von wenigen Ausnahmen abgesehen würden Produkte angeboten, «die die Erwartungen der Politik an kosteneffiziente Angebote zur kapitalgedeckten Altersvorsorge nicht erfüllen».

Die Experten hatten insgesamt 18 Produkte - klassische Rentenversicherungen und fondsgebundene Modelle - mit unterschiedlichen Laufzeiten unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Die Effektivkosten - Wertminderung durch Kosten - waren in den meisten Fällen höher als Wert, der sich aus den Annahmen des Alterssicherungsberichts der Bundesregierung ergibt. Das geht aus einer Analyse des vzbv hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

«Im Extremfall sind die Kosten um das Fünffacher höher», hieß es darin. Günstiger waren je nach Laufzeit nur bis zu maximal zwei Angebote für das staatlich geförderte Zusatzplus im Alter. Die Verbraucherschützer werteten die Produktinformationsblätter (Stand: April 2017) verschiedener Anbieter aus.

«Wir sind bei der Vielzahl der Produkte angesichts des Kosten weit davon entfernt, ausreichend Kapital für die private Absicherung neben der gesetzlichen aufzubauen», kritisierte die Leiterin des vzbv-Finanzmarktteams, Dorothea Mohn. Insbesondere wegen der Vertriebskosten sei es offenbar nicht möglich, kosteneffiziente Produkte anzubieten.

Das Bundesarbeitsministerium wies darauf hin, dass es sich im Alterssicherungsbericht um modellhafte Berechnungen handele und nicht um Prognosen. Es gehe darum, «das Spektrum künftiger Veränderungen, die letztlich bei jedem Einzelfall individuell verschieden sind, auf wesentliche Erkenntnisse zu verdichten».

In dem Modell wird grundsätzlich von einer Verzinsung der eingezahlten Beiträge (Eigenbeiträge plus Zulagen) von 4,0 Prozent ausgegangen. Als Verwaltungskosten werden 10 Prozent der eingezahlten Beiträge angesetzt. Daraus leiteten die Verbraucherschützer die Effektivkosten ab und verglichen sie mit den Angaben in den Produktinformationsblättern.

Mohn schlug vor, einen Vorsorgefonds einzuführen, der sich am schwedischen Modell orientiert und ohne eigene Gewinninteressen die Kapitalanlage organisiert. In dem Land gibt es einen staatlich organisierten Aktienfonds und einen Rentenfonds für die private Altersvorsorge. Die Anlage der Gelder übernehmen nach Ausschreibungen private Investoren. Die Beschäftigten zahlen automatisch ein, es sei denn, sie widersprechen ausdrücklich. Dadurch ist der Aufwand für den Vertrieb geringer. «Die Kosten liegen daher insgesamt deutlich unter denen der Riester-Produkte», sagte Mohn.

Die Stiftung Warentest gab jüngst nur zwei klassischen Riester-Rentenversicherungen beim Thema «Rentenzusagen und Kosten» die Note «gut». Einschließlich weiterer Kriterien wie Anlageerfolg oder Flexibilität kam keines der neun getesteten Produkte über ein «befriedigend» hinaus (Finanztest 10/2017). Dennoch könne sich Riestern lohnen. «Hier gibt es staatliche Zulagen und Steuerersparnisse, die alleine schon für eine gewisse Rendite sorgen», argumentierten die Tester.

Das Problem: Die Auswahl schrumpft. Es gibt immer weniger Versicherer, die klassische Riester-Rentenverträge mit Garantiezins anbieten. Dieses Modell sei jedoch ein Garant für eine planbare Altersvorsorge, argumentierte Stiftung Warentest. Vor fünf Jahren waren den Angaben zufolge noch 29 Riester-Klassiker im Test.

Veröffentlicht am:
03. 01. 2018
10:32 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bundesministerium für Arbeit und Soziales Deutsche Presseagentur Gesetzliche Rente Private Altersvorsorge Riester-Rente Stiftung Warentest Verbraucherschützer
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Axel Kleinlein

23.06.2020

Riestern mit spitzem Bleistift

Die Riester-Rente ist nicht ganz ohne. Wer profitieren will, muss sehr alt werden oder extrem gut rechnen können, meinen Kritiker. Zumindest vor Beginn der Auszahlungsphase schadet aufpassen nichts. » mehr

Vorsorgen fürs Alter

04.01.2018

Verbraucherschützer: Riestern fast immer zu teuer

Die Riester-Rente soll die Lücke bei der gesetzlichen Rente stopfen. Doch es gibt Kritik - insbesondere an den Kosten. Verbraucherschützer fordern neue Wege in der privaten Altersvorsorge. » mehr

Deutsche Rentenversicherung

29.04.2020

Rentenversicherung bietet Beratung zur Altersvorsorge

Für die meisten zählt die gesetzliche Rente zu den wichtigsten Einnahmequellen im Alter. Sie kann durch zusätzliche Altersvorsorge ergänzt werden. Beratung dazu gibt es auch bei der Rentenversicherung. » mehr

Riester-Rente

18.09.2019

Kosten bei der Riester-Rente in der Kritik

Mit der Riester-Rente sollen Menschen privat fürs Alter vorsorgen. Abschluss- und Vertriebskosten sind Verbraucherschützern jedoch ein Dorn im Auge - manche Sparer trifft es doppelt. » mehr

Mitunter teuere Energie: Strom

08.09.2020

Energieanbieter wechseln ist einfach

Ohne Strom und Gas geht nichts. Die Kosten für den Energieverbrauch können ins Geld gehen. Wer vergleicht und rechnet, kann aber durchaus sparen. Der Anbieterwechsel ist nicht kompliziert. » mehr

Auf der Suche

26.08.2020

Suchportal für Girokonten mit Tüv-Zertifikat

Kostenlos oder nicht, nur online oder mit Beratung in der Filiale? Wer ein Girokonto sucht, hat viele Fragen. Bei der Auswahl helfen soll nun ein Tüv-zertifiziertes Vergleichsportal. Was bringt das? » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
03. 01. 2018
10:32 Uhr



^