Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: Jubiläumsgewinnspiel "75 Jahre Frankenpost"WohnzimmerkunstBlitzerwarnerCoronavirus

 

Gelegentliches Kiffen ist nicht strafbar - stimmt das?

Von manchen verpönt, von anderen geliebt: Beim Konsum von Cannabis scheiden sich die Geister. Ebenso gehen die Meinungen zu Besitz und Handel der Substanz auseinander. Was ist legal und was nicht? Rechtsanwalt Dirk Lammert klärt auf.



Cannabiskonsum
Wann für den Konsum von Cannabis eine Strafe verhängt wird, hängt auch vom Bundesland und dem Ermessen der Staatsanwaltschaft ab.   Foto: Arne Bänsch

Manche Fragen stellt man selbst engsten Vertrauten wie dem Partner oder Ärzten nicht. Das Thema Kiffen ist unangenehm, der Einblick in die persönlichen Vorlieben könnte peinlich werden - und im schlimmsten Fall drohen sogar rechtliche Konsequenzen.

Wie gut, dass einen Freund gerade ganz genau dasselbe Problem beschäftigt. Fragen wir also mal für ihn. Die Frage heute: Mein Freund kifft gelegentlich und behauptet, die Polizei kann ihn rein für den Konsum gar nicht belangen. Stimmt das?

Die Antwort: «Kiffen ist nicht strafbar», sagt der Rechtsanwalt Dirk Lammer, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Strafrecht im Deutschen Anwaltverein (DAV). «Das heißt, der Konsum von Betäubungsmittel ist nicht strafbar.» Zugleich ist allerdings der Besitz von Haschisch oder Marihuana strafbar. Wie geht das zusammen?

«Oft wird damit argumentiert, dass Konsum ja Besitz vorausgehen muss», sagt Lammer. Der Unterschied lässt sich daher am besten mit «besitzen für eine gewisse Dauer» und «in Besitz nehmen, um zu konsumieren» erklären.

Ein Beispiel: Das «in Besitz nehmen, um zu konsumieren» tritt ein, wenn auf einer Party ein Joint herumgereicht wird und man einen Zug nimmt. «Das ist nicht strafbar» - auch wenn man den Joint selbst in der Hand hält, erläutert Rechtsanwalt Lammer. Aber: Kauft oder erwirbt man anderweitig die Drogen, bekommt sie geschenkt oder baut sie selbst an, dann handelt es sich um Besitz und um eine Straftat.

Ein weiteres Beispiel: Wird man mit einem Tütchen Cannabis von der Polizei erwischt, ist das Besitz und illegal. Wird man beim Drehen eines Joints erwischt, handelt es sich um Konsum, erklärt Lammer.

Das Ganze noch etwas komplizierter macht eine Ermessensmöglichkeit für Staatsanwaltschaften: Sie kann laut Paragraf 31a des Betäubungsmittelgesetzes davon absehen, den Besitz von Cannabis strafrechtlich weiter zu verfolgen, wenn es sich um den Besitz von geringen Mengen zum gelegentlichen Eigenverbrauch handelt und kein öffentliches Interesse an der Strafverfolgung besteht. «Das gilt aber zum Beispiel nicht, wenn jemand schon wegen Betäubungsmittelhandels vorbestraft ist», ergänzt der Experte. Auch bestimmte Berufe wie Piloten oder Kindererzieher sind zum Beispiel davon ausgenommen. Und was eine «kleine Menge» ist, variiert von Bundesland zu Bundesland.

Inzwischen ist in Deutschland Cannabis auf Rezept straffrei erhältlich - aber rein als Arzneimittel für schwer Erkrankte. Zudem findet eine intensive Diskussion in Politik und Gesellschaft über eine mögliche rechtliche Freigabe von Cannabis für den Freizeitkonsum statt. Suchttherapeuten sind jedoch skeptisch. Sie argumentieren mit den Gefahren durch das Kiffen und mit dem Gesundheitsschutz.

Cannabis wirkt sich auf den Seelenzustand aus und verstärkt die jeweilige Gefühlslage - im Guten wie im Schlechten. Der Wirkstoff kann entspannen, zu Ruhe und Ausgeglichenheit führen und das Wohlbefinden steigern. Möglich sind aber auch Denkstörungen und Konzentrationsmangel, in seltenen Fällen Unruhe, Angst oder Verfolgungswahn. Wer Cannabis stark und regelmäßig konsumiert, riskiert wie bei Alkohol und anderen Drogen psychische Abhängigkeit .

Hinweis:

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und stellt keine individuelle Rechtsberatung dar.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
30. 04. 2018
09:24 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Betäubungsmittelgesetz Geister Kiffen Marihuana Polizei Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte Strafbarkeit
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Die Stiftung Warentest hat Rechtsschutzversicherungen untersucht

21.04.2020

Große Preisunterschiede bei guten Rechtsschutzversicherungen

Rechtsschutzversicherungen gehören nicht zu den existenziell wichtigen Policen. Sie können allerdings sinnvoll sein. Eine Untersuchung der Stiftung Warentest zeigt nun: Viele Tarife sind gut. » mehr

Fahrkartenkontrolle

12.07.2018

Was droht bei wiederholtem Schwarzfahren?

Die Türen der U-Bahn schließen sich und just in diesem Moment fällt einem ein, dass man vergessen hat, den Fahrschein zu knipsen. Das ist besonders ärgerlich, wenn auch noch ein Kontrolleur kommt. Doch was passiert eigen... » mehr

Vor Gericht

15.01.2020

Recht bekommen auch mit wenig Geld

Ob bei einer Kündigung, Ärger um Hartz IV oder Zoff ums Erbe - wer kaum Geld hat, aber Rechtsrat braucht, kann Beratungshilfe beantragen. Dann springt der Staat ein. » mehr

Sebastian Reiling

25.12.2019

Was bringt die Musterfeststellungsklage?

Einer holt stellvertretend für viele Verbraucher die Kohlen aus dem Feuer: Das ist das Prinzip der Musterfeststellungsklage. Es gibt sie seit November 2018, doch viele Fragen sind noch immer offen. » mehr

Verzeichnis der Bundesrechtsanwaltskammer

27.11.2019

Wo Verbraucher Rechtshilfe bekommen

Guter Rat ist teuer? Nicht in jedem Fall. Rechtliche Beratung gibt es etwa im Internet. Hier zahlt der Nutzer oft nur bei Erfolg. Welche Wege es noch gibt. » mehr

Partnerschaftsvertrag

28.10.2019

Folgen einer Trennung vertraglich regeln

Einen Vertrag schließen mit dem Partner? Das klingt wenig romantisch. Vereinbarungen, was im Fall einer Trennung geschieht, helfen trotzdem - sonst könnte man am Ende schlimmstenfalls ohne alles dastehen. » mehr

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
30. 04. 2018
09:24 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.