Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: 75 Jahre FrankenpostCoronavirusJubiläumsgewinnspielBlitzerwarner

 

Ist ein Testament trotz gefälschter Unterschrift wirksam?

Ehepartner müssen ihr gemenisam verfasstes Testament auch beide unterschreiben. Wenn sich später herausstellt, dass einer der beiden die Unterschrift des anderen gefälscht hat, muss das noch lange nicht die Ungültigkeit des Testamentes bedeuten.



Testament
Ein Testament wird handschriftlich verfasst.   Foto: Jens Büttner/dpa/Illustration

Ehepartner können ihr Testament gemeinsam verfassen. Hierzu muss einer der Ehegatten die Verfügungen beider handschriftlich niederschreiben und den Text dann unterschreiben. Der andere Ehegatte bestätigt dies, indem er ebenfalls unterschreibt.

Fälscht jedoch der den Text schreibende Ehepartner die Unterschrift des anderen, so hat das nicht zwingend die Unwirksamkeit des gesamten Testaments zur Folge, erklärt die Arbeitsgemeinschaft Erbrecht des Deutschen Anwaltvereins (DAV).

Die eigenen Verfügungen des fälschenden Ehegatten können trotzdem wirksam sein, wie das Oberlandesgericht (OLG) Stuttgart entschieden hat (Az.: 8 W 241/17).

In dem Fall hatte sich ein kinderloses Ehepaar mit gemeinschaftlichem Testament zunächst gegenseitig zu Alleinerben eingesetzt und festgelegt, dass der Überlebende nach seinem Tod die Hälfte des Vermögens an seine eigenen Verwandten und die andere Hälfte an die Verwandten des zuvor verstorbenen Ehegattens vererben sollte. Jeder sollte das Recht haben, die Erbeinsetzung seiner Verwandten zu ändern.

Als der Ehemann dann nach seiner Frau starb, tauchte ein weiteres mit «gemeinschaftliches Testament» überschriebenes Dokument auf, das zeitlich auf einen Tag nach dem ersten Testament datiert war. Hierin wurde die gegenseitige Erbeinsetzung zwar bestätigt, und nach dem Tod des zuletzt Verstorbenen sollten auch weiterhin die Verwandten der Ehefrau zur Hälfte erben. Die Verwandten des Ehemannes sollen aber nichts mehr bekommen. «Sein» Anteil wurde an seinen Freund vermacht.

Unterschrieben war das Dokument mit dem Namen der Ehefrau und dem des Ehemannes. Ein Schriftgutachten ergab allerdings, dass der Ehemann alles geschrieben hatte - also auch die Unterschrift seiner Frau. Die Verwandten des Ehemannes hielten sich aufgrund dieser Fälschung der Unterschrift nun zusammen mit den Verwandten der Frau für die Erben.

Doch damit lagen sie falsch, wie das OLG entschied. Die Angehörigen der Ehefrau und der Freund des Ehemannes erbten jeweils die Hälfte. Zwar sei das gemeinschaftliche Testament als solches formunwirksam, da die Ehefrau es nicht selbst unterschrieben hatte. Doch hätte der Mann die einzige Änderung, die er vornehmen wollte, nämlich die Verfügung über «seine» Hälfte des Nachlasses, auch in einer einzeltestamentarischen Verfügung ändern können. Hierzu war er aufgrund der Anordnung im ersten gemeinschaftlichen Testament befugt - und hatte also die Unterschrift seiner Ehefrau gar nicht gebraucht.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
17. 07. 2019
10:19 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Angehörige Ehefrauen Ehegatten Ehepartner Erbschaften Erbschaftsrecht Testamente Verstorbene Verwandte
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Familie

29.09.2020

Stiefkinder sind vom Erbe ausgeschlossen

Vater, Mutter, Kind - so einfach ist es in der Realität nicht immer. Familien sind oft vielfältiger. Das kann im Erbfall ein Problem sein. Denn nicht alle erben in einer Patchworkfamilie gleich. » mehr

Erbschaft

29.07.2020

Gesetzliche Erben müssen Verwandtschaft nachweisen können

Nicht immer sind Verwandtschaftsverhältnisse klar. Im Erbfall müssen gesetzliche Erben allerdings nachweisen können, dass sie mit dem Erblasser verwandt sind. » mehr

Testament

15.07.2020

Testamentsvollstrecker nicht einfach austauschen

Gemeinschaftliche Testamente von Ehepaaren sind bindend. Das gilt insbesondere dann, wenn die Eheleute ihre Kinder als Schlusserben einsetzen. Änderungen sind meist nicht mehr möglich. » mehr

Eigenhändiges Testament

23.06.2020

Warum Singles ein Testament brauchen

Auch Singles sollten ein Testament aufsetzen. Damit gehen sie auf Nummer sicher, dass im Todesfall mit ihrem Nachlass das geschieht, was in ihrem Sinne ist. » mehr

Blick auf ein Testament

07.10.2020

Erben können sich mit Testament legitimieren

Was machen Schuldner, wenn ihr Gläubiger stirbt? Solange nicht klar ist, wer erbt, können sie ihre Schulden offiziell hinterlegen. Doch was müssen Erben dann tun, um nachzuweisen, dass sie Erben sind? » mehr

Gemeinsames Testament von Ehegatten

06.05.2020

Können sich die Erben über das Testament hinwegsetzen?

Setzen Familien Testamente auf, in denen die Erbfolge klar geregelt ist, können die Verfügungen nicht einfach geändert werden. Das ist nur in ganz bestimmten Fällen möglich. » mehr

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
17. 07. 2019
10:19 Uhr



^