Lade Login-Box.
Topthemen: 30 Jahre GrenzöffnungBilder vom WochenendeHofer Filmtage 2019VER Selb

 

Neue Regeln im Zahlungsverkehr - Was auf Bankkunden zukommt

Neue europaweite Regeln sollen Geldtransfers bequemer, billiger und sicherer machen. Experten sehen darin die größte Änderung im Bankwesen seit vielen Jahren. Auch für Verbraucher gibt es einige Neuigkeiten.



Kreditkarte
Künftig müssen Banken auch Drittanbietern wie Finanz-Start-ups den Zugriff auf Konten und Daten ihrer Kunden ermöglichen.   Foto: Ole Spata/dpa

Die Post, die viele Verbraucher in den vergangenen Wochen von ihrer Bank bekommen haben, dürften viele als belanglos weggelegt haben. Doch hinter den unscheinbaren Schreiben über «Änderungen von Vertragsbedingungen» stecken neue EU-Regeln, die Schätzungen zufolge mehr als eine Milliarde Konten in Europa betreffen.

Sie sollen den Zahlungsverkehr von Grund auf verändern. Manche vergleichen sie gar mit historischen Marken wie den ersten Kreditkarten Ende der 1950er Jahre oder digitalen Überweisungen ab der Jahrtausendwende.

Mit der «PSD2»-Richtlinie will Brüssel den Wettbewerb im europäischen Zahlungsverkehr fördern - und ihn sicherer, bequemer und billiger machen. Von diesem Samstag (13. Januar) an gilt sie auch in Deutschland, auch wenn die Umsetzung technischer Details noch viele Monate dauern wird.

Die «Payment Service Directive» bricht das Monopol der Banken beim Zugriff auf Kontodaten. Für die Geldhäuser war dies lukrativ: Wer weiß, wie viel Geld Privatkunden haben und für was sie es ausgeben, kann ihnen leicht weitere Dienste anbieten - Baufinanzierungen etwa, Kredite, Versicherungen oder Wertpapiere.

Künftig aber müssen Geldhäuser nach dem Willen der EU auch Drittanbietern wie Finanz-Start-ups (Fintechs) den Zugriff auf Konten und Daten ihrer Kunden ermöglichen. So gibt es Firmen, die Zinsen verschiedener Banken für Tagesgeld vergleichen und den Geldtransfer dorthin bieten. Weitere helfen Verbrauchern beim Sparen, indem sie automatisch kleine Beträge zur Seite legen.

Auch Erik Podzuweit, Mitgründer des Online-Vermögensverwalters Scalable Capital, freut sich auf neue Möglichkeiten. Die Firma bietet an, Geld automatisiert und breit gestreut in Indexfonds anzulegen. Zusatzangebote wie intelligente Fondssparpläne oder eine bessere Vermögensübersicht ließen sich leichter einbauen. «Da sind tolle Weiterentwicklungen möglich, die bisher schwer umsetzbar waren.»

Die Banken sind daher alles andere als begeistert. Es sei «unverständlich», dass Drittdienste einen gesetzlich definierten Zugang zur Infrastruktur der Banken hätten, der umgekehrt nicht gelte, monierte der Bundesverband deutscher Banken.

Auch Thomas Sontheimer von der Beratungsgesellschaft Accenture glaubt, dass «PSD2» die Geldhäuser langfristig in Bedrängnis bringen könnte. «Die Richtlinie wird die Transparenz im europäischen Zahlungsverkehr erhöhen und vermutlich den Preisdruck verstärken.» Kunden könnten mit Angeboten von Fintechs etwa mehrere Konten auf einen Blick sehen und Geld anstatt per Hausbank über Drittfirmen überweisen.

Verbraucher müssen aber nicht fürchten, dass Firmen unkontrolliert auf ihre Daten zugreifen. Sie müssen ihnen die Weitergabe ausdrücklich erlauben, der Zugriff geschieht über die Hausbank und nur für den angefragten Zweck. Die EU hat das maschinengesteuerte Auslesen von Girokonten, das Auskunft über sämtliche Zahlungen und Gewohnheiten von Bankkunden gibt, verboten. «Kunden können sich auf Datensicherheit verlassen», betont der Bankenverband.

Aber auch für jene, die gar keine Dienste von Drittfirmen wünschen, gibt es weitreichende Änderungen - zugunsten der Verbraucher. So mussten diese bisher bei Missbrauch der Bank- oder Kreditkarte oder von Kennziffern im Online-Banking für Schäden bis zu 150 Euro haften, solange sie Karte oder Internet-Konto nicht gesperrt hatten. Künftig sinkt diese Haftungsgrenze laut Bankenverband auf 50 Euro. Nur bei grober Fahrlässigkeit oder Vorsatz haften Kunden weiter unbeschränkt.

Auch bei der Reservierung von Mietwagen oder Hotels werden die Regeln verbraucherfreundlicher. Blockieren viele Firmen zur Sicherheit automatisch einen gewissen Betrag auf der Kreditkarte von Kunden, muss dieser dem nun zustimmen.

Ferner sollen strengere Regeln vor Betrug bei Online-Zahlungen schützen. Mit «PSD2» reicht es nicht mehr, wenn Kunden Kartendaten und Kontonummer oder Nutzername und Kennwort bei Zahldiensten eingeben. Ein zweites, andersartiges Merkmal wie ein Fingerabdruck oder eine SMS ans eigene Smartphone soll die Sicherheit erhöhen. «Für deutsche Bankkunden ist das der zentrale Nutzen», sagt Berater Sontheimer. Die Gebühren, etwa für Überweisungen, dürften hingegen kaum sinken. «Da ist Deutschland im europäischen Vergleich schon günstig.»

Der Handel aber sieht strengere Sicherheitsregeln skeptisch. «Solche Hürden machen Zahlungen im Internet alles andere als bequem und können schlimmstenfalls dazu führen, dass Kunden den Einkauf abbrechen», sagt Ulrich Binnebößel vom Handelsverband HDE. Zudem sei der Verbraucherschutz fraglich, da mit Regeln wie Käuferschutz Schäden bei Online-Shopping ohnehin eher auf Händlerseite entstünden. Allerdings hätten Verbraucher mit neuen Angeboten eine Alternative zu Kreditkarte oder Lastschrift. «Der Kunde hat dann die Wahl.»

Veröffentlicht am:
08. 01. 2018
10:32 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Accenture Banken Bankenverbände Bankkunden Bankwesen Hausbanken Kunden Roland Berger Strategy Consultants Zahlungsverkehr
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Überweisung

20.08.2019

Anruf beim Berater oder Papier-Überweisung kann teuer werden

Die Zinsflaute nagt an den Erträgen der Kreditinstitute. Parken sie Geld bei der EZB, müssen sie zudem Strafzinsen zahlen. Für Bankkunden heißt das: Kostenlos war gestern. Es gibt aber noch Ausnahmen. » mehr

Europäische Zentralbank

25.07.2019

Gebühren als Weg aus der Zinsfalle?

Kosten runter, Gebühren rauf - das Zinstief setzt Banken und Sparkassen unter Druck. Und so bald ist keine Änderung in Sicht. Das bekommen auch Kunden der Institute zu spüren. » mehr

Fehlbuchungen rechtzeitig entdecken

24.07.2019

Unrechtmäßig Geld abgebucht? So wehren sich Verbraucher

Immer wieder erfolgen unberechtigte Abbuchungen von Girokonten. Um das zu bemerken und dagegen vorzugehen, sollten Bankkunden regelmäßig kritisch ihre Kontoauszüge checken. » mehr

Wenn sich das Minus festsetzt

10.07.2019

Das sind die Alternativen zum Dispokredit

Steht das Girokonto im Minus, ist ein Dispokredit finanziell nicht immer die günstigste Variante. Die gute Nachricht: Verbraucher haben Alternativen. » mehr

Buchhaltung

30.10.2019

Zahlungsdienste haben Zugriff auf Konten

Alle Konten in einer Liste sehen, online schnell überweisen - und maßgeschneiderte Angebote bekommen? Drittdienste mit Zugriff aufs Konto erleichtern Verbrauchern den Umgang mit Geld. Gibt es Risiken? » mehr

Kreditkarte

07.03.2017

Neue EU-Regeln im Zahlungsverkehr: Was sie bedeuten

Mit einer neuen Richtlinie will die EU Geldtransfers bequemer, billiger und sicherer machen. Experten sehen darin einen grundlegenden Wandel für Bankkunden - wenn sie sich auf die Digitalisierung einlassen wollen. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
08. 01. 2018
10:32 Uhr



^