Topthemen: Fall Peggy KnoblochHofer Kaufhof wird HotelGerchRegionale Videos: Pittroff-Villa, Tiny House

 

Wann ist es soweit? Warten auf die neue Betriebsrente

Die neue Betriebsrente soll mehr Beschäftigten im Alter ein Zusatzplus bringen. Die ersten Versicherer gehen mit neuen Modellen an den Start. Das ist jedoch nur ein erster Schritt.



Betriebsrente
Die Versicherungsbranche bereitet sich auf die Einführung der neuen Betriebrente vor.   Foto: Frank Rumpenhorst

In der Versicherungsbranche herrscht Aufbruchstimmung: Die ersten Anbieter bringen sich für die neue Betriebsrente in Stellung. So stellten die genossenschaftliche R+V Versicherung und die Fondsgesellschaft Union Investment nun ihr gemeinsames Konzept vor.

Am Start ist auch das Rentenwerk, eine Kooperation mehrerer Lebensversicherer. Doch die entscheidenden Akteure - Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände - zeigen bislang keine große Eile.

«Vor dem Jahr 2019 werden die Sozialpartner aller Voraussicht nach kaum konkrete Sozialpartnermodelle in größerem Umfang vereinbart haben und ohne Gewerkschaft und Arbeitgeber wird daraus nichts», heißt es beim Arbeitgeberverband BDA.

Bislang haben weniger als 60 Prozent der Beschäftigten eine betriebliche Altersvorsorge. Vor allem Geringverdiener und Mitarbeiter kleinerer Firmen stehen häufiger ohne das Zusatzplus im Alter da. Das neue Modell soll die betriebliche Altersvorsorge vor allem für kleinere und mittlere Unternehmen attraktiver machen. Auch nicht tarifgebundene Firmen sollen sich beteiligen können.

Beschäftigten, die auf diese Weise vorsorgen, darf kein fester Betrag mehr zugesichert werden, er soll nur noch als Ziel genannt werden (Zielrente). Die Arbeitgeber werden dadurch bei der Haftung entlastet.

Die Auszahlungen im Alter können höher ausfallen als bei der klassischen Variante mit Garantie, können aber schwanken. Um ein bestimmtes Versorgungsniveau möglichst zur erreichen, kann im Tarifvertrag ein zusätzlicher Sicherungsbeitrag vereinbart werden, den die Arbeitgeber zahlen. Darauf dürften vor allem die Gewerkschaften pochen. Die Aufsicht über die Anlagerisiken liegt bei den Tarifvertragsparteien.

Vor allem der vollständige Garantieverzicht dürfte für größeren Erklärungsbedarf sorgen. «In unsere Gesellschaft ist ein Gleichsetzen von Garantien mit Sicherheit stark verfestigt», analysiert beispielsweise die IG Metall.

Hinzu kommt:In vielen Branchen gibt es bereits eine tarifvertraglich vereinbarte betriebliche Altersvorsorge, zum Beispiel die Sozialkassen in der Bauwirtschaft, die Metallrente oder die Bäckerrente. Die Frage, wie sich die bestehenden Modelle mit dem neuen vereinbaren lassen, dürfte so Manchen bei Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden umtreiben.

Joachim Reinke, Vorstandschef der genossenschaftlichen Union Investment, betont, die Modelle würden nebeneinander existieren. Die Zielrente dürfte vor allem für neu eingestellte Beschäftigte ein Thema sein. «Es geht nicht um eine Kannibalisierung der bestehenden betrieblichen Altersversorgung, sondern um ein zusätzliches Modell», betont auch R+V-Chef Norbert Rollinger. Die Kooperationspartner wollen Spezialfonds anbieten, die nach den Wünschen der Tarifparteien gestaltet werden sollen.

In der diesjährigen Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie spielte das Sozialpartnermodell allerdings keine größere Rolle. Deutschlands größte Einzelgewerkschaft will nach Angaben einer IG-Metall-Sprecherin aber noch in diesem Jahr mit den Arbeitgebern über das Thema reden. «Wir wollen über mögliche Modelle zur Umsetzung sprechen.»

Bei Verdi sind die Beratungen zu dem Thema noch nicht abgeschlossen. Die Gewerkschaften Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU), Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) sowie Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) führen derzeit nach eigenen Angaben keine konkreten Verhandlungen.

«Wir haben in allen von uns vertretenen Branchen bereits Tarifverträge zur Altersvorsorge. Im Schnitt machen 80 Prozent der Leute davon Gebrauch», sagt eine IG-BCE-Sprecherin. Im Moment sei es unwahrscheinlich, dass das neue Modell bei der diesjährigen Tarifrunde für die Chemieindustrie eine Rolle spiele. Allerdings habe die Tarifkommission noch nicht über die Forderungen entschieden.

Beim Arbeitgeberverband Chemie heißt es, das Sozialpartnermodell wäre eine gute Ergänzung zum bestehenden Chemieversorgungswerk. «Wir sehen das als gute Option». Einen Fahrplan gebe es allerdings noch nicht.

Mehr los ist auf Anbieter-Seite. Bereits nach der Verabschiedung des Betriebsrentenstärkungsgesetz im vergangenen Sommer gingen die Lebensversicherer der Barmenia, Debeka, Gothaer, HUK Coburg und die Stuttgarter mit einem gemeinsamen Angebot unter dem Namen «Das Rentenwerk» an den Start. Das Produkt ist den Angaben zufolge mittlerweile fertig: Eine fondsbasierte Direktversicherung.

Nun würden die Gespräche konkreter. «Wir sehen starkes Interesse gerade bei einigen großen Unternehmen mit Haustarifverträgen», berichtet Normann Pankratz, stellvertretendes Vorstands-Mitglied der Debeka Versicherungen, im Namen des Rentenwerks.

Auch Talanx und Zurich wollen beim Thema Betriebsrente gemeinsame Sache machen. Die Kartellbehörden müssen noch grünes Licht für die Kooperation geben. Das geplante Konsortium «Die Deutsche Betriebsrente» soll im ersten Halbjahr starten.

Veröffentlicht am:
06. 03. 2018
17:59 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Altersversorgung und Altersvorsorge Arbeitgeberverbände Arbeitnehmer Betriebliche Altersvorsorge Betriebsrenten Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände Debeka HUK-Coburg IG BCE IG Bauen-Agrar-Umwelt IG Metall Lebensversicherer R+V Versicherung Talanx Tarifrunden Union Asset Management Holding AG Versicherungsunternehmen
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Glückliche Rentner

06.02.2019

Neue Betriebsrente kommt nicht in Schwung

Ein Jahr neue Betriebsrente und keiner will sie bislang. Vor allem Geringverdiener und Beschäftigte kleiner Firmen sollen von dem Modell profitieren. Doch bislang hakt es. » mehr

Lebensversicherung

19.04.2017

Lebensversicherer suchen nach Auswegen

Die Anbieter von Lebensversicherungen leiden unter den niedrigen Zinsen - und wollen teure Altverträge loswerden. Kritiker sehen Risiken für Verbraucher. » mehr

Standmitteilung schwer verständlich

03.04.2017

Jährliche Info der Lebensversicherer zu verwirrend

Begriffswirrwarr, unzureichende Infos, unverständlich: Das jährliche Schreiben der Lebensversicherer über den Wert der Policen geht Verbraucherschützern zufolge häufig an den Bedürfnissen der Kunden vorbei. Sie dringen a... » mehr

Ralf Scherfling

11.10.2017

Mit der Betriebsrente vorsorgen - Was ändert sich 2018?

Der Gesetzgeber hat mit der Betriebsrente die zweite der drei Säulen der Altersversorgung reformiert. Die Neuerungen treten im Januar 2018 in Kraft. Was ändert sich für Beschäftigte? » mehr

Verbraucherpreise

16.01.2018

Schlecht fürs Portemonnaie: Inflation zieht wieder an

Die Preise in Deutschland steigen wieder. Vor allem Nahrungsmittel und Energie wurden im vergangenen Jahr teurer. Legt die Inflation 2018 weiter zu? » mehr

Merten Larisch

13.02.2019

Was bedeuten die Probleme bei Pensionskassen für die Rente?

Betriebliche Altersvorsorge ist eine sichere Sache. Doch Warnungen der Bafin sorgten bei Versicherten jüngst für Sorgen. Viele stellen sich die Frage: Ist ihre Altersvorsorge gefährdet? » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
06. 03. 2018
17:59 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".