Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: Jubiläumsgewinnspiel "75 Jahre Frankenpost"WohnzimmerkunstBlitzerwarnerCoronavirus

 

Was Garantien bei Lebensversicherungen wert sind

Lebensversicherungen galten lange als sichere Altersvorsorge. Im Laufe der Jahre wurden aber die Garantien nach und nach gekürzt. Und auch an den Überschüssen werden Kunden heute anders beteiligt. Lohnt sich eine Versicherung also noch?



Garantien bei Lebensversicherungen
Angesichts niedriger Zinsen, sind die Garantien für alte Lebensversicherungen für viele Unternehmen teuer geworden. Neue Verträge sind daher für Kunden oft weniger rentabel.   Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn » zu den Bildern

Im Alter soll es einem finanziell gut gehen. Nur: Mit der gesetzlichen Rente allein ist dies meist nicht machbar. Viele haben daher schon frühzeitig Vorsorge getroffen und eine klassische Lebens- oder Rentenversicherung abgeschlossen.

Vor rund zehn Jahren war dies für die Sparer auch noch ausgesprochen lukrativ: 1999 betrug der Garantiezins satte vier Prozent. Inzwischen haben sich die Zeiten geändert: Heutzutage liegt er gerade mal bei mageren 0,9 Prozent.

Nach Angaben des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) können Bestandskunden sich auf ihren Vertrag auch weiterhin verlassen. «Dafür haben die Versicherer eine Zinszusatzreserve aufgebaut, ihre Kapitalanlagepolitik geändert, Produkte mit veränderten Garantiezusagen eingeführt und ihre Kosten spürbar gesenkt», erklärt GDV-Experte Thomas Menning. So will die Branche ihre Zinsversprechen auch in einem schwierigeren Umfeld einhalten.

Die Zinszusatzreserve betrug Ende 2016 insgesamt 44,1 Milliarden Euro, Ende 2017 waren es schon rund 60 Milliarden Euro. In den nächsten Jahren werden weitere Milliarden hinzukommen. Dies geht aber oft zulasten der Überschüsse, die Versicherer an ihre Kunden auszahlen. Konkret heißt das: Im Laufe der vergangenen Jahre sank nicht nur der Garantiezins, sondern auch die Überschussbeteiligung.

Das bekommen vor allem die Bestandskunden zu spüren. «Während Versicherte mit alten Verträgen häufig über den Garantiezins hinaus kaum oder gar keine Überschüsse erhalten, gibt es bei Neuverträgen ab 2013 mehr davon», sagt Theodor Pischke von der Stiftung Warentest.

Immer wieder beschäftigen solche Fälle die Gerichte - so wie gerade den Bundesgerichtshof (Az.: IV ZR 201/17). Nach der Entscheidung der Richter beteiligen Lebensversicherer ausscheidende Kunden in der historischen Niedrigzinsphase zu Recht in geringerem Umfang an ihren Kursgewinnen aus festverzinslichen Wertpapieranlagen. Im konkreten Fall muss sich das Landgericht Düsseldorf allerdings noch einmal anschauen, ob die Kürzungen durch die wirtschaftliche Situation des Versicherers tatsächlich gerechtfertigt waren.

Auch die neuen Produkte mit abgesenkten Garantien, die sogenannte Neue Klassik, eignen sich nicht als planbare Altersvorsorge. «Höhere Überschüsse - als Ausgleich für weniger Garantien in Aussicht gestellt - sind ungewiss», erklärt Pischke.

Skeptisch ist auch die Verbraucherzentrale Hamburg. «Gelohnt haben sie sich die Renten- und Lebensversicherungen im Vergleich mit anderen Produkten noch nie», erklärt Verbraucherschützerin Kerstin Becker-Eiselen. Selbst ein hoher Garantiezins ist nicht unbedingt attraktiv. Denn er bezieht sich nur auf den Sparanteil. «Das ist das, was nach Abzug von Kosten und Risikoabsicherung gerade noch übrig bleibt.»

Wollen Kunden gegensteuern und zum Beispiel mehr sparen als ursprünglich - etwa 1999 - mit dem Versicherer vereinbart, ist eine Erweiterung des Vertrags heutzutage nicht so einfach möglich. «Eine Erhöhung des Altvertrags ist üblicherweise ausgeschlossen», betont Becker-Eiselen. Es laufe in einem solchen Fall auf einen Neuvertrag mit dem derzeit geltenden Garantiezins hinaus.

Versicherte sollten in jedem Fall nur die garantierte Leistung für ihre Altersvorsorge einplanen. «Im Einzelfall kann zwar eine Kündigung der Police sinnvoll sein», sagt Becker-Eiselen. Das sollten Sparer aber nur nach einem Beratungsgespräch tun. In vielen Fällen rechnet sich eine Kündigung nicht. Der Versicherte erhält nämlich nur den Rückkaufswert seiner Police. Dieser liegt oft deutlich unter dem, was der Versicherte bisher an Beiträgen eingezahlt hat.

Veröffentlicht am:
12. 07. 2018
09:51 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bundesgerichtshof Kunden Lebensversicherungen Sparer Stiftung Warentest Versicherungskunden Versicherungsunternehmen
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Theodor Pischke

27.05.2020

Was taugen Lebensversicherungen als Altersvorsorge?

Lebensversicherungen galten lange als attraktive Altersvorsorge. Die niedrigen Zinsen am Kapitalmarkt bringen die Versicherungsunternehmen aber zunehmend in Schwierigkeiten. Was Versicherte wissen müssen. » mehr

Katharina Henrich

03.06.2020

Riestern mit spitzem Bleistift

Die Riester-Rente ist nicht ganz ohne. Wer profitieren will, muss sehr alt werden oder extrem gut rechnen können, meinen Kritiker. Zumindest vor Beginn der Auszahlungsphase schadet aufpassen nichts. » mehr

Policen für Senioren

20.05.2020

Versicherungen: Welche Policen Senioren wirklich brauchen

Welche Versicherung ist nötig? Welche kostet zu viel und kann gekündigt werden? Fragen, die sich ab und zu jeder stellen sollten - insbesondere, wenn sich Lebensumstände ändern. Tipps für Senioren. » mehr

Lebensversicherung: Ja oder Nein?

08.05.2019

Kündigen oder laufen lassen? - Lebensversicherungen prüfen

Lebens- und Rentenversicherungen sind aus Sicht der Branche erfolgreich: Während die Beitragseinnahmen steigen, sinkt die Stornoquote. Aber sind solche Versicherungen tatsächlich geeignete Produkte für die Altersvorsorge... » mehr

Julia Alice Böhne

19.02.2020

Ist die Risikolebensversicherung sinnvoll oder überflüssig?

An den Tod denkt niemand gerne. Vor allem Familien sollten sich damit aber beschäftigen. Denn stirbt ein Elternteil, stehen Hinterbliebene oft vor finanziellen Problemen. Doch es gibt eine Lösung. » mehr

Alexander Küsel

04.03.2020

Wie Kunst versichert werden kann

Wer wertvolle Kunstobjekte zu Hause hat, sollte sich absichern. Eine Hausratversicherung reicht häufig nicht aus. Spezielle Policen bieten hier meist die besseren Konditionen. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
12. 07. 2018
09:51 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.