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Wird der Füller in Zeiten der Digitalisierung zum Luxusgut?

Keiner schreibt mehr, und wenn, dann mit Kuli? Von wegen. Der Füllfederhalter liegt voll im Trend. Die Nachfrage steigt - nicht nur bei Schülern.



Montblanc-Füller
Füllfederhalter der Marke Montblanc fangen beim Preis von 300 Euro an und können deutlich über eine Million Euro kosten können.   Foto: Monika Skolimowska

Ein Füller ist kein Kugelschreiber. Er wird nicht massenhaft auf Messen verschenkt, man verliert ihn nicht ständig und für die schnelle Einkaufsnotiz eignet er sich kaum. Mit einem Füllfederhalter zu schreiben, will gelernt sein.

Wer mit der Feder zu hastig übers Papier kratzt oder sie zu hart aufdrückt, scheitert. Langsamkeit und Sorgfalt sind gefragt. Der Füller ist kein Alltagsschreibgerät. Für die Hersteller ist das angesichts der Digitalisierung nur scheinbar ein Fluch und hauptsächlich ein Segen.

Ein Segen, weil es den Füllfederhalter zu etwas Besonderem macht, zu einem Luxusgut, für das viel Geld bezahlt wird. Ein Segen auch, weil in den meisten Schulen der Umgang mit dem Füller nach wie vor fester Bestandteil des Lehrplans ist. Rund 1,6 Millionen Schul- und Jugendfüller verkauft der Handel Branchendaten zufolge jedes Jahr - ein Vielfaches verglichen mit dem Absatz von Erwachsenenfüllern.

Dabei könnte man meinen, dass die Menschen in Zeiten von Smartphone und E-Mail immer weniger mit der Hand schrieben - und wenn, dann mit dem Kugelschreiber. Und dass eines Tages der Umgang mit digitalen Medien im Unterricht eine größere Rolle spielen könnte als das Schreiben mit der Feder.

«Es lässt sich schon feststellen, dass sich die feinmotorischen Fähigkeiten bei Kindern verändert haben», sagt Beate Oblau, Geschäftsführerin bei Lamy, dem Marktführer bei Schul- und Jugendfüllern. «Was Kinder heute als erstes können, ist das Wischen auf dem Smartphone. Perlen aufziehen, sticken, Handarbeiten, kleinteilige Dinge ausschneiden und aufkleben - das alles steht heute gar nicht mehr so sehr im Fokus.»

Trotzdem läuft bei Lamy das Kerngeschäft mit den Schul- und Jugendfüllern blendend. Zwischen 2009 und 2016 steigerte das Heidelberger Unternehmen den Umsatz von knapp 46 auf rund 112 Millionen Euro. «Das Unternehmen bleibt seiner Kernkompetenz treu», sagt Thomas Grothkopp, Geschäftsführer des Handelsverbands Büro und Schreibkultur. «Der digitale Wandel ist beim Thema Schreiben lernen noch nicht derart auf dem Vormarsch wie anderswo», ergänzt Oblau. «Das liegt auch daran, dass die Schulen häufig noch gar nicht entsprechend ausgestattet sind.»

Turbulenter ging es in den vergangenen Jahren bei Pelikan zu, Lamys Hauptkonkurrent bei Füllern für das Schul- und Jugendsegment. Das in Berlin ansässige Unternehmen gehört inzwischen einem malaysischen Konzern und vertreibt mittlerweile eine deutlich breitere Produktpalette als Lamy. «Da spielt inzwischen der Füller im Gesamtsortiment keine so bedeutende Rolle mehr», sagt Grothkopp. Das Schulgeschäft mit Schreibwaren allgemein läuft dem Konzern zufolge aber ebenfalls zufriedenstellend. «Bei Pelikan zeigt sich im Bereich der Schreibgeräte ein jährliches Wachstum von vier Prozent», teilte eine Sprecherin mit.

Das Geschäft mit der Edelfeder boomt - auch in Zeiten von Whatsapp und Facebook. Der Gesamtumsatz mit Füllfederhaltern stieg zwischen 2014 und 2017 um sechs Millionen auf rund 153 Millionen Euro, wie aus Daten des Marktforschungsunternehmens Marketmedia24 hervorgeht. Für 2019 erwarten die Analysten einen Anstieg auf rund 160 Millionen Euro.

Davon profitieren nicht nur die Hersteller, deren Kerngeschäft auf Schulfüllern beruht. Das Hamburger Unternehmen Montblanc wurde Anfang der 1990er Jahre vom späteren Schweizer Luxusgüterkonzern Richemont übernommen. Seither spezialisiert sich das Unternehmen auf Füllfederhalter, die beim Preis bei mehr als 300 Euro anfangen und deutlich über eine Million Euro kosten können.

«Wir haben beim Absatz in Deutschland in den vergangenen Jahren im zweistelligen Prozentbereich zugelegt», sagt Oliver Goessler, zuständig für das Nordeuropa-Geschäft von Montblanc. «In einer Zeit, in der immer weniger geschrieben wird, muss das Schreibgerät, mit dem man unterschreibt oder einen Brief aufsetzt, etwas Besonderes sein.» Dass sich das in den kommenden Jahren ändern könnte, glaubt Goessler nicht. «Der Trend hat sich verfestigt. Das gilt für viele Produkte im analogen Bereich.»

Doch die Unternehmen beobachten die digitale Veränderung genau. «Wir stellen uns natürlich darauf ein und beschäftigen uns sehr intensiv damit», sagt Lamy-Geschäftsführerin Oblau. «Wir beobachten etwa, dass es digitale Endgeräte gibt, auf denen man auch mit einem digitalen Stift schreiben kann.» Solchen digitalen Hilfsmitteln den Charme eines Füllers einzuhauchen, dürfte allerdings schwierig werden.

Veröffentlicht am:
17. 08. 2018
17:24 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
17. 08. 2018
17:24 Uhr



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