Lade Login-Box.
Topthemen: Hofer Filmtage 2019EhrenamtskampagneVER Selb

 

Was bringt eine Kinderunfallversicherung?

Die meisten Menschen können eine kleine Narbe vorzeigen, die sie sich in der Kindheit zugezogen haben. Oft bleibt es bei solchen Schrammen. Doch manchmal passieren Kindern Unfälle, die langfristige Folgen haben. Wie können Eltern ihren Nachwuchs sinnvoll absichern?



Kind im Straßenverkehr
Vorsicht im Straßenverkehr: Hat das Kind einen schweren Unfall, können die Folgen das Leben der ganzen Familie verändern.   Foto: Uwe Anspach/dpa-tmn

Nach einem schweren Unfall oder einer Krankheit kann sich das Leben einer Familie schlagartig ändern. Bleiben beim Kind langfristige, körperliche Folgen, können diese auch das Familienbudget erheblich belasten.

Um Kinder vor den Folgen eines Unfalls abzusichern, können Eltern eine Kinderunfallversicherung abschließen. Wie sinnvoll ist das, und welche Alternativen gibt es?

Wann zahlt die Kinderunfallversicherung?

«Eine Kinderunfallversicherung bietet nur begrenzten Schutz», erklärt Michael Nischalke von der Stiftung Warentest. Folgen von Krankheiten blieben außen vor. «Sie zahlt nur, sofern ein Unfall eine Invalidität verursacht.» Unter Invalidität verstehen Versicherungen einen bleibenden körperlichen Schaden, für den dauerhaft, also mehr als drei Jahre, keine Besserung zu erwarten ist. Als versicherter Unfall gilt ein plötzlich von außen auf den Körper einwirkendes Ereignis. Das kann ein Autounfall sein oder eine Stichflamme auf dem Herd.

Doch durch einen Unfall entstehen Schwerbehinderungen nach Angaben des Statistischen Bundesamtes bei weniger als zwei Prozent der Fälle. Hauptursache sind Krankheiten.

Welche Alternative gibt es?

Der Abschluss habe nicht höchste Priorität, erklärt Nischalke. «Besser ist der Abschluss einer Kinderinvaliditätsversicherung. Die bietet umfassenderen Schutz, zahlt auch bei Invalidität durch Krankheit.» Diese Police springt ein, sobald ein Arzt dem Kind einen Behinderungsgrad von mindestens 50 Prozent bescheinigt. Dann zahlt sie in der Regel eine lebenslange Rente. Mindestens 1000 Euro Rente pro Monat sollten es sein, empfiehlt Peter Grieble, Versicherungsexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

Einige Anbieter leisten zusätzlich eine Einmalzahlung. Damit können Eltern etwa nötige Umbauten oder die Anschaffung eines behindertengerechten Autos finanzieren.

Möglich ist der Abschluss meist nach dem ersten Lebensjahr, bei einigen Anbietern auch schon früher. Eltern müssen vorher einen umfassenden Fragebogen zur Krankheitsgesichte der Kinder ausfüllen. Gibt es schon Krankheiten, kann die Versicherung diese vom Versicherungsschutz ausschließen - ein Angebotsvergleich lohnt sich. «Allerdings gibt es nur wenige Angebote am Markt», erklärt Grieble.

Wie hoch sind die Kosten?

Gute Verträge können mitunter mehr als 400 Euro im Jahr kosten. Für viele Familien ist das eine hohe Summe. Eine günstigere Alternative kann dann doch die Kinderunfallversicherung sein - gute Policen gibt es ab etwa 50 Euro im Jahr. Sie eignet sich auch für Kinder, die wegen einer Vorerkrankung keine Invaliditäts-Police bekommen oder als Zusatzschutz. Die Unfallversicherung leistet auch bei geringen Invaliditätsgraden.

Doch in vielen Verträgen sei die Versicherungssumme zu niedrig. Nischalke empfiehlt Tarife, die bei Vollinvalidität mindestens 500.000 Euro auszahlen und bei 50 Prozent Invalidität 100.000 Euro leisten.

Wie viel die Unfallversicherung im speziellen Fall tatsächlich leistet, hänge unter anderem von der Grundversicherungssumme und der sogenannten Gliedertaxe ab, erklärt Bianca Boss vom Bund der Versicherten (BdV). Die Gliedertaxe gibt an, welchem Grad an Invalidität der Verlust eines Körperteils entspricht. Ein fehlender Daumen kann bei einigen Tarifen eine Invalidität von 20 Prozent bedeuten. Die Versicherung zahlt also 20 Prozent der Grundsumme aus.

Was bewirkt die Progression?

«Damit schwerere Fälle aber höher versichert sind, gibt es zusätzlich die Progression», erklärt Boss. Je höher der Invaliditätsgrad, desto stärker kann die Auszahlung ausfallen. Sie steigt anfangs nur leicht, bei stärkeren Beeinträchtigungen aber deutlicher an. Beträgt die Progression 225 Prozent, bekommt das Kind bei Vollinvalidität das 2,25-Fache der Grundsumme. Der BdV empfiehlt eine Grundsumme von 200.000 Euro mit einer Progression von mindestens 225 Prozent. Ein voll invalides Kind bekäme dann 450.000 Euro ausgezahlt.

Ein guter Tarif sollte Infektionskrankheiten, Insektenstiche und Tierbisse sowie Verletzungen beim Toben oder Heben abdecken. Auf Verträge mit einer Dynamik sollten Eltern laut Boss verzichten. Dabei erhöht sich jedes Jahr die Versicherungssumme. Stattdessen sollten sie besser gleich zu Anfang eine ausreichende Grundsumme vereinbaren.

Veröffentlicht am:
26. 12. 2018
04:42 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Eltern Invalidität Statistisches Bundesamt Stiftung Warentest Unfallversicherungen Versicherungen Versicherungssumme
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Kerstin Becker-Eiselen

28.08.2019

Welche Policen guten Schutz bei Berufsunfähigkeit bieten

Wer schon vor dem Rentenalter aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeiten kann, ist über eine gute Versicherung froh. Sind teure Berufsunfähigkeitsversicherungen die beste Wahl? » mehr

Geld von der Versicherung

14.08.2019

Wie Versicherer die Gliedertaxe berechnen

Wie sehr beeinträchtigt es einen Menschen, ein Bein zu verlieren? Oder ein Auge? Die Versicherungen berechnen den Invaliditätsgrad eines Unfallopfers mit der Gliedertaxe. » mehr

Versichert auf der Wanderung?

21.02.2018

Wann Kurzzeitpolicen sinnvoll sind

Kurzzeitversicherungen lassen sich online in wenigen Schritten abschließen und bezahlen. Das ist bequem und einfach. Doch bringen die Mini-Policen auch wirklich guten Schutz? » mehr

Ein Mann lächelt

19.06.2019

Finanzplan mit 50 aufstellen

Die Kinder sind aus dem Haus, beruflich ist man etabliert, bis zur Rente sind es noch ein paar Jahre. Ab 50 beginnt für viele ein neuer Lebensabschnitt - mit mehr Freiheiten, aber auch mit dem Blick aufs Alter. Zeit für ... » mehr

Uwe Rauhöft

14.08.2019

Was Eltern jetzt finanziell beachten sollten

Elterngeld, Kindergeld oder doch lieber Freibetrag - Eltern haben einen gewissen finanziellen Gestaltungsspielraum. Richtig genutzt, kann der ein oder andere Euro vom Finanzamt zurückgeholt werden. » mehr

Lebensversicherung: Ja oder Nein?

08.05.2019

Kündigen oder laufen lassen? - Lebensversicherungen prüfen

Lebens- und Rentenversicherungen sind aus Sicht der Branche erfolgreich: Während die Beitragseinnahmen steigen, sinkt die Stornoquote. Aber sind solche Versicherungen tatsächlich geeignete Produkte für die Altersvorsorge... » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
26. 12. 2018
04:42 Uhr



^