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Schnäppchen und Kuriositäten bei Online-Auktionen des Zolls

Was Behörden gepfändet, beschlagnahmt oder aussortiert haben, landet mitunter bei einer bundesweit einmaligen Online-Auktion des Zolls. Dadurch sprudeln Einnahmen in die Staatskasse. Und Schnäppchenjäger können auf die Jagd gehen - auch nach kuriosen Artikeln.



Zoll-Auktion
Auf den Auktionen landen einige Kuriositäten, zum Beispiel ein ausrangiertes Feuerwehrlöschfahrzeug der Stadt Linz.   Foto: Jörn Perske » zu den Bildern

Es gibt allerhand Alltägliches und unglaublich Ungewöhnliches - und es kommt alles im «Behörden-Ebay» unter den (Auktions-)Hammer. Während die Bieter bei den Versteigerungen auf Schnäppchen hoffen, freuen sich die Behörden als Warenanbieter über einen warmen Geldregen für die Staatskasse.

Nach fast 17 Jahren seit der offiziellen Vorstellung hat das Internet-Auktionsportal www.zoll-auktion.de in Summe erstmals die Umsatzgrenze von einer Milliarde Euro überschritten, wie der Zoll der Deutschen Presse-Agentur in Bad Hersfeld sagte.

Online-Auktionen zum Aufbessern der Staatskasse

Im virtuellen Auktionshaus des Zolls für Bund, Länder und Gemeinden werden gepfändete, beschlagnahmte oder aussortierte Artikel versteigert. Die Zahl der Anbieter steigt stetig, mittlerweile sind es knapp 4900, die ihre Güter über die von Bad Hersfeld aus betreute Internetseite des Hauptzollamts Gießen versteigern. Mit dabei sind kleine Gemeindekassen, von Helgoland bis Oberstdorf, bis hin zu Bundesministerien. Die Gewinne kommen der öffentlichen Hand zugute.

Im vergangenen Jahr machten die Behörden mit den Auktionen 83,6 Millionen Euro Umsatz. Zugleich erzielten sie einen Rekorderlös von 30,4 Millionen Euro, wie der Zoll in Bad Hersfeld mitteilte.

Die deutschlandweit einmalige Plattform habe sich zu einer Erfolgsgeschichte entwickelt, bewertet Reiner Emmerich, der Leiter der Vollstreckungsstelle in Bad Hersfeld. In Osthessen entstand die Idee. Und im März 2002 wurde sie auf der Fachmesse Cebit vorgestellt - als Ergänzung zu den üblichen Vor-Ort-Versteigerungen, zu denen aber nur begrenzt Bieter anreisen.

Die parlamentarische Staatssekretärin im Bundesfinanzministerium, Christine Lambrecht, besuchte jetzt die Macher der Zoll-Auktion. «Mit fast 600.000 Auktionen und über einer Milliarde Euro Umsatz seit ihrem Bestehen ist die Zoll-Auktion ein weiteres Beispiel für die erfolgreiche Arbeit der Zollverwaltung», lobte sie.

Wer kann mitbieten?

Mitbieten kann jeder der volljährig ist und sich online registriert. Angeboten werden Artikel in 19 Kategorien; von A wie Antiquitäten bis W wie Wohnen. Rund 1900 Auktionen sind ständig online. Beliebt sind Fahrzeuge, Sportgeräte, Werkzeug, Schmuck, Uhren und Spirituosen.

Es kommen aber auch allerhand Ungewöhnliches unter den Hammer: Derzeit versteigert die Stadt Linz ein Feuerwehrlöschfahrzeug aus dem Jahr 1973, Mindestgebot 2250 Euro. Noch bis zum 25. Februar können Angebote abgegeben werden. Wer es lieber schneller und schnittiger mag, konnte im November 2017 für einen gepfändeten Sportwagen aus dem Schwabenland mitsteigern. Nach dem Startgebot von rund 78.000 Euro entbrannte eine wahre Bieterschlacht. Die Edel-Karosse brachte schließlich rund 160.000 Euro ein.

Ungewöhnliche und begehrte Objekte

Eines der Höchstgebote in der Geschichte der Zoll-Auktion erging im Vorjahr für 52 Wohncontainer. Die Stadt Aachen hatten sie für Flüchtlinge angeschafft. Als keine Verwendung mehr für die «Space-Boxen» bestand, wurden sie letztlich für 230.000 Euro versteigert. Noch höher ging das Gebot im Jahr 2010. Einem Bieter war ein englischer Sportwagen, ein Lagonda V12 Cabriolet aus dem Jahr 1938, exakt 252.100 Euro wert. Der exklusive Oldtimer hatte eine schillernde Geschichte. Zeitweilig war er im Besitz des Königs von Malaysia, am Ende wurde das Schmuggler-Auto von einem Münchner Kokain-Händler beschlagnahmt.

Versteigert wurde in den vergangenen Jahren auch schon ein 32 Meter langes, ausgemustertes Küstenstreifenboot der Polizei in Schleswig-Holstein; ein Mercedes 600 aus den 1960er Jahren, der einst zum Fuhrpark des sowjetischen Staatsmanns Leonid Breschnew gehörte sowie eine Borsig-Dampfspeicherlokomotive aus dem Jahr 1909.

Fahrzeuge seien ohnehin sehr beliebte Objekte bei den Versteigerungen, erklärt der Gießener Zoll-Sprecher Michael Bender. Denn die Fahrzeuge werden mit einem Wertgutachten im Netz präsentiert. «Da kauft niemand die Katze im Sack», versichert er. Angesichts der zunehmenden Cyber-Kriminalität im Internet sei die Zoll-Auktion ein äußerst seriöser und vertrauenswürdiger Anbieter.

Nicht alles darf versteigert werden

Bei anderen Versteigerungsobjekten stellt sich die Frage, was der Bieter mit der Kuriosität anzufangen vermag. Doch es gibt nichts, was es nicht gibt: Vor einigen Jahren versteigerte eine Kommune für einige Tausend Euro eine Fußgänger-Ampel - zum eigenständigen Abbau und Abtransport, wie sich ein Beamter in Bad Hersfeld erinnert.

Einige beschlagnahmte oder aus Straftaten stammende Artikel kann der Zoll allerdings nicht versteigern: Waffen, Betäubungsmittel, Produkte von artgeschützten Tieren und Pflanzen sowie Markenfälschungen werden nicht veräußert. Alkohol versteigern die Behörden hingegen gar nicht mal so selten. Natürlich gibt es dort auch Edles. Einen Whiskey aus dem Jahr 1976 versteigerte das Hauptzollamt Rosenheim für 1650 Euro. Bodenständigeres hat die Stadt Mönchengladbach derzeit im Online-Angebot: vier Kästen Pils mit 73 Flaschen. Mindestgebot: 30 Euro.

Veröffentlicht am:
07. 02. 2019
10:27 Uhr

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dpa

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Veröffentlicht am:
07. 02. 2019
10:27 Uhr



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