Lade Login-Box.
Corona Ticker
Topthemen: CoronavirusKommunalwahl 2020WohnzimmerkunstBlitzerwarnerHof-Galerie

 

Mit Legal Techs Ansprüche geltend machen

Es gibt Unternehmen, die sich im Internet auf bestimmte Rechtsprobleme spezialisiert haben. Kosten verlangen Legal Techs nur bei Erfolg. Was machen sie anders als klassische Anwälte?



Klage ohne Kostenrisiko
Unternehmen bieten online Hilfe bei einfachen Rechtsproblemen an. Foto: Robert Günther   Foto: dpa

Eine Entschädigung für die Flugverspätung geltend machen, die Miete mit Hinweis auf die Mietpreisbremse senken, den Hartz-4-Bescheid überprüfen lassen: Das sind einige Angebote von sogenannten Legal Techs.

Diese Unternehmen bearbeiten mithilfe von Technik zahlreiche Fälle, daher ihr Name - er leitet sich vom englischen Begriff für Rechts-Technologie ab.

Über das Internet sind Legal Techs bundesweit tätig. Sie haben sich jeweils auf ein bestimmtes Rechtsproblem spezialisiert, das sie in der Regel mit der Unterstützung von Rechtsanwälten in großer Zahl bearbeiten, meist gestützt auf automatisierte Algorithmen.

Honorar nur im Erfolgsfall

Dank der Spezialisierung können Legal Techs Chancen und Risiken eines Rechtsstreits nach eigenen Angaben gut einschätzen und sind deshalb bereit, in Vorleistung zu treten: Sie bekommen nur im Erfolgsfall ein Honorar, und zwar meist etwa ein Drittel des Betrags, den sie für den Kunden erstreiten. Wird ein Streit verloren, trägt das Legal Tech alle Kosten.

Einige Beispiele: Bei Flugverspätungen ab drei Stunden setzen verschiedene Anbieter Entschädigungen durch. Ein anderer kauft bei Bahnverspätungen den Anspruch auf Entschädigung ab. Auf einem weiteren Portal können Mieter prüfen lassen, ob bei ihrem Vertrag gegen die Mietpreisbremse verstoßen wurde. Wenn ja, verhandelt die Firma mit dem Vermieter und verklagt ihn notfalls.

Ein anderer Anbieter schaut bei Hartz-4-Bescheiden genau hin. Werden Fehler entdeckt, ergeht ein Widerspruch. Bekommt der Hartz-4-Bezieher dadurch mehr Leistungen, muss er nichts an den Rechtsdienstleister abgeben. Das Legal Tech hat in diesem Fall einen Honoraranspruch gegen die Arbeitsagentur.

Hilfe mit Standardlösungen

Weitere Legal Techs gibt es bereits zu Abfindungen, Bußgeldern oder Verkehrsunfällen. Die Stiftung Warentest sieht die Entwicklung generell positiv und geht davon aus, dass das Angebot an Rechtsdienstleistern im Internet weiter wächst. Rechtsanwälte würden allerdings nicht überflüssig. «Sobald Fälle komplexer sind und eine Standardlösung nicht passt, stoßen die Legal Techs an ihre Grenzen», schreibt die Verbraucherschutzorganisation in einem Bericht über Legal Techs.

Bei Anwälten kommen die Legal Techs trotzdem nicht nur gut an. Eine Klage der Rechtsanwaltskammer Berlin gegen ein Unternehmen wurde zwar vor dem Landgericht Berlin weitgehend abgewiesen (Az: 15 O 60/18), weil die Arbeit nicht über die erlaubten Dienstleistungen hinausgeht. Es darf aber keine Formulierungen verwenden, die so wirken, als handele es sich um eine Rechtsanwaltsgesellschaft. Vor dem Bundesgerichtshof kommt das Thema im Oktober erneut auf den Richtertisch (Az.: VIII ZR 285/18).

Veröffentlicht am:
01. 10. 2019
15:34 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bundesgerichtshof Gefahren Gerichtsklagen Honoraranspruch Honorare Kostenrisiko Landgericht Berlin Rechtsanwaltskammern Rechtsstreits Stiftung Warentest Streitereien Unternehmen Verbraucherschutzorganisationen
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Philipp Opfermann

01.10.2019

Recht bekommen hat seinen Preis

Einen Anwalt einschalten, Klage erheben: Rechtsstreite sind teurer geworden. Doch der Staat hilft, wenn man sich dies finanziell nicht leisten kann - und die Versicherungswirtschaft bietet Abhilfe. » mehr

Sebastian Reiling

25.12.2019

Was bringt die Musterfeststellungsklage?

Einer holt stellvertretend für viele Verbraucher die Kohlen aus dem Feuer: Das ist das Prinzip der Musterfeststellungsklage. Es gibt sie seit November 2018, doch viele Fragen sind noch immer offen. » mehr

Julia Alice Böhne

19.02.2020

Ist die Risikolebensversicherung sinnvoll oder überflüssig?

An den Tod denkt niemand gerne. Vor allem Familien sollten sich damit aber beschäftigen. Denn stirbt ein Elternteil, stehen Hinterbliebene oft vor finanziellen Problemen. Doch es gibt eine Lösung. » mehr

Vor Gericht

15.01.2020

Recht bekommen auch mit wenig Geld

Ob bei einer Kündigung, Ärger um Hartz IV oder Zoff ums Erbe - wer kaum Geld hat, aber Rechtsrat braucht, kann Beratungshilfe beantragen. Dann springt der Staat ein. » mehr

Tisch-Reservierung

01.10.2019

Welches Recht haben Verbraucher im Restaurant?

Gastronomen ärgern sich, wenn reservierte Tische leer bleiben - zurecht. Manche Restaurants fordern dafür allerdings Strafen. Ist das zulässig? Antworten auf Rechtsfragen rund um den Restaurantbesuch. » mehr

Geldgeschäfte Corona Bank Vollmacht

06.04.2020

Banken verlangen meist eigene Vollmachten

Wer wegen des Coronavirus derzeit daheim bleiben muss, kann auch viele Geldgeschäfte nicht selbst erledigen. Die können im Prinzip auch andere übernehmen. Dafür sind aber Vollmachten nötig. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
01. 10. 2019
15:34 Uhr



^