Topthemen: Hof-GalerieWaldschratDie Bilder vom WochenendeFall Peggy KnoblochSelber Wölfe

 

Wie die Sommerzeit den Körper beeinträchtigt

Die Uhren werden am Wochenende umgestellt. Diesmal auf die Sommerzeit. Für viele Menschen ist das belastend. «Sozialen Jetlag» nennt das Prof. Till Roenneberg. Er weiß genau, warum die Betroffenen so sehr darunter leiden.



«Sozialer Jetlag»
Die meisten Menschen werden vom Wecker aus dem Schlaf gerissen. Viele fühlen sich dann nicht ausgeschlafen. Die fehlende Stunde nach der Umstellung auf die Sommerzeit macht es nicht besser. Foto: Christin Klose/dpa-tmn  

In der Nacht zum 26. März werden in diesem Jahr die Uhren auf Sommerzeit umgestellt, um 2.00 Uhr auf 3.00 Uhr. Ein Ereignis, das traditionell große Aufmerksamkeit auf sich zieht.

Unnötig und gesundheitsschädlich finden es die einen - endlich ist es nun abends länger hell, freuen sich andere. Von der Umstellung selbst bekommt mancher kaum noch etwas mit, schließlich stellt sich das Smartphone ganz von allein um.

Es geht um nur eine Stunde Schlaf, in einer Nacht. Was also soll die ganze Aufregung? Das Problem sei, dass man zwar die Uhren einfach umstellen kann - nicht aber die innere Uhr im Körper, erklärt Prof. Till Roenneberg, Leiter der Human Chronobiologie an der Ludwigs-Maximilian-Universität München.

Die menschliche «Innenzeit», wie Roenneberg sie nennt, richtet sich nach dem Tag-Nacht-Rhythmus der Erde. Idealerweise läuft sie also in einem 24-Stunden-Rhythmus. «Unsere inneren Uhren sind - im Vergleich zu unseren Vorfahren - allerdings sehr spät dran», erklärt der Chronobiologe. Das liege vor allem daran, dass die Menschen zu wenig Tageslicht bekommen. Bei immer mehr Menschen geht die innere Uhr deshalb nach. Sie schickt die Menschen zu spät ins Bett, der Wecker holt sie zu früh aus dem Schlaf. Sie leiden unter dem, was Roenneberg einen «sozialen Jetlag» nennt - und den verstärkt die Sommerzeit.

Ein Beispiel: Wer um 6.00 Uhr aufstehen muss, hat auf seiner inneren Uhr im Sommer erst 5.00 Uhr erreicht - und muss damit zu früh aus dem Schlaf. Wer dagegen um 23.00 Uhr ins Bett gehen müsste, um zumindest auf sieben Stunden Schlaf zu kommen, ist oft noch nicht müde genug - denn die innere Uhr zeigt ja erst 22.00 Uhr an.

«Die Sommerzeit verlegt unsere sozialen Verpflichtungen einfach noch eine Zeitzone weiter nach Osten» - so als arbeite man in Osteuropa, lebe aber in Berlin, Köln oder München, erklärt der Experte. «Je größer der Unterschied zwischen unserer biologischen und unserer sozialen Zeitzone, desto größer die Chancen krank zu werden, von metabolischen bis hin zu psychiatrischen Problemen», sagt Roenneberg.

Wäre es also eine gute Lösung, immer bei der Sommerzeit zu bleiben? Laut Roenneberg keinesfalls. Die Zeit, in der jeder eine Stunde früher zur Arbeit muss, würde ja von sieben auf zwölf Monate verlängert. Hinzu komme, dass die innere Uhr im Winter noch später dran ist als im Sommer. Der Wecker reißt einen also nach noch weniger Schlaf aus dem Bett.

Allein damit, das Smartphone unbemerkt die Uhr umstellen zu lassen, ist es ebenfalls nicht getan - zumindest nicht für Menschen, die ohnehin nicht so gut schlafen. Was also tun? Manche Experten raten, in den Tagen vor der Umstellung der Uhren ein bisschen früher schlafen zu gehen. Till Roenneberg ist allerdings skeptisch, dass Menschen, die das machen, dann auch einschlafen können.

Statt verkrampft im Bett zu liegen und zuzusehen wie die Zeit verrinnt, nehmen Betroffene besser ein gutes Buch zur Hand. Ungünstig ist es dagegen, auf dem Smartphone zu lesen, da es viel blaues Licht ausstrahlt. Was auch helfen kann: tagsüber viel rausgehen und Licht tanken - vor allem in der ersten Hälfte des Tages. Das verschiebt die innere Uhr etwas nach vorn. Künstliches Licht zum Beispiel im Büro ersetzt die Sonnenstrahlen nicht. «In Innenräumen ist die Lichtintensität um den Faktor 1000 niedriger», sagt Roenneberg.

Veröffentlicht am:
21. 03. 2017
10:20 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Betten Chronobiologie Gesundheitsschäden Professoren Smartphones Sozialbereich Uhren
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Zwei Freundinnen

21.03.2018

So macht man das Beste aus der Sommerzeit

Wer an die Sommerzeit denkt, denkt in erster Linie an die geklaute Stunde Schlaf. Ist die Zeitumstellung aber einmal überwunden, hat die Verschiebung auch Vorteile - jedenfalls in sozialer Hinsicht. » mehr

Die Zeitumstellung nutzen

21.03.2018

Eine Stunde länger hell: Das Beste aus der Sommerzeit machen

Wer an die Sommerzeit denkt, denkt in erster Linie an die geklaute Stunde Schlaf. Ist die Zeitumstellung aber einmal überwunden, hat die Verschiebung auch Vorteile - jedenfalls in sozialer Hinsicht. » mehr

Inszeniertes Selfie

21.11.2018

Trotz Instagram innerlich zufrieden bleiben

Soziale Netzwerke machen vieles möglich, was früher nicht ging. Ihr schöner Schein kann aber auch zu Frust und Unzufriedenheit führen. Ein bewusster Umgang hilft, negativen Gefühlen entgegenzuwirken. » mehr

Schlafende Frau

12.07.2018

Zehn Tipps für den besseren Schlaf

Gedanken kreisen um die Sorgen von morgen, man kommt einfach nicht zur Ruhe: Unser Schlaf ist Seismograph von Körper und Seele. Etwa jeder dritte Deutsche schläft schlecht. Die meisten tun zu spät etwas dagegen. » mehr

Liquids für E-Zigaretten

vor 16 Stunden

Süße Aromen für E-Zigaretten verführen Jugendliche

Limette, Cocos oder Honigmelone - Flüssigkeiten zum Verdampfen in E-Zigaretten werden in Dutzenden Geschmacksrichtungen angeboten. Sie versüßen vor allem Jugendlichen das Dampfen - und könnten diese leicht auch an richti... » mehr

Apotheke

05.02.2019

Neues Schutzsystem gegen Medikamenten-Fälscher

Manipulierte Medikamente gelangen nur selten in die Apotheke - doch dann können die Gesundheitsschäden bei Patienten groß sein. Mit gefälschter Arznei verdienen Kriminelle viele Millionen. Nun soll ihnen ein neues Schutz... » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
21. 03. 2017
10:20 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".