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Parkinson-Forschung: Individuelle Therapien sind die Zukunft

Salvador Dalí, Muhammad Ali, Papst Johannes Paul II. - sie alle hatten Parkinson. Die gefürchtete Nervenkrankheit ist auch 200 Jahre nach ihrer ersten Beschreibung unheilbar. Was bringt die Zukunft?



Kirsten Vesper
Kirsten Vesper leidet an Parkinson. Sie hat eine Selbsthildegruppe gegründet. Foto: Britta Pedersen/dpa  

Schön wäre natürlich, wenn man es heilen könnte.» Kirsten Vesper überlegt nicht lange, als sie mit Blick auf ihre Parkinson-Erkrankung nach Wünschen für die Zukunft gefragt wird.

Bei der 62-jährigen Programmiererin, die in Potsdam eine Selbsthilfegruppe leitet, wurde die Diagnose 2009 gestellt. Nach Problemen beim Gehen, beim Arbeiten mit der Maus am PC und Schmerzen in der Schulter war sie schließlich beim Neurologen gelandet. Parkinson, das heißt auch heute noch, dass Nervenzellen im Gehirn nach und nach absterben. Unaufhaltsam.

Dennoch, ihre Lebensqualität sei «wunderbar», sagt Vesper. Laien sehen von den als typisch geltenden Symptomen bei ihr nichts. Zum Beispiel keinen gebeugten Gang, keine zitternden Hände. Medikamente, die Vesper täglich einnimmt, halten die Anzeichen in Zaum. Komplexe Denkaufgaben in ihrem Beruf könne sie aber nicht mehr so souverän wie früher lösen, sagt sie. Vesper ist nach Daten der Deutschen Parkinson Gesellschaft (DPG) eine von bis zu 280 000 Betroffenen bundesweit. Vor dem Welt-Parkinson-Tag am 11. April haben Neurologen der Deutschen Parkinson Gesellschaft in Berlin aktuelle Entwicklungen vorgestellt. Dazu Fragen und Antworten:

Wer erkrankt an Parkinson? 

Männer etwas häufiger als Frauen. Im Schnitt sind Patienten 60 Jahre alt, wenn die Schüttelkrankheit bei ihnen festgestellt wird. Es gibt aber auch Fälle, in denen sie bereits deutlich früher auftritt. Wohl bekanntestes Beispiel dafür ist der US-Schauspieler Michael J. Fox («Zurück in die Zukunft»). Er bekam die Diagnose mit 29 Jahren.

Wie werden Betroffene behandelt?

Sie erhalten in der Regel zunächst Medikamente. Damit wird der Botenstoff Dopamin ersetzt, an dem es Patienten wegen ihrer abgestorbenen Nervenzellen mangelt. Dieser Mangel ist Grund für die Bewegungsstörungen bei Parkinson. Allerdings könne es sehr schwer sein, dabei gleichmäßige Wirkungen zu erzielen, sagte Georg Ebersbach, Neurologe an einer Fachklinik in Beelitz-Heilstätten. Manche Patienten erleben ganz unterschiedliche Phasen: Mal können sie sich sehr gut bewegen, plötzlich dann wieder schlecht. Um den Dopamin-Ersatz kontinuierlicher abgeben zu können, arbeiteten Forscher etwa an Mini-Pumpen und Pflastern, so Ebersbach.

Können die Medikamente die Symptome ein Leben lang zurückdrängen?

Nein. Langfristig seien die schweren motorischen Probleme damit nicht zu beherrschen, berichtete Ebersbach. Und Expertin Daniela Berg vom Uniklinikum Schleswig-Holstein in Kiel betont, dass die Nebenwirkungen bis zu Halluzinationen und Psychosen reichen könnten. «Das ist nicht ohne», sagt sie. Sie sieht die Zukunft der Behandlung in individuellen Therapien, die an der Ursache ansetzen. Das gelte insbesondere für die sieben Prozent der Betroffenen, bei denen Parkinson genetisch bedingt ist. Diese Menschen würden behandelt wie alle anderen Betroffenen auch, obwohl inzwischen unterschiedliche Abläufe im Körper bekannt seien, so Berg. Allerdings sind Tests, ob eine genetische Ursache vorliegt, noch nicht Standard.

Welche Ursachen kommen sonst noch in Frage?

Das wüssten insbesondere die Betroffenen gern, schildert Berg. Doch die Ursachen sind weiter unbekannt. Experten gehen von einem Zusammenspiel mehrerer Faktoren aus. Unklar sei zum Beispiel, ob Umweltgifte eine Rolle spielen, sagte Jens Volkmann von der Uni Würzburg. Dem Neurologen zufolge gelten inzwischen die Riech- und die Darmschleimhaut als Ausgangspunkte der Erkrankung.

Wie früh wird Parkinson heute erkannt?

Charakteristische Kriterien dafür sind zum Beispiel Zittern, langsame Bewegungen und Sprachstörungen, wie es der Arzt James Parkinson 1817 erstmals beschrieb. Das Problem: Es könnten zehn Jahre vergehen, bis solche Störungen bei Erkrankten auftreten, sagte Volkmann. Nervenzellen sind dann bereits in großer Zahl geschädigt. Frühere Anzeichen der Krankheit fallen weniger eindeutig aus: Neben Problemen mit Geruchssinn und Verdauung können das etwa Depressionen, Schmerzen und Schwitzen sein. Ein ernstzunehmender Risikofaktor seien schwere Schlafstörungen, bei denen der Bettpartner etwa Schläge und Tritte abbekommt, sagte Volkmann.

Früher von der Krankheit zu wissen, brächte Betroffene aktuell nicht weiter: Keine Behandlung kann das Sterben der Nervenzellen aufhalten. Um Medikamente zu diesem Zweck zu entwickeln, wären in frühem Stadium Erkrankte aber für die Forschung wichtig. Experten erwarten hier viel von einem Hauttest zur Früherkennung. Er ist aber nicht generell als Parkinson-Frühtest geeignet. Auch bei der Entwicklung von Impfstoffen gegen Parkinson wird noch ein langer Weg angenommen.

Was bedeutet die Diagnose für Betroffene?

«Man kann heute schon anders mit Parkinson leben», sagte Daniela Berg. Allerdings bedeutet die Erkrankung für jüngere Patienten, dass sie zumeist nur noch ein paar Jahre berufstätig sein können. Hinzu kommen weitere Belastungen: «Man wird als Parkinson-Patient nicht ernstgenommen», sagt Kirsten Vesper. Zum Beispiel als Gesprächspartner. Sie beobachtete, dass bei Begegnungen nur die Begleitung angesprochen wird, obwohl der Erkrankte danebensteht.

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dpa

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Veröffentlicht am:
11. 04. 2017
05:10 Uhr

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