Lade Login-Box.
Topthemen: Bilder vom WochenendeHofer Filmtage 2019EhrenamtskampagneVER Selb

 

Warum scheitern gute Vorsätze so oft?

Neujahrsvorsätze werden schnell gefasst - und ebenso schnell wieder aufgegeben. Wieso eigentlich? Psychologen habe eine Erklärung.



Frau im Fitnessstudio
Regelmäßig ins Fitnessstudio zu gehen, ist einer der häufigsten Vorsätze zum Jahreswechsel. Doch die Umsetzung fällt meist schwer.   Foto: Marijan Murat/dpa

Jedes Jahr zu Silvester fassen wir aufs Neue gute Vorsätze: Mehr Sport, gesünder essen, mehr Zeit für Freunde und Familie. Aber bei vielen Menschen wird dann doch nichts draus - der innere Schweinehund ist einfach stärker.

«Unser Gehirn ist auf Gewohnheitsbildung trainiert», sagt der Berliner Psychoanalytiker Hans-Werner Rückert. Wer den alltäglichen Trott durchbrechen will, muss sich anstrengen.

Geht es allen Menschen so?

Gute Vorsätze nicht durchzuhalten, ist sehr menschlich. Das beweist auch ein Blick auf die Geschichte: «Menschen nehmen sich seit jeher etwas vor und scheitern daran», sagt die Gesundheitspsychologin Sonia Lippke von der Bremer Jacobs University. Davon habe schon Aristoteles vor mehr als 2000 Jahren berichtet. «Studien zeigen, dass nur 30 Prozent der Vorsätze eine realistische Chance haben, sich zu verstetigen.» Nach drei Wochen geben die ersten ihre Pläne schon wieder auf. Nach einem halben Jahr ist nur noch die Hälfte dabei.

Wieso ist das so schwer?

Viele Menschen machen sich vorher keine Gedanken darüber, welche Folgen ein Lebenswandel hat und was sie unternehmen, wenn Schwierigkeiten auftauchen. Rückert räumt guten Vorsätzen zum neuen Jahr deshalb keine großen Chancen ein. «Das ist wie ein Ritual - quasi das Bleigießen für die Seele.» Ähnlich sieht es auch der Psychologe Frank Wieber von der Universität Konstanz. «Am Ende des Jahres wird Resümee gezogen, und man fühlt sich verpflichtet einen Vorsatz zu fassen. Wenn man nicht wirklich dahinter steht, scheitert man.»

Wieso fassen wir dann immer wieder Vorsätze fürs neue Jahr?

Generell mögen Menschen Stichtage für einen Neuanfang: den Jahreswechsel, den Geburtstag oder den Wochenanfang. «Suchanfragen bei Google zum Rauchenaufhören steigen am Montag», sagt Wieber.

Wie schafft man es, einen guten Vorsatz durchzuhalten?

Wieber empfiehlt eine Methode, die in der Wissenschaft mentales Kontrastieren mit Wenn-dann-Plänen oder WOOP heißt. Dabei nimmt man sich erstens ein Ziel für einen konkreten Zeitraum vor und stellt sich zweitens die schönsten Ergebnisse vor, sollte sich das erfüllen. In einem dritten Schritt überlegt man, was einen davon abhalten könnte. Danach legt man fest, wie man auf diese Hindernisse reagiert.

Den Erfolg der Methode hat Wieber mit Kollegen in einer Studie mit Menschen erforscht, die weniger Fleisch essen wollten. Zu Beginn informierte das Team diese über die negativen Folgen von übermäßigem Fleischkonsum. Ein Teil der Untersuchungsteilnehmer nutzte die oben genannte Methode. Das Ergebnis: Ihnen fiel es leichter, ihr Ziel in die Tat umzusetzen als den anderen Teilnehmern.

Was sollte man dabei beachten?

Die Strategie, wie man seine Vorsätze erreichen will, schreibt man nach Ansicht von Rückert am besten ganz altmodisch mit einem Stift auf ein Blatt Papier. «Es ist neurologisch erwiesen, dass das Gehirn mehr Areale aktiviert, wenn man mit der Hand schreibt als wenn man tippt», sagt der Psychoanalytiker. «Dadurch entsteht ein komplexeres Konstrukt.»

Wie schafft man es, dran zu bleiben?

Neben einem guten Plan erhöhe Flexibilität die Aussichten auf Erfolg, hat Lippke festgestellt, die seit 20 Jahren zu Verhaltensveränderungen forscht. Sprich: Wenn es zum Beispiel zu stark schneit, um zu joggen, geht man alternativ auf den Heimtrainer oder ins Schwimmbad. «Sonst macht der innere Schweinehund sofort einen Strich durch die Rechnung.»

Veröffentlicht am:
29. 12. 2017
10:27 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Aristoteles Fleischkonsum Gehirn Google Jacobs University Nervenheilkunde Psychologinnen und Psychologen Universität Konstanz
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Festhalten

09.08.2019

Schwindel im Alter oft Nebenwirkung von Medikamenten

Schwindelgefühle im Alter sind zunächst nicht völlig unüblich. Betroffene sollten dennoch schnell abklären, was die Gründe für den Schwächeanfall sind. » mehr

Mountainbiker

19.06.2019

Die goldene Mitte finden: Flow macht glücklich

Wenn jemand in seiner Tätigkeit völlig aufgeht, sprechen Psychologen vom sogenannten Flow. Wie kann man ein solchen Glücksgefühl beispielsweise beim Sport erreichen? » mehr

Frau im Bett

10.10.2019

Wie schlechter Schlaf der Seele schadet

«Mist, schon Mitternacht - und ich bin immer noch wach.» Dann ist es eins, dann zwei, dann plötzlich Morgen. Wer das jede Nacht mitmacht, kann ernsthaft krank werden. Doch es gibt Gegenmittel. » mehr

Greta Thunberg

15.10.2019

Was Greta Thunbergs Krankheit bedeutet

Asperger-Autisten gelten oft als besonders begabte Wunderkinder - so wie Greta Thunberg. Doch viele haben eine falsche Vorstellung von der Krankheit. Genau genommen gibt es Asperger-Autismus nicht einmal. » mehr

Welttag des Lächelns

04.10.2019

Fünf Fakten über das Lächeln

Smile! Ein Lächeln auf den Lippen drückt Freundlichkeit aus und hebt die Laune - wenn es denn echt ist. Fakten über eine wichtige menschliche Ausdrucksform. » mehr

Luftverschmutzung

21.08.2019

Luftverschmutzung kann psychische Erkrankungen beeinflussen

Steigert schlecht Luft das Risiko für schwere psychische Erkrankungen? Darüber berichten Forscher aus den USA und Dänemark nach einer Studie. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
29. 12. 2017
10:27 Uhr



^