Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: Urlaub daheimJubiläumsgewinnspiel "75 Jahre Frankenpost"WohnzimmerkunstBlitzerwarnerCoronavirus

 

Hitze lässt uns langsamer denken

Eine heftige Hitzewelle macht nicht nur Älteren und Kranken zu schaffen, sondern auch den Gehirnen von Jungen und Gesunden, wie Forscher herausgefunden haben.



Schlafzimmer
Schlafen in zu warmer Raumluft beeinträchtigt unser Denkvermögen.   Foto: Malte Christians

Hohe Temperaturen im Schlafzimmer vermindern das Denkvermögen. Das geht aus einer US-Studie hervor, die die morgendliche Reaktionsschnelligkeit von Studenten während einer Hitzewelle in Boston untersuchte.

Umweltmediziner der Harvard Chan School verglichen dazu zwölf Tage lang die kognitiven Leistungen von 44 Studenten vor, während und nach einer Hitzewelle. Die Ergebnisse veröffentlichten sie nun im Journal «Plos Medicine».

24 der gesunden jungen Leute lebten in einem Studentenwohnheim mit Klimaanlage, wo es bei einer Spannweite von 17,5 bis 25 Grad Celsius im Durchschnitt 21,4 Grad warm wurde. Die 20 anderen wohnten in einem Gebäude ohne Kühlung. Dort lag die Durchschnittstemperatur bei 26,3 Grad Celsius - und reichte von 19,6 bis 30,4 Grad.

Neben den Temperaturen berücksichtigten die Forscher während der zwölf Tage auch die Lärm- und Feuchtigkeitsbelastung in den Räumen sowie die Schlaf-, Trink- und Aktivitätsmuster der Studenten. Diese mussten jeden Morgen gleich nach dem Aufwachen auf ihren Smartphones zwei kurze Tests machen: Die Farbe von Wörtern schnell und richtig erkennen und einfache Rechenaufgaben lösen.

Während der fünftägigen Hitzewelle, die auf fünf Tage sommerliche Normaltemperaturen gefolgt war, stieg die Reaktionszeit der Studenten ohne Klimaanlage deutlich an: Für ihre Antworten in einem Wörtertest brauchten sie gut 13 Prozent länger als ihre Studienkollegen, die kühlere Nächte hinter sich hatten. Um einen ähnlichen Prozentsatz sanken ihre bei einem Rechentest erzielten Punkte. Da nur morgens Tests durchgeführt wurden, konnten die Autoren keine Aussagen zur Denkfähigkeit später am Tag machen.

Bemerkenswert: In den ungekühlten Gebäuden stiegen die Temperaturen in den letzten zwei Studientagen sogar noch weiter an, als die Hitzewelle schon wieder abklang. Seniorautor Joseph Allen vom Zentrum für Klima, Gesundheit und globale Umwelt der Harvard Chan School ergänzt: «In Regionen der Welt mit vor allem kühleren Klima sind Gebäude so gebaut, dass sie die Wärme erhalten. Diese Gebäude haben es schwer, die Hitze von heißen Sommertagen wieder loszuwerden.»

«Die meiste Forschung zu Auswirkungen von Hitze auf die Gesundheit wurde bisher an Risikogruppen, etwa Älteren, gemacht. So entstand der Eindruck, dass die Allgemeinbevölkerung durch Hitzewellen nicht beeinträchtigt wird», sagte Mitautor Jose Guillermo Cedeno Laurent. Diesen blinden Punkt habe man mit der Studie angehen wollen - denn auch für Städte wie das im Norden der USA gelegene Boston werde die Zahl der Hitzewellen durch den Klimawandel voraussichtlich ansteigen.

Auf Deutschland seien die Ergebnisse durchaus übertragbar, sagte Alexandra Schneider, Epidemiologin am Helmholtz Zentrum in München. «Das Design der Studie ist insgesamt gut, aber die Ergebnisse sind nicht wirklich überraschend.» Dass man bei hohen Temperaturen, und vor allem nach durch Hitze beeinträchtigtem Nachtschlaf, nicht so leistungsfähig ist, findet sie nicht erstaunlich. «Auch für andere gesundheitliche Folgen großer Hitze ist die fehlende nächtliche Abkühlung des Körpers der springende Punkt.»

Philip Lewis und Thomas Erren von der Universität Köln betonten, dass weitere Studien prüfen müssten, ob sich durch die reduzierte Aufmerksamkeit etwa auch das Risiko für Unfälle erhöhe. Überraschend seien die Funde nicht. «Schlafmangel, das Unterbrechen der inneren Uhr und die höhere Wahrscheinlichkeit, dass man nicht genug Wasser getrunken hat, trägt alles zur Verringerung der kognitiven Leistung bei», erläuterten die Experten. Die Studie, die erstmals gesunde und junge Menschen untersucht, zeige aber, dass eine sich erwärmende Erde weitreichendere gesundheitliche Probleme mit sich bringen könne als bisher angenommen.

Um während Hitzewellen leistungsfähig zu bleiben, empfehlen die Experten: Ausreichend trinken, auf schwere Mahlzeiten verzichten und die Arbeitsphasen, wenn irgendmöglich, in die kühleren Stunden des Tages legen.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
12. 07. 2018
09:51 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Epidemiologen Hitzewellen Klimaanlagen Kognition Kranke Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Medizinischer Mundschutz

03.06.2020

Das schützt vor dem Coronavirus

Während nach Pfingsten Kitas, Restaurants und Freibäder mehr und mehr öffnen, gelten an vielen Orten weiterhin Abstandsregeln und Maskenpflicht. Und das ist laut einer neuen Analyse auch gut so. » mehr

Regelmäßige Bewegung

23.06.2020

Was Krebsrisiko eigentlich bedeutet

Mehr als 200.000 Menschen in Deutschland sterben jährlich an Krebs. Warum die Krankheit ausbricht, lässt sich oft nicht genau sagen - doch die Wahrscheinlichkeit kann jeder beeinflussen. » mehr

Darmkrebsvorsorge

10.09.2019

Mehr Darmkrebs bei jüngeren Menschen

Ist der westliche Lebensstil verantwortlich? Forscher rätseln über steigende Darmkrebsraten bei unter 50-Jährigen in einigen Ländern. » mehr

Corona-Ansteckung bei Kindern

26.05.2020

Die Rolle der Kinder bei der Übertragung des Virus

Wie schön wäre es doch, wenn man auf wissenschaftlicher Basis sagen könnte: Es ist sicher, dass Kinder kaum zur Verbreitung des Coronavirus beitragen. Doch die Daten geben das nicht her. » mehr

Lutz Ehlkes

25.05.2020

Wenn der Coronavirus-Detektiv ermittelt

Bei jedem, der in Deutschland auf das Coronavirus positiv getestet wird, beginnt ein Wettlauf mit der Zeit. In den Gesundheitsämtern machen sich «Virus-Detektive» auf die Suche nach denen, die der Infizierte angesteckt h... » mehr

Lungenkrebs

20.04.2020

Krebssterblichkeit in Europa sinkt - mit zwei Ausnahmen

Die altersbereinigte Krebssterblichkeit in Europa sinkt drastisch - unter anderem wegen der medizinischen Fortschritte. Mit einem Phänomen kann jedoch auch die besser werdende Medizin europaweit nicht mithalten. » mehr

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
12. 07. 2018
09:51 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.