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West-Nil-Virus erfordert mehr Sicherheit bei Blutspenden

In Deutschland breiten sich das West-Nil- und das Usutu-Virus aus. Übertragen werden sie von heimischen Mücken, Infektionen bleiben aber oft unerkannt. Ein Tropenmediziner spricht sich für eine Diskussion über die Sicherheit von Blutspenden aus.



West-Nil-Virus
Das West-Nil-Virus breitet sich auch in Deutschland aus. Tropenmediziner fordern, die Kontrolle von Blutspendern zu verbessern.   Foto: Cynthia Goldsmith/CENTERS FOR DISEASE CONTROL

Angesichts der Ausbreitung des West-Nil-Virus in Deutschland spricht sich Tropenmediziner Jonas Schmidt-Chanasit für eine neue Diskussion über die Sicherheit von Blutkonserven aus.

«Blutspendedienste müssen sich damit in Zukunft stärker auseinandersetzen», sagte der Experte vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM). Nur einige Dienste testeten die Blutkonserven standardmäßig auf die Viren. Andere stellten Spender, die sich in bestimmten Ländern aufgehalten haben, vier Wochen zurück. «Man sollte überlegen, ob das noch sinnvoll ist.»

Nachgewiesen wurde der Erreger laut RKI bisher bei drei in Gefangenschaft gehaltenen Eulenvögeln, bei drei Greifvögeln sowie kürzlich bei einer Amsel nahe Rostock und bei einem Pferd im südlichen Brandenburg. Alle infizierten Tiere wurden demnach innerhalb eines 160 Kilometer breiten Streifens etwa zwischen München und Rostock gefunden. In Deutschland erfolgte Infektionen von Menschen wurden zwar bislang nicht bekannt, aber das RKI bringt fünf Infektionen mit Reisen nach Italien, Serbien und Rumänien in Zusammenhang.

Bisher testeten nur einige Dienste Blutkonserven standardmäßig auf West-Nil- und das eng verwandte Usutu-Virus, sagte Schmidt-Chanasit. Bislang müssen die Dienste, die nicht testen, Blutspender zurückstellen, die sich in einem bestimmten Zeitraum in Nordamerika und einigen europäischen Ländern aufgehalten haben, in denen das West-Nil-Virus grassiert. «Man sollte überlegen, ob das noch sinnvoll ist.» Für das eng verwandte Usutu-Virus gibt es demnach noch keine Regelung.

«Usutu- und West-Nil-Viren haben beide die gleiche humanmedizinische Relevanz», betonte Schmidt-Chanasit. «Mittlerweile weiß man, dass sich in den Regionen, wo beide Viren gleichzeitig zirkulieren, mehr Menschen mit dem Usutu-Virus infizieren als mit dem West-Nil-Virus. Das West-Nil-Virus war wegen eines großen Ausbruchs in den USA nur wesentlich präsenter in den Medien.»

Vögel gelten als wichtigster Wirt des West-Nil-Virus, das durch Mückenstiche auch auf Pferde oder Menschen übertragen werden kann. Eine Infektion kann zu Fieber, Kopfschmerzen und Hautausschlägen führen. In seltenen Fällen kann sie zu einer Gehirnentzündung führen und auch tödlich enden. In Europa wurden 2018 mehr als 110 Todesfälle durch das Virus registriert.

Menschliche Infektionen mit den Viren, die in Laboren festgestellt werden, seien seit 2016 in Deutschland meldepflichtig, heißt es vom RKI. In etwa 80 Prozent der Fälle bleibe eine Infektion aber unbemerkt, da sie ohne Symptome verlaufe, sagte Schmidt-Chanasit. Selbst im Falle von Symptomen bleibe die Infektion oft unerkannt. «Oft gehen Ärzte von einer Sommergrippe aus», so der Experte. «Viele Hausärzte kennen diese neuen, exotischen Viren noch gar nicht, obwohl wir viele Fortbildungen anbieten. Man kann davon ausgehen, dass schwere Fälle auftreten müssen, die dann an Uni-Kliniken behandelt werden. Dort besteht dann die Möglichkeit, dass die Erkrankung diagnostiziert wird», so Schmidt-Chanasit.

Wildvögel fungieren als Hauptwirte für die Viren. Immer wieder gibt es größere Ausbrüche, bei denen viele Vögel sterben. «In diesem Jahr konnten sich die Viren aufgrund der Hitze besonders gut vermehren. Wir hatten so viele positiv getestete Vögel wie in den Jahren 2010-2016 zusammen», so Schmidt-Chanasit mit Blick auf das Usutu-Virus. Bürger schicken regelmäßig verendete Vögel an sein Institut, das die Tiere dann untersucht.

Das Usutu-Virus konnte sich laut Schmidt-Chanasit schon flächendeckend in Deutschland ausbreiten. «Beim West-Nil passiert das sicher auch», so der Arzt. «Die Viren verschwinden nicht mehr.»

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dpa

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Veröffentlicht am:
28. 09. 2018
14:12 Uhr

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