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Wie Aufräumen glücklich macht - und wann es zum Zwang wird

Im Kleiderschrank liegt alles perfekt gefaltet, im Wohnzimmer findet sich nur das Nötigste: Ist dieser Zustand einmal erreicht, ist das Glück nicht mehr fern - oder? Ganz falsch ist das nicht, sagen Experten. Allerdings hat der Aufräumwahn auch eine Schattenseite.



Sandra Jankowski
Sandra Jankowski ist Diplom-Psychologin und Mitglied im Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP).   Foto: Maik Schulze/Sandra Jankowski/dpa-tmn

Wer nur genug aufräumt und ausmistet, ist glücklicher. Ratgeberbücher versprechen das und TV-Serien ebenso. Aber stimmt es auch? Grundsätzlich schon, sagt Diplom-Psychologin Sandra Jankowski.

«Wenn wir uns das Ziel setzen, zum Beispiel die Wohnung zu putzen, und dieses Ziel erreichen, werden Glückshormone ausgeschüttet», sagt sie. «Das sind Belohnungs- und Motivationssysteme, die es auch in anderem Zusammenhang gibt, beim Leistungssport etwa.»

Mit einem ähnlichen Mechanismus kann auch das große Ausmisten und Wegwerfen überflüssiger Dinge glücklich machen. «Das liegt dann aber nicht daran, dass ich nachher weniger habe», sagt Jankowski, die auch Mitglied im Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) ist. Glücklich mache dann vielmehr, dass man sich als Einzelperson oder Familie ein Ziel setzt und es erreicht. «Dafür muss ich nicht unbedingt ausmisten, dieses Ziel kann genauso auch eine Weltreise sein.»

Manche Menschen erreichen beim Putzen und Aufräumen zudem den sogenannten Flow. Der kann immer dann eintreten, wenn man eine gute Routine für etwas entwickelt und die Tätigkeit dabei nicht zu stressig, aber gleichzeitig auch nicht zu simpel ist. «Dieses Flow-Erlebnis sorgt dann dafür, dass das Putzen sogar entspannende, meditative Wirkung hat», sagt Jankowski.

Das muss aber nicht bei jedem Menschen so sein - sowohl der Flow als auch die Hormon-Belohnung für erfolgreiches Aufräumen sind eine Typfrage. «Genauso gibt es auch Menschen, die ihr kreatives Chaos brauchen, um glücklich zu sein», sagt Jankowski. Entscheidend sei hier zum Beispiel die Sozialisation. «Das ist auch nicht festgelegt, solche Prägungen können sich im Laufe des Lebens immer wieder ändern.»

Und genauso kann die Begeisterung fürs Aufräumen irgendwann in einen Putzzwang umschlagen, warnt die Expertin. Wann und ob sich eine solche Störung entwickelt, sei aber schwer vorauszusagen. Dabei spielt zum Beispiel auch die genetische Veranlagung eine Rolle. Klar ist aber, wann der Zwang ein Problem ist - nämlich dann, wenn das Putzen nicht mehr glücklich macht: «Wenn ich darunter leide, dass ich ständig putzen zu muss und damit wichtige Bereiche im Leben vernachlässige.»

Veröffentlicht am:
16. 01. 2019
15:44 Uhr

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dpa

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Veröffentlicht am:
16. 01. 2019
15:44 Uhr



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