Lade Login-Box.
Topthemen: Bilder vom Wochenende30 Jahre GrenzöffnungBlitzerwarnerVER Selb

 

Risiko für psychische Erkrankung steigt ohne grüne Umgebung

Wald, Wiesen und Parks statt Häuserfassaden und Beton: Wer als Kind viel Grün um sich herum hat, läuft später weniger stark Gefahr, eine psychische Erkrankung zu entwickeln. Das bestätigt eine Studie dänischer Forscher. Städte müssen grüner werden, betonen sie.



Kinder auf dem Land
Kinder, die viel im Grünen spielen, leiden später seltener unter einer psychischen Erkrankung. Das ergab eine Studie aus Dänemark.   Foto: Daniel Karmann

In einem grüneren Umfeld aufgewachsene Kinder entwickeln laut einer dänischen Studie im Laufe ihres Lebens seltener psychische Erkrankungen.

Wie Wissenschaftler der Universität Aarhus berichten, besteht bei umringt von Wäldern, Wiesen, Gärten oder Parks großgewordenen Menschen ein bis zu 55 Prozent geringeres Risiko für psychische Erkrankungen als bei denjenigen ohne solche Umgebung. Die Forscher sehen das als Beleg dafür, dass Städte grüner werden sollten.

Für die im US-Wissenschaftsjournal «PNAS» veröffentlichte Studie haben die Forscher mit Hilfe von Satellitenaufnahmen aus den Jahren 1985 bis 2013 die Landschaft rund um die Elternhäuser von fast einer Million Dänen untersucht. Diese Daten wurden mit dem Risiko abgeglichen, im weiteren Lebensverlauf eine von 16 verschiedenen psychischen Erkrankungen zu entwickeln.

«Mit unserem Datensatz zeigen wir, dass das Risiko der Entwicklung einer psychischen Störung schrittweise abnimmt, je länger man von der Geburt an bis zum Alter von zehn Jahren von Grünflächen umgeben ist», erklärte Studienleiterin Kristine Engemann. «Grünflächen sind in der Kindheit deshalb extrem wichtig.» Es sei nicht unbedingt schlecht, wenn man in einer Stadt aufwächst - solange Grünflächen um einen herum seien, erklärte Engemann.

Es gebe immer mehr Belege dafür, dass das natürliche Umfeld eine größere Rolle für die mentale Gesundheit spielt als bislang angenommen, so Engemann. Dieses Wissen ist den Forschern zufolge nicht zuletzt deshalb so wichtig, weil immer mehr Teile der Weltbevölkerung in Städten leben.

Die Ansicht, dass das Leben in der Stadt einen Risikofaktor darstellt, teilt man auch unter Forschern in Deutschland. «Leute in der Stadt reagieren anders auf sozialen Stress als diejenigen auf dem Land», sagt Andreas Meyer-Lindenberg vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg. «Wir wissen, dass es auch in Deutschland einen solchen Unterschied zwischen Stadt und Land gibt.»

Erst vor wenigen Jahren sei die Schwelle überschritten worden, dass weltweit mehr Menschen in Städten als auf dem Land lebten, sagt der Psychiater. «Die Urbanisierung als solche nimmt unheimlich zu. Das ist ein rapider Prozess.» Studien wie die der Dänen zeigten, dass Grünflächen auch Städter ein Stück weit vor psychischen Erkrankungen schützen könnten.

Zu viele Menschen, zu wenig Kontakt: Auf diese Formel kann man die Lage in der Stadt herunterbrechen. «Der gesundheitsrelevante soziale Stress entsteht aus meiner Sicht aus der Gleichzeitigkeit von sozialer Dichte im Sinne von Overcrowding und sozialer Isolation», sagt der Stressforscher Mazda Adli von der Fliedner Klinik Berlin und der Charité. Wenn man zum Beispiel in einer engen Sozialwohnung lebe, wo man die Fernseher der anderen durch die dünnen Wände höre, die Nachbarn aber nicht kenne, dann fühle man sich nicht zugehörig. «Wenn dazu dann auch ein sehr geringes Maß an «environmental mastery» kommt - also dem Gefühl, die Umgebung unter Kontrolle zu haben - wird die Mischung toxisch.»

Die Studie aus Aarhus schließe eine wichtige Informationslücke zur Auswirkung von Grün auf die Gesundheit, sagt Adli. Neben der Frage, was das Grün eigentlich mit dem Gehirn mache, bleibe aber auch offen, welches Maß an Grünflächen ausreiche: «Welches Grün ist grün genug? Reicht es, auf einen Park zu blicken oder in der Nähe zu wohnen oder muss man die Grünfläche auch aktiv begehen?», fragt Adli. Dies sei eine entscheidende Frage dabei, wie in Städten für wirksames Grün gesorgt werden könne.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
26. 02. 2019
09:57 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Beton Mazda Psychische Erkrankungen Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg Sozialbereich Stress
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Stress abbauen

27.02.2019

Stress immer wieder anders bekämpfen

Gegen Stress hilft nur Entspannung? Das stimmt nicht immer. Wichtig ist, dass sich Menschen mit hoher Alltagsbelastung einen Ausgleich suchen. Was sich dafür eignet, hängt immer von den Umständen ab. » mehr

Frauen im Gespräch

19.11.2019

In kleinen Schritten aus der Einsamkeit

Einsamkeit hat viele mögliche Gründe, vom Wohnortwechsel bis zum Tod des Partners. Unabhängig von der Ursache sollte Betroffene etwas dagegen unternehmen. Denn wer lange allein ist, wird oft krank. » mehr

Kopfschmerzen

08.11.2019

Immer mehr Kinder leiden an Kopfschmerzen

Schulstress, Mobbing, mangelnde Bewegung - die Ursachen für Kopfschmerzen bei Kindern und Jugendlichen sind vielfältig. Seit Jahren klagen immer mehr junge Menschen über Beschwerden, suchen aber nur selten Ärzte auf. Das... » mehr

Frau im Bett

10.10.2019

Wie schlechter Schlaf der Seele schadet

«Mist, schon Mitternacht - und ich bin immer noch wach.» Dann ist es eins, dann zwei, dann plötzlich Morgen. Wer das jede Nacht mitmacht, kann ernsthaft krank werden. Doch es gibt Gegenmittel. » mehr

Füße eines Babys

04.10.2019

Höheres Erkrankungsrisiko für Kaiserschnitt-Kinder

Frühgeborene Babys sind einem höheren Erkrankungsrisiko ausgesetzt. Das belegt eine neue Sudie. Große Wahrscheinlichkeitswerte ergeben sich vor allem für eine bekannte psychische Störung. » mehr

Mirriam Prieß

01.10.2019

Welche Faktoren oft zu Burnout führen

Total ausgebrannt - früher dachte man da nur an überarbeitete Top-Manager, heute trifft es viele unterschiedliche Gruppen. Was kann einen Burnout auslösen? Und wie lässt er sich vermeiden? » mehr

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
26. 02. 2019
09:57 Uhr



^