Lade Login-Box.
Corona Ticker
Topthemen: CoronavirusKommunalwahl 2020WohnzimmerkunstBlitzerwarnerHof-Galerie

 

Risiko für psychische Erkrankung steigt ohne grüne Umgebung

Wald, Wiesen und Parks statt Häuserfassaden und Beton: Wer als Kind viel Grün um sich herum hat, läuft später weniger stark Gefahr, eine psychische Erkrankung zu entwickeln. Das bestätigt eine Studie dänischer Forscher. Städte müssen grüner werden, betonen sie.



Kinder auf dem Land
Kinder, die viel im Grünen spielen, leiden später seltener unter einer psychischen Erkrankung. Das ergab eine Studie aus Dänemark.   Foto: Daniel Karmann

In einem grüneren Umfeld aufgewachsene Kinder entwickeln laut einer dänischen Studie im Laufe ihres Lebens seltener psychische Erkrankungen.

Wie Wissenschaftler der Universität Aarhus berichten, besteht bei umringt von Wäldern, Wiesen, Gärten oder Parks großgewordenen Menschen ein bis zu 55 Prozent geringeres Risiko für psychische Erkrankungen als bei denjenigen ohne solche Umgebung. Die Forscher sehen das als Beleg dafür, dass Städte grüner werden sollten.

Für die im US-Wissenschaftsjournal «PNAS» veröffentlichte Studie haben die Forscher mit Hilfe von Satellitenaufnahmen aus den Jahren 1985 bis 2013 die Landschaft rund um die Elternhäuser von fast einer Million Dänen untersucht. Diese Daten wurden mit dem Risiko abgeglichen, im weiteren Lebensverlauf eine von 16 verschiedenen psychischen Erkrankungen zu entwickeln.

«Mit unserem Datensatz zeigen wir, dass das Risiko der Entwicklung einer psychischen Störung schrittweise abnimmt, je länger man von der Geburt an bis zum Alter von zehn Jahren von Grünflächen umgeben ist», erklärte Studienleiterin Kristine Engemann. «Grünflächen sind in der Kindheit deshalb extrem wichtig.» Es sei nicht unbedingt schlecht, wenn man in einer Stadt aufwächst - solange Grünflächen um einen herum seien, erklärte Engemann.

Es gebe immer mehr Belege dafür, dass das natürliche Umfeld eine größere Rolle für die mentale Gesundheit spielt als bislang angenommen, so Engemann. Dieses Wissen ist den Forschern zufolge nicht zuletzt deshalb so wichtig, weil immer mehr Teile der Weltbevölkerung in Städten leben.

Die Ansicht, dass das Leben in der Stadt einen Risikofaktor darstellt, teilt man auch unter Forschern in Deutschland. «Leute in der Stadt reagieren anders auf sozialen Stress als diejenigen auf dem Land», sagt Andreas Meyer-Lindenberg vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg. «Wir wissen, dass es auch in Deutschland einen solchen Unterschied zwischen Stadt und Land gibt.»

Erst vor wenigen Jahren sei die Schwelle überschritten worden, dass weltweit mehr Menschen in Städten als auf dem Land lebten, sagt der Psychiater. «Die Urbanisierung als solche nimmt unheimlich zu. Das ist ein rapider Prozess.» Studien wie die der Dänen zeigten, dass Grünflächen auch Städter ein Stück weit vor psychischen Erkrankungen schützen könnten.

Zu viele Menschen, zu wenig Kontakt: Auf diese Formel kann man die Lage in der Stadt herunterbrechen. «Der gesundheitsrelevante soziale Stress entsteht aus meiner Sicht aus der Gleichzeitigkeit von sozialer Dichte im Sinne von Overcrowding und sozialer Isolation», sagt der Stressforscher Mazda Adli von der Fliedner Klinik Berlin und der Charité. Wenn man zum Beispiel in einer engen Sozialwohnung lebe, wo man die Fernseher der anderen durch die dünnen Wände höre, die Nachbarn aber nicht kenne, dann fühle man sich nicht zugehörig. «Wenn dazu dann auch ein sehr geringes Maß an «environmental mastery» kommt - also dem Gefühl, die Umgebung unter Kontrolle zu haben - wird die Mischung toxisch.»

Die Studie aus Aarhus schließe eine wichtige Informationslücke zur Auswirkung von Grün auf die Gesundheit, sagt Adli. Neben der Frage, was das Grün eigentlich mit dem Gehirn mache, bleibe aber auch offen, welches Maß an Grünflächen ausreiche: «Welches Grün ist grün genug? Reicht es, auf einen Park zu blicken oder in der Nähe zu wohnen oder muss man die Grünfläche auch aktiv begehen?», fragt Adli. Dies sei eine entscheidende Frage dabei, wie in Städten für wirksames Grün gesorgt werden könne.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
26. 02. 2019
09:57 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Beton Mazda Psychische Erkrankungen Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg Sozialbereich Stress
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Meditations-Apps

27.12.2019

Das bringen Meditations-Apps

In den App-Stores schießen Anwendungen für Meditation, Yoga und Stress-Abbau fast wie Pilze aus dem Boden. Sie versprechen mitunter viel. Doch was bringen diese Anwendungen wirklich? » mehr

Stark bleiben trotz Corona

vor 6 Stunden

Fünf Tipps zur Corona-Krise für die Psyche

Immer neue Schreckensnachrichten, immer dieselben vier Wände - und niemand zum Reden? Wer psychisch krank ist, muss in der Corona-Krise besonders auf sich achten. » mehr

Stress abbauen

27.02.2019

Stress immer wieder anders bekämpfen

Gegen Stress hilft nur Entspannung? Das stimmt nicht immer. Wichtig ist, dass sich Menschen mit hoher Alltagsbelastung einen Ausgleich suchen. Was sich dafür eignet, hängt immer von den Umständen ab. » mehr

BGH

18.02.2020

Schizophrener darf nicht zu Elektrotherapie gezwungen werden

Darf ein psychisch kranker Mann gegen seinen Willen mit einer Elektroschock-Therapie behandelt werden? Mit dieser Frage hat sich der Bundesgerichtshof beschäftigt. » mehr

Ein Mann spielt am Laptop

12.02.2020

Computerspielsucht kann jeden treffen

Wenn Computerspiele oder das Internet für einen Menschen wichtiger werden als sein restliches Leben, werden Fachleute hellhörig. Denn dann bestehe möglicherweise eine Abhängigkeit. » mehr

Hochsensible Menschen und Kinder

12.02.2020

Hochsensible Kinder brauchen Auszeiten

«Mein Kind ist hochsensibel.» Für manche klingt das nach Wunderkind, für andere nach Weichei. Doch die Wahrheit ist, wie so oft, komplizierter. » mehr

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
26. 02. 2019
09:57 Uhr



^