Lade Login-Box.
Topthemen: FirmenlaufBilder vom WochenendeHofer Volksfest 2019BlitzerwarnerGerch

 

Wie gefährlich ist Feinstaub wirklich?

Eine Studie nennt neue Zahlen zu Todesfällen durch Luftschadstoffe. Zuletzt standen solche Berechnungen in der Kritik. Was ist also dran an solchen Angaben?



Feinstaubalarm
Feinstaub-Belastung kann zum vorzeitigen Tod führen. Bei der Zahl solcher Todesfälle kommen Studien allerdings zu unterschiedlichen Ergebnissen.   Foto: Marijan Murat

Eine neue Studie könnte die Debatte um Luftschadstoffe im Straßenverkehr erneut anheizen. Feinstaub und Ozon in Deutschland verursachten pro Jahr etwa 43.000 vorzeitige Todesfälle, schreibt die Umweltforschungsorganisation International Council on Clean Transportation (ICCT).

13.000 davon seien auf den Verkehr zurückzuführen, teilte der ICCT mit. Das entspreche rund 17 vorzeitigen Todesfällen pro 100.000 Einwohner. Die Zahl liege etwa 50 Prozent über dem EU-Durchschnitt. Andere Studien kamen in der Vergangenheit allerdings zu deutlich höheren Zahlen.

Umweltschützer fordern schon lange schärfere EU-Grenzwerte für Feinstaub. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt 10 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft, in der EU gelten 25.

Weltweit sterben dem ICCT-Bericht zufolge jährlich rund 3,4 Millionen Menschen an Luftschadstoffen - und zwar durch Schlaganfall, Herz- und Lungenkrankheiten sowie Diabetes. Feinstaub und Ozon aus dem Verkehrsbereich seien im Jahr 2015 Ursache von 385.000 dieser Todesfälle gewesen. Feinstaub entsteht auch durch die Landwirtschaft, durch Kraftwerke, Fabriken und Heizungen. Bei Feinstaub aus dem Verkehr spielen neben dem Verbrennungsprozess in Motoren auch der Reifenabrieb oder aufgewirbelter Staub eine Rolle.

Der ICCT mit Sitz in Wilmington (USA) forscht zur Fahrzeugtechnik und ihren Auswirkungen auf die Umwelt. 2015 hatte er die Aufdeckung des Skandals um manipulierte Diesel bei Volkswagen ins Rollen gebracht. Für die aktuelle Studie hatte der ICCT zusammen mit Forschern der privaten George Washington Universität und der Universität von Colorado in Boulder Feinstaub der Größe PM 2,5 und Ozon betrachtet.

Die ICCT-Zahl der frühzeitigen Todesfälle durch Feinstaub und Ozon für Deutschland von 43.000 liegt deutlich unter Berechnungen des Mainzer Max-Planck-Instituts für Chemie: Demnach kommen jährlich sogar rund 120.000 Menschen pro Jahr allein wegen Feinstaub vorzeitig ums Leben. Dieser stamme zu 45 Prozent aus der Landwirtschaft. Die EU-Umweltbehörde EEA kommt für 2014 auf 66.000 vorzeitige Todesfälle durch Feinstaub, das Umweltbundesamt für 2015 auf 41.000. Als exakter als die Zahl der vorzeitigen Todesfälle gilt in der Forschung die Zahl der verlorenen Lebensjahre durch einen Risikofaktor. Dazu gab es unter anderem in der ICCT-Studie aber keine Zahlen für Deutschland. Doch was steckt hinter den Unterschieden bei den Todesfällen?

Solche Berechnungen wurden vor allem in der Debatte um Stickoxide und Fahrverbote in Städten zuletzt immer wieder kritisiert. Unter anderem hatte der Lungenfacharzt Dieter Köhler solche epidemiologischen Studien recht pauschal angegriffen. Zuletzt hatte der Mathematiker Peter Morfeld in der ARD-Sendung «Plusminus» die Berechnungsgrundlage des Umweltbundesamtes in einer ähnlichen Studie kritisiert. Das Umweltbundesamt (UBA) hatte die Kritik nach einer Prüfung zurückgewiesen - seine Ergebnisse zu Stickoxiden, die vom Helmholtz Zentrum München vorgelegt worden waren, besäßen nach wie vor ihre Gültigkeit.

Susanne Breitner vom Institut für Epidemiologie am Helmholtz Zentrum München hat eine Erklärung für die unterschiedlichen Werte: So werde etwa bei der Schadstoffbelastung auf unterschiedliche Modellierungen zurückgegriffen. «Auch die Risikoabschätzung kann unterschiedlich ausfallen, je nachdem auf welche epidemiologischen Studien man sich bezieht», sagt sie. «Das Vorgehen bei den Berechnungen ist immer das gleiche.»

Dabei wird etwa das Gebiet Deutschlands in so genannte Rasterzellen eingeteilt. In die Berechnung gehen dann die dort ermittelten Jahresmittelwerte für bestimmte Schadstoffe ein. Die einzelnen Gebiete werden in Belastungsklassen eingeteilt und die Zahl der dort lebenden Menschen hinzugezogen. Mit Hilfe epidemiologischer Studien wird dann das Gesundheitsrisiko in der jeweiligen Belastungsklasse geschätzt.

Ein zentraler Baustein ist laut Umweltbundesamt eine mathematische Formel zur Berechnung der sogenannten «Population Attributable Fraction» (PAF). Mit der Formel wird ein Wert ermittelt, der angibt, wie groß der Anteil von Todesfällen ist, der auf einen Risikofaktor zurückgeführt werden kann, heißt es beim Umweltbundesamt.

Letztlich handelt es sich dabei um eine statistische Abschätzung, stellt das Umweltbundesamt klar. «Die so ermittelten Zahlen sind als Indikatoren für den Gesundheitszustand der Gesamtbevölkerung zu sehen», heißt es auf der Webseite. Es handele sich dabei keinesfalls um klinisch identifizierbare Todesfälle, die auf einen bestimmten Luftschadstoff zurückgeführt werden können.

Die ICCT-Forscher stützen sich unter anderem auf einen großen Pool aus Daten von Satelliten und Messstationen weltweit und der Abschätzung der Gesundheitsfolgen des Projekts Global Burden Disease. Feinstaub und Ozon seien die wichtigsten Schadstoffe aus dem Verkehrsbereich, teilte der Geschäftführer des ICCT-Europa, Peter Mock, mit. «Stickoxid-Emissionen gehören auch mit dazu, deren direkte Gesundheitswirkung kann jedoch unserer Einschätzung nach mit den aktuellen Modellen noch nicht ausreichend gut quantifiziert werden.» Stickoxid sei jedoch eine Vorläufersubstanz von Feinstaub und Ozon und damit indirekt mit berücksichtigt.

Veröffentlicht am:
27. 02. 2019
17:54 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Dieter Köhler Feinstaub George Washington Max-Planck-Gesellschaft Risikofaktoren Schadstoffe Umweltbundesamt Volkswagen AG Weltgesundheitsorganisation Wirtschaftsbranche Verkehr
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Röntgenbild Lunge

29.09.2018

Klimawandel und Luftverschmutzung gefährden die Lunge

Rauchen ist der größte Risikofaktor für Erkrankungen der Atemwege. Feinstaub und Stickoxide führen allerdings dazu, dass Lungenkranken buchstäblich die Luft wegbleibt. Müssen Autos aus den Innenstädten verbannt werden? » mehr

Feinstaub

12.03.2019

Schmutzige Luft fordert mehr Todesopfer als Rauchen

Wie viele vorzeitige Todesfälle gehen auf Luftverschmutzung zurück? Mainzer Forscher legen dazu eine neue Analyse vor. Demnach kosten Luftschadstoffe Europäer im Mittel rund zwei Jahre Lebenszeit. » mehr

Silvester in Köln

28.12.2018

Ärzte warnen vor hohen Feinstaubwerten zu Silvester

Brennen in den Augen und Husten: Der 1. Januar ist an vielen Orten der Tag mit dem höchsten Feinstaubwert des ganzen Jahres. Ärzte schlagen Alarm und rufen zum Feuerwerksverzicht auf. » mehr

Alkoholkonsum

08.05.2019

Weltweit wird immer mehr Alkohol getrunken

Die Religion kann eine große Rolle spielen bei der Höhe des Alkoholkonsums. Forscher haben nun die Entwicklung des Trinkens weltweit untersucht. Ein Ergebnis: Weltweit sind über 40 Prozent der Menschen abstinent. Aber in... » mehr

Schadstoffe in Sommerlatschen

03.07.2019

Schadstoffe in Sommerlatschen erkennen

Bitte ziehen Sie Ihre Sommerschlappen aus und riechen Sie daran! Denn Flip-Flops und Badelatschen aus Kunststoff können gesundheitlich bedenkliche Schadstoffe enthalten. Zum Testen sollten Sie auf Ihre Nase setzen. » mehr

Windräder nahe Mallnow

10.10.2018

Lärm von Windenergieanlagen kann krank machen

Wie laut ist laut? Was kann der Mensch aushalten, ohne Schlafstörungen oder Herz-Kreislauf-Probleme zu bekommen? Die WHO empfiehlt erstmals Richtwerte für Windenergieanlagen und Freizeitlärm. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
27. 02. 2019
17:54 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".