Lade Login-Box.
Topthemen: FirmenlaufBilder vom WochenendeHofer Volksfest 2019BlitzerwarnerGerch

 

Die Süchte der Deutschen - von Alkohol bis Schlaftablette

Einmal im Jahr listet das Jahrbuch Sucht auf, wie abhängig die Deutschen sind - von Alkohol, Tabak, Medikamenten oder Glücksspielen. Trotz mancher Fortschritte hat sich am Gesamtbild für Suchtforscher wenig geändert.



Bier
Im Schnitt trinkt jeder Deutsche rund 101 Liter Bier pro Jahr.   Foto: Jens Büttner

Deutschland hat nach einer Analyse für das neue Jahrbuch Sucht ein Alkoholproblem. Nach den jüngsten Berechnungen für 2017 tranken die Bundesbürger pro Kopf rund 131 Liter Alkoholika, teilte die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen in Berlin mit.

Das entspreche rund einer Badewanne voller alkoholischer Getränke. Besonders beliebt waren Bier (rund 101 Liter pro Jahr) und Wein (20,9 Liter pro Jahr) und Spirituosen (5,4 Liter). Doch auch Tabak, illegale Drogen, Medikamente und Glücksspiel machen Suchtforschern weiter Sorgen. Eine Übersicht:

- Alkohol: Auch wenn der Konsum beim Vergleich zwischen 2016 und 2017 leicht um rund zwei Prozent sank, geben Suchtforscher keine Entwarnung. «Alkohol zu trinken gilt in Deutschland als total normal», sagte Christina Rummel, Vize-Geschäftsführerin der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen. Im europäischen Vergleich bleibe die Bundesrepublik damit ein Hochkonsumland. Das habe Folgen: 7,8 Millionen Bundesbürger zwischen 18 und 64 Jahren sind laut Rummel Risikotrinker. Rund 21.700 Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 20 Jahren kamen 2017 mit einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus. 2017 standen bei 231.300 Straftaten die mutmaßlichen Täter unter Alkoholeinfluss. Das waren fast 11 Prozent aller Tatverdächtigen. Suchtforscher fordern weniger Werbung für Alkohol, höhere Preise und einen Verkauf erst ab 18 Jahren.

- Tabak: Weiterhin raucht rund ein Drittel der Bundesbürger. Der Konsum von Zigaretten sei von 2017 auf 2018 lediglich um knapp zwei Prozent gesunken, heißt es im Jahrbuch. Dafür stieg der Verkauf von Zigarren und Zigarillos um 6,5 Prozent, beim Pfeifentabak und Feinschnitt waren es fast drei Prozent. Dabei gehe es sowohl um klassischen Pfeifentabak als auch um Tabak für Shisha-Pfeifen, erläuterte Rummel. Rauchen unterliege Moden. So könne der Anstieg bei Zigarren und Zigarillos ein «Hipster-Effekt» sein. Von den Mengen her sei das mit Zigaretten aber überhaupt nicht zu vergleichen. Fast 13,5 Prozent aller Todesfälle haben nach Angaben der Suchtforscher mit den Folgen des Rauchens zu tun.

- Medikamente: 1,2 bis 1,5 Millionen Menschen sind laut Jahrbuch abhängig von Tranquilizern und Schlafmitteln, darunter vor allem Ältere und Frauen. Viele Mittel könnten abhängig machen. Weitere 300.000 bis 400.000 Menschen gelten als abhängig von anderen Arzneimitteln.

- Illegale Drogen: Die am häufigsten konsumierte verbotene Droge bleibt bei Jugendlichen und Erwachsenen Cannabis. 2017 wurden rund 7731 Kilogramm Marihuana sichergestellt, das waren laut dem Jahrbuch fast 30 Prozent mehr als im Vorjahr. Auch härtere illegale Drogen wie Heroin hinterlassen ihr Spuren. Im Jahr 2018 wurden 1276 Rauschgifttote registriert - vier mehr als im Vorjahr.

- Glücksspiel: Es stand in diesem Jahr im Fokus von Suchtforschern. Auffällig sind für sie die steigenden Umsätze auf dem legalen deutschen Glücksspiel-Markt - trotz restriktiverer Gesetze. 2017 wurde laut Jahrbuch ein Umsatz von 46,3 Milliarden Euro erzielt. Das waren rund 10 Milliarden Euro mehr als 2012. Die größten Geldbringer waren dabei 2017 Spielautomaten mit einem Anteil von rund 58 Prozent am Gesamtmarkt. Rund 180.000 Menschen in Deutschland gelten als spielsüchtig, weitere 326.000 haben laut Jahrbuch ein Problem mit ihrem Spielverhalten. Casino- Rubbellos- und Pokerspiele im Internet seien in Deutschland noch verboten, sagte Ilona Füchtenschnieder, Vorsitzende des Fachverbands Glücksspielsucht. Geworben und gespielt werde trotzdem. Suchtforscher und Berater fordern Werbeverbote und mehr Glücksspielaufsicht. Denn deutlich mehr Menschen als früher suchten Hilfe bei Beratern.

- Anlaufstellen bei Suchtproblemen:

Sucht gibt es in vielen Varianten. Entsprechend groß ist die Zahl der Beratungsstellen für Betroffene oder ihre Angehörigen. Eine Datenbank passender Anlaufstellen vor Ort gibt es im Internet bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA).

Hilfe gibt es auch bei den jeweiligen Landesstellen für Suchtfragen, deren Kontaktdaten die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) auf ihrer Webseite gesammelt hat. Für einige Suchtarten gibt es zudem spezifische Angebote - zu Glücksspielsucht zum Beispiel auf Check-Dein-Spiel.de , zu Alkoholsucht unter Kenn-Dein-Limit.de . Beide Portale betreibt ebenfalls die BZgA.

Telefonische Hilfe zur Suchtvorbeugung bietet sie unter der Nummer 0221/89 20 31 an. Kostenlos erreichbar ist 0800/13 72 700, eine Telefonberatung zur Glücksspielsucht des Deutschen Lotto- und Totoblocks (DLTB) . Eltern können sich mit Suchtfragen unter 0800/111 05 50 an das kostenlose Elterntelefon der Nummer gegen Kummer wenden. Kostenpflichtig ist die Sucht & Drogen Hotline , ein Zusammenschluss der Drogennotrufe mehrerer großer Städte, erreichbar unter der 01805/31 30 31.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
17. 04. 2019
18:53 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Alkohol Alkoholprobleme Alkoholsucht Alkoholvergiftungen Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung Glücksspielsucht Medikamente und Arzneien Rauchen und Nikotinsucht Schlafmittel Sucht Suchtberatungsstellen
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Arzt

10.07.2019

Mit Herzrhythmusstörungen immer zum Arzt

Mediziner unterscheiden bei Rhythmusstörungen zwischen einem zu langsamen, einem zu schnellen und einem unregelmäßigen Herzschlag. Wer so etwas bei sich feststellt, sollte unbedingt einen Arzt aufsuchen. » mehr

Person trinkt Bier

08.05.2019

Mit neuen Ritualen den Alltagsstress bekämpfen

Für viele gehört das Feierabendbier einfach dazu. Doch die Routine birgt Gefahren, eine Alkoholsucht droht. Sollte man das Bier daher am besten ersatzlos streichen? Experten haben einen anderen Vorschlag. » mehr

Pornofilm

20.05.2019

Wenn die Sucht nach Pornos zur Krankheit wird

Schätzungen zufolge lebt eine halbe Million Sex- und Pornosüchtiger in Deutschland. Ein Betroffener erzählt, dass die Folgen teils gravierend sind - auch für die Partner. Bald allerdings könnte zumindest die Diagnose lei... » mehr

Schlaf

21.06.2019

Das Geschäft mit dem Schlaf

Tablette, Technikgadget oder Spezialmatratze - bei Schlafstörungen haben Betroffene die Qual der Wahl. Denn mit dem Versprechen einer erholsamen Nacht wollen viele Anbieter Geld verdienen. Doch nicht alle Hilfsmittel sin... » mehr

Antibiotika

22.05.2019

Alles über Antibiotika

Antibiotika töten Bakterien und heilen so den Menschen. Allerdings helfen sie nicht bei jeder Krankheit - und auch nur dann, wenn der Patient die dazugehörigen Regeln genau einhält. Eine davon: Bloß keine Milch zur Pille... » mehr

Jugendlicher greift zum Schnapsglas

08.05.2019

Regelmäßiger Alkoholkonsum bei Jugendlichen auf Tiefstand

Wie gehen heutige Jugendliche mit Alkohol um? Eine neue Studie zeigt, dass immer weniger regelmäßig zu alkoholischen Getränken greifen. Doch beim Rauschtrinken sieht die Entwicklung anders aus. » mehr

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
17. 04. 2019
18:53 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".