Lade Login-Box.
Topthemen: CoronavirusKommunalwahl 2020Bilder vom WochenendeHof-GalerieBlitzerwarner

 

Apotheken warnen vor Lieferengpässen

Ob Ibuprofen oder Blutdrucksenker - bei vielen Massenmedikamenten sind die Regale in Apotheken immer öfter leer. Ein Grund ist der globale Markt. Die Apotheker fordern Maßnahmen.



Apotheke Die Apotheken in Deutschland beklagen zu viele Lieferengpässe bei Medikamenten.
  Foto: Uli Deck

Lieferengpässe bei gängigen Arzneimitteln wie Ibuprofen oder Blutdrucksenkern werden für Apotheken und Patienten zu einem immer größeren Problem.

«Wichtige Schmerzmittel, Blutdrucksenker, Magensäureblocker oder Antidepressiva sind oft nicht verfügbar», sagte der Vizepräsident der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA), Mathias Arnold. Lieferengpässe kämen «leider immer häufiger vor» und seien «ein großes Ärgernis» nicht nur für Apotheken. Es werde immer schwieriger, Ersatzmedikamente für Patienten zu finden. Versorgungsengpässe habe es aber bisher nicht gegeben.

Die Zahl der nicht verfügbaren Medikamente hat sich den Verbandsangaben zufolge im vergangenen Jahr auf gut neun Millionen Packungen fast verdoppelt. In den Jahren 2016 und 2017 waren demnach je rund fünf Millionen Packungen nicht lieferbar gewesen. Allein hochdosiertes rezeptpflichtiges Ibuprofen war nach einer Statistik 2018 mehr als 1,6 Millionen Mal nicht verfügbar. Lieferengpässe gab es nach Worten Arnolds auch nach dem Rückruf des massenhaft verschriebenen Blutdrucksenkers Valsartan. Allerdings seien für beide Präparate relativ gut Ersatzprodukte zu finden.

Ein Grund für die Lieferengpässe ist Arnold zufolge der globalisierte Markt. Viele Wirkstoffe würden inzwischen in Fernost hergestellt und dort zu Arzneimitteln verarbeitet. Außerdem gebe es nur einen kleinen Pool von Wirkstoffherstellern. «Daran bedient sich die ganze Welt.» Technische Störungen bei der Produktion hätten dann globale Auswirkungen. Auch werde der Markt durch die steigende Nachfrage auch in Entwicklungsländern größer - die Produktion komme nicht immer nach. Arzneimittel sind Arnold zufolge in Deutschland zudem oft billiger als in den Nachbarländern. Die Folge: Sie würden in Deutschland aufgekauft und in andere Länder geliefert, wo mehr Geld mit ihnen zu erzielen sei.

In vielen Apotheken müssten Mitarbeiter inzwischen zehn Prozent der Arbeitszeit oder mehr dafür aufwenden, Lieferengpässe zu bekämpfen, sagte Arnold. Solche Engpässe sind auch ein Thema des Deutschen Apothekertags in Düsseldorf, der am Mittwoch beginnt. Apotheker verweisen zudem auf eine knappe Lagerhaltung der Industrie, teils würden Präparate auch erst auf Bestellung hergestellt. Ein Antrag für den Apothekertag schlägt vor, dass Herstellern für bestimmte unverzichtbare Arzneimittel vorgeschrieben wird, eine Zwei-Monats-Menge vorrätig zu halten.

«Wenn ein bestimmtes Präparat nicht verfügbar ist, muss der Apotheker ein wirkstoffgleiches Medikament beschaffen oder mit dem Arzt wegen eines neuen Rezeptes für einen anderen Wirkstoff in Kontakt treten», sagte ABDA-Vize Arnold. Schließlich solle und dürfe kein Patient unversorgt bleiben. Es sei aber auch nicht so einfach, einen Patienten auf ein anderes Präparat umzustellen. «Jede Umstellung ist für einen Patienten ein Problem und gefährdet im Zweifel die Therapie», sagte Arnold in Düsseldorf.

Die momentane Situation sei unhaltbar. Nötig seien mehr Transparenz der Hersteller, Rabattverträge der Krankenkassen nicht nur für ein bestimmtes Medikament und Anreize für die Produktion wichtiger Wirkstoffe in Europa. Arzneimittel für den deutschen Markt müssten auch in Deutschland bleiben.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
24. 09. 2019
16:19 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Apotheken Apotheker Behandlungen Bluthochdruckmedikamente Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände Medikamente und Arzneien Probleme und Krisen Produktionsunternehmen und Zulieferer Schmerzmittel Valsartan Versorgungsengpässe
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Knappe Pillen

18.11.2019

Lieferengpässe bei Medikamenten nehmen zu

Ibuprofen, Schilddrüsenmittel oder Blutdrucksenker - bei manchen Arzneien bleiben immer wieder die Regale in Apotheken leer. Ein Grund sind komplexe Lieferketten auf dem Weltmarkt. Apotheker warnen vor Nachteilen für Pat... » mehr

Lieferengpässe bei Arzneimitteln

13.02.2020

Gesetz soll Lieferengpässe bei Arzneimitteln verhindern

Apotheker berichten immer wieder von Lieferengpässen bei wichtigen Medikamenten, wie Schmerzmitteln oder Schilddrüsenarzneien. Der Bundestag hat nun Gegenmaßnahmen beschlossen. » mehr

Arzneimittelschrank in einer Apotheke

01.11.2019

Werden Medikamente knapp?

Vom Antidepressivum bis zum Antibiotikum: Viele Medikamente, die es bisher ganz selbstverständlich in der Apotheke gab, sind gerade nicht lieferbar. Zum Glück gibt es meistens Alternativen. » mehr

Ursula Sellerberg

25.09.2019

Was bei Schmerzmitteln zu beachten ist

Bei Kopfweh greifen viele schnell zu einem Schmerzmittel - ohne genau zu wissen, was sie da eigentlich schlucken. Welcher Wirkstoff ist aber der richtige? Und gibt es einen Gewöhnungseffekt? » mehr

Cannabis

18.11.2019

Krankenkasse zahlt im Notfall für Cannabis-Behandlung

Cannabis ist nicht nur Rauschgift - sondern auch Arzneimittel. Allerdings gibt es Regeln, wann Ärzte es verschreiben dürfen und Krankenkassen es bezahlen müssen. » mehr

Zu Hause Blutdruck messen

28.01.2020

Blutdruck-Werte aus der Arztpraxis oft zu hoch

Wenn man angespannt ist, steigt der Blutdruck. Das ist ganz normal, bei der Blutdruck-Messung beim Arzt aber schlecht. Denn das Ergebnis ist falsch - und damit oft die Dosis der Medikamente. » mehr

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
24. 09. 2019
16:19 Uhr



^