Lade Login-Box.
Topthemen: Video: Hof im Radwege-CheckHof-GalerieStromtrasse durch die RegionGerch

 

Menstruationstassen - eine Tampon-Alternative?

In Online-Foren werden sie als Mittel gegen den Watteberg aus Tampons angepriesen. Das Interesse an Menstruationstassen als Alternative zu Binden und Co. wächst. Aber wie funktionieren die eigentlich? Sind sie hygienisch und wirklich sicher?



Menstruationsbecher sparen Müll
Menstruationstassen sammeln das Blut und werden anschließend ausgeleert. Im Vergleich zu Tampons oder Binden sparen sie einiges an Müll. Aber nicht jeder kommt mit den Bechern zurecht.   Foto: Daniel Karmann/dpa/dpa-tmn

Zugegeben, die Vorstellung behagt nicht jeder Frau: Das eigene Menstruationsblut in einer kleinen Tasse zu sammeln und diese dann auszuleeren ist eine eigenartige Vorstellung. Trotzdem haben Menstruationstassen den Weg in die Regale der Drogeriemärkte gefunden.

In Zeiten ökologisch bewusster Lebensführung fragen sich immer mehr Frauen, ob Tampons und Binden nicht viel zu viel Müll produzieren. Sabrina Haupt beschäftigt sich auf ihrem Blog mit Nachhaltigkeitsthemen, von der Plastiktüte beim Einkauf bis zum Ei vom Miethuhn. Menstruationstassen entdeckte sie vor drei Jahren auf einer Messe. «Ich musste mich auch erst überwinden», sagt Haupt. «Man ist direkt in Kontakt mit dem Menstruationsblut - da muss man schon ein sehr gutes Verhältnis zum eigenen Körper haben.»

Die glockenförmigen Tassen - meist aus weichem medizinischem Silikon - werden zusammengefaltet und wie Tampons längs in die Scheide geschoben. Sie entfalten sich dann von allein. «Die Muskeln in der Vagina umschließen die Kappe rundherum», erklärt Petra Bentz vom Feministischen Frauengesundheitszentrum in Berlin. Die Flüssigkeit sammelt sich im Becher, je nach Modell fassen die Cups 15 bis 40 Milliliter Menstruationsblut.

Sie sollten einige Male am Tag, spätestens aber nach zwölf Stunden, geleert werden. Dazu greift man ans Ende der Tasse, an der sich meist ein Stiel befindet, und zieht sie vorsichtig heraus. Um das Vakuum zu lösen, kann es helfen, den Becher herauszupressen, ihn hin und her zu bewegen oder leicht zusammenzudrücken.

Der Inhalt wird anschließend in die Toilette geschüttet. Danach lässt sich der Becher mit Wasser ausspülen oder unterwegs mit speziellen Reinigungstüchern auswischen. Expertinnen empfehlen, die Tasse regelmäßig nach der Periode zum Sterilisieren in einem Topf mit Wasser auszukochen. Manche Hersteller bieten auch spezielles Reinigungszubehör an.

Bloggerin Haupt stieg auf die Tassen um, weil sie umweltfreundlicher sind. Menstruationstassen sind allerdings nicht die einzige Alternative, wenn man weniger Müll produzieren will, erklärt die Gynäkologin Doris Scharrel vom Berufsverband der Frauenärzte. Es gibt auch wiederverwendbare Naturschwämme und waschbare Einlagen als Ersatz für Tampons und Binden.

Für Scharrel haben die Tassen bei einer erwachsenen, gesunden Frau weder Vor- noch Nachteile. Die Gynäkologin Gabrielle Stöcker von der Pro Familia Beratungsstelle Köln-Zentrum sieht dagegen einen Vorteil: Die Tassen sammeln die Flüssigkeit, saugen sie aber nicht auf. Das sei für eine gesunde Scheidenflora besser. Gerade für Frauen mit trockenen Scheiden könnten die Becher besser geeignet sein.

Bei vaginalen Infektionen mit Jucken, Brennen und vermehrtem, riechendem Ausfluss sollten sie Scharrel zufolge jedoch nicht angewendet werden. Auch bei anatomischen Besonderheiten wie einer noch engen Scheide bei jungen Mädchen, beim Wochenfluss nach einer Geburt oder einer Senkung der Gebärmutter kommen sie besser nicht zum Einsatz. Im Zweifelsfall können Frauen ihren Gynäkologen fragen, ob die Tassen für sie geeignet sind.

Bloggerin Haupt ist nach einem Jahr mit Tasse zufrieden. Inzwischen treibt die 30-Jährige mit ihr Sport und geht sogar schwimmen. «Es dauert, bis man sich daran gewöhnt, aber ich spüre sie schon gar nicht mehr.» Auch Stöcker rät Umsteigerinnen zur Geduld. Sie sollten sich Zeit nehmen und beraten lassen, um das von Größe, Form und Material passende Modell zu finden.

Veröffentlicht am:
28. 06. 2017
05:05 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Blogger Gynäkologinnen und Gynäkologen Hygiene Tassen
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Strahlentherapie gegen Krebs

04.02.2019

Tumortherapien haben viele Langzeitfolgen

Krebstherapien bringen seit Jahren Behandlungserfolge. Doch nach einer überstandenen Erkrankung werden viele Menschen von Spätfolgen geplagt. Kinder trifft es besonders häufig. » mehr

Endlich schwanger

01.08.2018

Was Paare mit unerfülltem Kinderwunsch beachten sollten

Ein Baby ist für viele die Krönung ihrer Beziehung. Doch nicht immer geht der Kinderwunsch in Erfüllung. Klappt es nicht spontan, können sich Paare helfen lassen - nicht nur medizinisch, sondern auch psychologisch. Denn ... » mehr

Schnarchproblem durch Polypen

30.05.2018

Wann Polypen entfernt werden müssen

Polypen in der Nase können der Atmung im Weg sein. Gefährlich sind sie aber in der Regel nicht. In anderen Regionen des Körpers sieht das anders aus. Im Darm etwa sollten Polypen so früh wie möglich erkannt und entfernt ... » mehr

Schwangere Frau

04.04.2018

Wege und Methoden für die Entspannung in der Schwangerschaft

Werdende Mütter werden in Deutschland durch ein Netz von Frauenärzten und Hebammen betreut. Zum Wohl von Mutter und Kind wird vieles untersucht und abgeklärt. An manchen Stellen müssen die Frauen entscheiden, ob eine Unt... » mehr

Kondom

04.09.2017

Chlamydien-Infektion kann unfruchtbar machen

Symptome spüren die meisten nicht, harmlos ist eine Infektion mit Chlamydien dadurch aber nicht. Bei Frauen kann sie zur Unfruchtbarkeit führen. Früh erkannt, ist die Infektion aber gut behandelbar. » mehr

Wulf Schneider

19.05.2017

Professur für Krankenhaushygiene klärt auf

Angst vor multiresistenten Keimen im Krankenhaus? Viele Patienten fürchten, sich eine schwerwiegende Infektion während eines Klinikaufenthalts einzufangen. Bayern hat deshalb erstmals eine Professur für Krankenhaushygien... » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
28. 06. 2017
05:05 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".