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«Stiefmütterchen» des Körpers: Füße brauchen Aufmerksamkeit

Der eine bekommt kalte Füße, der andere keinen Fuß in die Tür. Jemand steht auf eigenen Füßen oder ist mit dem linken Fuß zuerst aufgestanden. Füße spielen eine tragende Rolle im Leben, trotzdem schenkt der Mensch ihnen kaum Beachtung. Zu Unrecht.



Füße pflegen
Bitte auch pflegen: Während der Körper häufig gewaschen und eingecremt wird, schenken die meisten ihren Füßen weniger Beachtung. Auch sie sollten aber mit Seife gewaschen und vor allem ordentlich abgetrocknet werden.   Foto: Christin Klose/dpa-tmn » zu den Bildern

Hartmut Stinus ist sein ganzes Leben «mit dem Fuß verheiratet». Schon sein Vater vertrat das Motto: «Wer gut geht, dem geht?s gut.» Er arbeitete als Orthopädieschuhmacher, ein Beruf, den auch Stinus erlernte, bevor er Medizin studierte und Orthopäde wurde.

In seine Praxis in Northeim kommen viele Patienten mit Fußproblemen, denen man vorbeugen oder die man zumindest gut behandeln kann. Und das sind nicht etwa nur alte Leute, sondern auch junge Menschen. Die Grundlage wird oft schon in der Kindheit gelegt.

«Früher sind die Kinder viel barfuß gelaufen, heute werden sie schnell in Schuhe gezwängt.» Der Fuß ist eingesperrt wie im Gefängnis und die Muskulatur verlernt zu arbeiten, beklagt Stinus. Die Lösung ist einfach: mehr Bewegung. Kinder sollten auf weichen Böden barfuß laufen, denn durch das Erspüren mit den Füßen wird das sensomotorische System «gefüttert».

«Den Füßen Reize geben», fordert auch Jens Wippert, Physiotherapeut mit eigener Praxis in München. «Je weniger Material zwischen dem Fuß und der Unterlage, desto besser.» Bei jüngeren Leuten sieht Wippert folgendes Problem: Die Füße werden im Alltag wenig benutzt, dann aber - etwa bei einer Bergtour - über das Maß hinaus gefordert.

Auch wenn Frauen von Fußproblemen mehr betroffen sind als Männer, will der Physiotherapeut Pumps und High Heels dagegen nicht verteufeln. Die Schuhe seien nicht das Grundübel, sie könnten ein vorhandenes Problem lediglich verstärken.

Wenn die Füße schmerzen, gehen Betroffene am besten gleich zum Facharzt, rät Orthopäde Stinus. Dieser kann zum Beispiel orthopädische Einlagen verschreiben, die die Kasse - meist mit Zuzahlung - übernimmt.

Jens Wippert bietet in seiner Praxis Spiraldynamik an, «ein dreidimensionales Bewegungs- und Therapiekonzept». Es wurde vor einem Vierteljahrhundert in der Schweiz erfunden und sei vergleichbar mit einer Gebrauchsanweisung für den Körper. Der Physiotherapeut gleicht die Bewegungen des Patienten mit der Idee der «richtigen» Bewegung ab.

Stinus zufolge ist das Konzept gar nicht so neu, «aber in neuen Kleidern, modisch geschnitten und gut gemacht.» Ähnliche Übungen hatte schon Pfarrer Kneipp in seinem Repertoire, sagt der Orthopäde. Er freut sich aber über das Comeback. Spiraldynamik macht den Patienten nämlich deutlich, was sie mit ihrer Fußmuskulatur anstellen können.

Wer seine Füße fit halten will, braucht dafür aber nicht zwingend einen Therapeuten. Auf der Website www.my-medibook.de , einer Plattform für Fußchirurgen, gibt es einen kostenfreien Patiententeil mit Basis-Fußübungen.

Für Prävention plädiert auch der Dermatologe Gerhard Büttner aus Neumünster. Er versorgt in seiner Praxis schmerzende Druckstellen, meist Folgen von Fußfehlstellungen. Auch Hauterkrankungen wie Fuß- und Nagelpilze sowie Warzen sieht der Hautarzt häufig.

Der nicht sichtbare Fußbereich sei oft das «Stiefmütterchen» des Fußes. Dabei brauchen gerade diese Partien Pflege. Sein Rat: «regelmäßig waschen, auch Seifen benutzen.» Beim Waschen und Abtrocknen die Zehenzwischenräume nicht vergessen, denn dort siedeln sich bei Feuchtigkeit schnell Pilze an

Worin sich alle Experten einig sind: «Barfußlaufen ist extrem gesund.» In Schwimmbädern, Saunen und Sportumkleiden heißt es aber: Latschen tragen. Denn hat man sich Warze oder Pilz erst einmal eingefangen, wird man sie nur mit sehr viel Mühe wieder los.

Veröffentlicht am:
11. 10. 2017
05:00 Uhr

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dpa

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11. 10. 2017
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