Lade Login-Box.
Topthemen: Bilder vom WochenendeHofer Volksfest 2019BlitzerwarnerGerch

 

Wie HIV heute behandelt wird

Dank der Kombinationstherapie sind HIV-Patienten heute in ihrem Leben kaum mehr eingeschränkt. Zu kämpfen haben viele aber immer noch mit dem Stigma, das der Krankheit anhaftet. In Selbsthilfegruppen können sie offen darüber reden.



Rote HIV-Schleife
Die Behandlung von HIV-Patienten ist heute viel weniger aufwendig als früher. Doch in der Gesellschaft ist das Leben mit HIV noch immer ein Tabuthemen.   Foto: Oliver Berg/dpa/dpa-tmn

Um 8.00 Uhr die rote Pille mit etwas Fett einnehmen, zwei Stunden lang nichts essen, um 10.30 Uhr die blaue Tablette schlucken, bald darauf die nächste. So sah das Leben von Patienten mit HIV lange Zeit aus.

«Vor 20 Jahren war die medikamentöse Therapie von HIV noch eine hochkomplexe Angelegenheit», sagt Holger Wicht von der Deutschen AIDS-Hilfe in Berlin. Vieles hat sich seitdem geändert - aber manches ist noch immer so wie damals.

3419 HIV-Neudiagnosen wurden dem Robert Koch-Institut für das Jahr 2016 gemeldet. Insgesamt lebten Ende 2016 in Deutschland einer Schätzung zufolge etwa 88 400 Menschen mit dem Virus. Früher mussten sie täglich zahlreiche Tabletten einnehmen, detaillierte Zeitpläne einhalten und Ernährungsvorschriften befolgen. Die Nebenwirkungen waren erheblich und unangenehm.

Seit 1996 die Kombinationstherapie vorgestellt wurde, hat sich der Alltag von HIV-Patienten radikal gewandelt. «Heute nehmen die meisten eine oder zwei Tabletten am Tag», so Wicht. Dadurch, dass HIV sehr stark mutiert, wird das Virus gegen eine einzige Behandlung schnell unempfindlich. HIV wird daher in der Regel mit einer Kombination aus drei Wirkstoffen behandelt, die oft in nur einer Pille stecken.

«Human Immunodeficiency Virus» bedeutet die Abkürzung HIV: menschliches Abwehrschwäche-Virus. Unbehandelt schädigt HIV das Immunsystem so sehr, dass es Krankheitserreger nicht mehr abwehren kann. In diesem Fall spricht man von Aids - «Acquired Immune Deficiency Syndrom», erworbenes Abwehrschwäche-Syndrom.

Aber: «Bei guter Therapietreue des Patienten ist das Virus lebenslang fast inaktiv», sagt die Infektiologin Susanne Usadel aus Freiburg. Voraussetzung dafür ist, dass das Virus früh entdeckt wird und der Patient regelmäßig zum Arzt geht und seine Medikamente einnimmt. Dann ist die Gefahr, an Aids zu erkranken, heute nicht mehr groß.

Entsprechend haben die Betroffenen häufig ganz ähnliche Träume und Wünsche wie gesunde Menschen. Usadel arbeitet beispielsweise mit Patientinnen in gebärfähigem Alter zusammen und weiß: «Eine Frau mit HIV und Kinderwunsch muss nichts anders machen als andere Frauen auch.»

Grundlage sei, dass die Medikamente das Virus seit mindestens sechs Monaten unter der Nachweisgrenze halten. Dann kann die Patientin ohne Kondom Geschlechtsverkehr mit ihrem Partner haben, und das Risiko einer Virusübertragung auf das ungeborene Kind ist verschwindend gering.

«Schön wäre es nun, wenn sie auch noch darüber reden könnten», so Usadel. Doch trotz aller medizinischen Fortschritte: Die Diskriminierung von HIV-infizierten Menschen sei immer noch gewaltig, gerade bei Frauen.

Um das Thema zu enttabuisieren, ist ein offener Umgang damit jedoch umso wichtiger. In Selbsthilfegruppen können Betroffene sich austauschen, sich gegenseitig Mut machen und dabei unterstützen, den Schritt in die Öffentlichkeit zu wagen. Zudem hilft der Austausch, mit der Infektion besser zurechtzukommen.

Ein offenerer Umgang mit HIV käme auch einer schnelleren Diagnose zugute: Immer noch erkranken Menschen in Deutschland an Aids, weil sie nichts von ihrer HIV-Infektion wissen, berichtet Wicht. Wer auch nur den geringsten Verdacht hat, dass er sich angesteckt haben könnte, sollte sich testen lassen. «Je früher man mit der Therapie beginnt, desto mehr gesundheitliche Vorteile hat das.»

Veröffentlicht am:
29. 11. 2017
05:05 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
AIDS Aids-Hilfe Kombinationstherapie Krankheitserreger Medikamente und Arzneien Patienten Pillen Robert-Koch-Institut Selbsthilfegruppen Tabletten
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Beratungsgespräch

03.07.2019

Viele Tipps rund um den Beipackzettel

«Selten: Herzinfarkt». Bei Kopfschmerztabletten? Soll ich die dann überhaupt nehmen? Beipackzettel sollen dem Patienten helfen - und verunsichern oder überfordern doch oft eher. Experten raten daher: Im Zweifel lieber na... » mehr

Tabletten in einer Pillendose

18.03.2019

Multimedikation kann gefährlich sein

Gerade ältere Menschen leiden oft unter mehreren Krankheiten gleichzeitig. Verschreiben verschiedene Fachärzte unabhängig voneinander Medikamente, kann das gefährlich werden. » mehr

Jens Spahn

11.07.2019

Helfen Apps, die Gesundheitsversorgung zu verbessern?

Gesundheitsminister Jens Spahn will die Digitalisierung des Gesundheitswesens vorantreiben. Welche Apps könnten heute schon hilfreich sein und welche sind eher kritisch zu betrachten? » mehr

Franziska Borkel

01.12.2018

Familienglück mit HIV - was Therapien möglich machen

Sex ohne Kondom und gesunde Kinder trotz HIV? Was lange undenkbar schien, ist heute kein Problem. Wirksame Therapien erlauben ein ganz normales Leben. Doch wer weiß das? » mehr

Schlaf

21.06.2019

Das Geschäft mit dem Schlaf

Tablette, Technikgadget oder Spezialmatratze - bei Schlafstörungen haben Betroffene die Qual der Wahl. Denn mit dem Versprechen einer erholsamen Nacht wollen viele Anbieter Geld verdienen. Doch nicht alle Hilfsmittel sin... » mehr

Heimtest auf Geschlechtskrankheiten

04.09.2018

Heimtest auf Geschlechtskrankheiten aus dem Netz

Syphilis oder Tripper - solche Krankheiten sind schambesetzt. Wer den Arztbesuch scheut, findet im Internet allerlei Tests für die eigenen vier Wände. Was steckt dahinter? » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
29. 11. 2017
05:05 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".