Lade Login-Box.
Topthemen: Bilder vom WochenendeHofer Volksfest 2019BlitzerwarnerGerch

 

Chlorgeruch im Schwimmbad ist kein Zeichen von Sauberkeit

Es ist Sommer und mit Freude stürzen wir uns in die kühlen Fluten im Freibad. Der typische Schwimmbadgeruch stört dabei die Wenigsten - obwohl nicht Chlor dafür sorgt, sondern eine menschliche Hinterlassenschaft. Ein Faktencheck.



Erfrischung
Auch im Hochsommer gilt vor dem Eintauchen: Abduschen!   Foto: Bernd Thissen

Vor dem Baden bitte duschen» steht in deutschen Schwimmbädern . Aber wie viele Badegäste halten sich daran? Beileibe nicht alle, wie jeder weiß, der ab und zu in ein Hallen- oder Freibad, ein Wellness- oder Spaßbad geht. Die Folgen bedenkt kaum ein Dusch-Verweigerer.

BEHAUPTUNG: Wenn es im Bad besonders stark nach Chlor riecht, ist es dort besonders sauber, denn die Chemikalie tötet Keime ab.

BEWERTUNG: Stimmt nicht.

FAKTEN: Chlor dient tatsächlich dazu, Krankheitserreger sicher und schnell abzutöten. Das Infektionsschutzgesetz verpflichtet die Betreiber von öffentlichen Bädern, dafür zu sorgen, dass Gäste nicht krank werden. Wie viel Chlor ins Wasser darf oder muss, regeln eine Empfehlung des Umweltbundesamtes und eine DIN-Norm.

Die Dosis hängt von vielen Faktoren ab, wie ein Fachmann der Frankfurter Bäder-Betriebe erklärt. Wie ist die Wasserqualität? Wie viele Schwimmer sind im Wasser? Wie leistungsfähig ist die Aufbereitungsanlage? Scheint die Sonne? Denn Chlor baut sich unter UV-Strahlung leichter ab.

Die Deutsche Gesellschaft für das Badewesen betont, dass es heute viel weniger nach Chlor riecht als früher. Dank «ausgetüftelter Wasseraufbereitungstechnik» könne man Chlor besser dosieren , sagt Verbandssprecherin Konstanze Ziemke-Jerrentrup: «So viel wie nötig, so wenig wie möglich.»

Mit dem Geruch hat das aber nichts zu tun. Freies Chlor riecht laut Umweltbundesamt kaum. Der typische Geruch entsteht erst, wenn Chlor sich mit einem anderen - ebenfalls geruchlosen - Stoff verbindet: Harnstoff. Erst aus Chlor plus Harnstoff wird eine Chlorverbindung mit dem beißenden Geruch.

Alexander Kämpfe, Fachgebietsleiter für Schwimm- und Badebeckenwasser beim Umweltbundesamt, bringt es auf den Punkt: «Wenn es stark nach Chlor riecht, heißt das, dass viel Harnstoff ins Wasser eingetragen wurde.» Er rechnet vor: «Wenn circa 40 Leute nicht duschen, ist das so, wie wenn einer ins Becken pinkelt.»

Ein Teil des Harnstoffs im Wasser stammt tatsächlich aus Urin, etwa von Pipi machenden Kleinkindern. Eine nicht zu vernachlässigende Menge kommt aber nicht aus der Blase, sondern von der Körperoberfläche: Harnstoff ist ein natürlicher Bestandteil gesunder Haut. Wenn Badegäste vorher nicht duschen , gelangt der Harnstoff ins Becken.

Veröffentlicht am:
24. 06. 2019
12:07 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Chemikalien Chlor Freibäder Infektionsschutzgesetz Krankheitserreger Schwimmbäder Schwimmbäder und Erlebnisbäder Säuglinge und Kleinkinder Umweltbundesamt Wasser Öffentlichkeit
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Händewaschen

05.06.2019

Mit Handtuch und Seife gegen die Keime

Die Tastatur am Geldautomaten, der Haltegriff in der Bahn, und noch viel schlimmer: andere Menschen! Keimschleudern lauern in unserem Alltag hinter jeder Ecke - regelmäßiges Händewaschen ist daher unumgänglich. Doch kaum... » mehr

Antibiotika

22.05.2019

Alles über Antibiotika

Antibiotika töten Bakterien und heilen so den Menschen. Allerdings helfen sie nicht bei jeder Krankheit - und auch nur dann, wenn der Patient die dazugehörigen Regeln genau einhält. Eine davon: Bloß keine Milch zur Pille... » mehr

Schlafpause

20.03.2019

Was stärkt die körpereigenen Abwehrkräfte?

Schon wieder Husten, Schnupfen und Heiserkeit? Dann ist möglicherweise das Immunsystem geschwächt. Doch was ist das eigentlich genau? Und wie lässt es sich stärken? » mehr

Milch im Glas

01.06.2019

Kann Milch Krebs verursachen?

Als Joghurt, Käse oder pur: Kuhmilch kommt bei vielen Menschen täglich auf den Tisch. Jetzt warnen manche Forscher: Milch ist krebserregend. Andere halten das für Quark. Ein Faktencheck. » mehr

Aschenbecher

31.05.2019

Kalter Rauch gefährdet besonders Kleinkinder

Sie sind unsichtbar, aber dennoch nicht ohne Wirkung - Rückstände von Tabakrauch. Auch in ihnen stecken Schadstoffe. Für die Wissenschaft ist der kalte Rauch aber noch Neuland. » mehr

Muttermilch bei einer Frauenmilchbank

19.05.2019

Frauenmilchbanken helfen Frauen mit Stillproblemen

Blutspenden kennt jeder, aber Milch? Frisch gebackene Mütter können überschüssige Milch spenden. Besonders Frühchen profitieren davon. Die Idee von Milchbanken ist schon 100 Jahre alt. Nun erleben die Einrichtungen ein C... » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
24. 06. 2019
12:07 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".