Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: 54. Hofer Filmtage75 Jahre FrankenpostCoronavirusJubiläumsgewinnspielBlitzerwarner

 

Herz, Gehirn und Chromosomen: Der Blick auf das Ungeborene

Für werdende Mütter gibt es zahlreiche Vorsorgeuntersuchungen. Manches zahlt die Kasse, anderes nicht. Was verrät welche Untersuchung? Und was raten Experten?



Ultraschalluntersuchung
Wie geht es dem Kind? In den Mutterschafts-Richtlinien sind Ultraschalluntersuchungen beim Frauenarzt fest eingeplant.   Foto: Bodo Marks/dpa-tmn

Die Vorsorgeuntersuchungen in der Schwangerschaft können für werdende Mütter verwirrend sein. Ein kleiner Überblick:

Von Diabetes bis Ultraschall

Die Mutterschafts-Richtlinien legen in Deutschland fest, worauf gesetzlich versicherte Schwangere Anspruch haben. Hierzu gehören beispielsweise ein HIV-Test, ein Test auf Schwangerschaftsdiabetes oder Untersuchungen, um Blutgruppenunverträglichkeiten festzustellen.

Außerdem sind drei Ultraschalluntersuchungen beim Frauenarzt vorgesehen: zwischen der 8. und 12. Schwangerschaftswoche, zwischen der 18. und 22. Woche und zwischen der 28. und 32. Woche. Die Untersuchungen erlauben Messungen des Körpers oder auch die Beurteilung der Herzaktivität des Fötus.

Feindiagnostik gegen Fehlbildungen

Es gibt allerdings noch genauere Ultraschalluntersuchungen: allen voran die sogenannte Feindiagnostik zwischen der 18. und 22. Woche. Diese führt ein Pränatalmediziner durch. Körper, Gehirn und Organsysteme des Kindes werden dabei sehr genau betrachtet.

«Bestimmte schwere Fehlbildungen, etwa einige Herzfehler, müssen beim erweiterten Ultraschall nicht zwingend erkannt werden, werden aber während der Feindiagnostik mit großer Sicherheit gefunden», erklärt Prof. Annegret Geipel. Sie ist Leiterin der Abteilung Pränatale Medizin am Universitätsklinikum Bonn. Wer nicht aufgrund von Auffälligkeiten überwiesen wird, muss die Feindiagnostik selbst bezahlen - 200 bis 300 Euro kostet das.

Die Frage nach dem Down-Syndrom

Selbstzahler können zudem schon vorher, um die 12. Woche, das sogenannte Ersttrimesterscreening wahrnehmen. Kostenpunkt: etwa 200 Euro. Bei dieser Ultraschalluntersuchung kann durch die Messung der Nackenfalte des Ungeborenen in Kombination mit Blutwerten der Mutter das Risiko für Trisomie 21, das Down-Syndrom, ermittelt werden.

Zunehmend klären Ärzte die Frage nach dem Down-Syndrom oder den Trisomien 13 und 18 auch mit einem Bluttest - dem NIPT (nicht-invasiver pränataler Test). Er könnte bald Kassenleistung werden und beruht auf der Untersuchung von Erbmaterial des Kindes aus einer Blutprobe der Mutter. Kostenpunkt: etwa 300 bis 400 Euro.

Bluttest-Alternative ist riskanter

«Der NIPT ist kein Diagnoseverfahren, sondern nur eine Risikoanalyse», sagt Prof. Karl Oliver Kagan, Experte der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) und Leiter der Abteilung Pränatale Medizin am Universitätsklinikum Tübingen. Insbesondere für die Trisomien gilt der Test aber als sehr zuverlässig.

Im eigentlichen Sinne diagnostiziert werden können Chromosomenstörungen nur durch die Fruchtwasseruntersuchung und die Chorionzottenbiopsie. Diese beiden Punktionen, für die ein dünnes Instrument durch die Bauchdecke der Schwangeren geführt wird, sind aber mit einer - wenn auch geringen - Gefahr für eine Fehlgeburt verbunden. Die Kassen ermöglichen sie bei bestimmten Risiken.

Pränatalmediziner Kagan empfiehlt Frauen, die den NIPT wahrnehmen wollen, ihn immer mit einer guten Ultraschalldiagnostik zu kombinieren. So lassen sich Fehlbildungen, die unabhängig von Chromosomenstörungen auftreten, ebenfalls erkennen.

Toxoplasmose und Streptokokken

Neben Fehlbildungen können auch Infektionskrankheiten Ungeborene gefährden - etwa die Toxoplasmose und die Zytomegalie. Ob eine Frau schon zu Beginn der Schwangerschaft gegen sie immun und damit geschützt ist, lässt sich mit Hilfe ihres Blutes feststellen.

Selbstzahler können zudem für etwa 20 Euro einen Scheidenabstrich auf B-Streptokokken durchführen lassen. «Ich halte diese Untersuchung für sehr wichtig und empfehle sie meinen Patientinnen immer», sagt Prof. Dieter Grab, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pränatal- und Geburtsmedizin (DGPGM).

Mehr Leistung auf Anfrage

Der Berufsverband der Frauenärzte weist darauf hin, dass fast alle Krankenkassen viele der ärztlichen Selbstzahlerleistungen übernehmen - auf Anfrage. Viele Kassen bieten Patientinnen auch ein festes Budget, das mit Vorsorgeuntersuchungen ausgeschöpft werden kann.

Veröffentlicht am:
16. 10. 2019
05:04 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Diabetes Fehlbildungen Fehlgeburten Frauenheilkunde Geburtshilfe Gynäkologinnen und Gynäkologen Perinatalmedizin Schwangere Ultraschall-Untersuchungen Universitätskliniken
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Kaiserschnitt

12.06.2020

Erste Leitlinie zu Kaiserschnitten verfasst

Tausende Schwangere in Deutschland bekommen ihr Baby ohne triftigen Grund per Kaiserschnitt. Auch mancher Klinik scheint die Operation willkommen. Läuft da etwas schief? Eine Leitlinie will Klarheit schaffen. » mehr

Dürfen Väter rein?

20.03.2020

Was Schwangere rund um das Coronavirus wissen müssen

Das Leben geht weiter, auch während einer Pandemie - Geburten inklusive. Doch weil immer mehr Krankenhäuser völlig überlastet sind, macht sich das auch im Kreißsaal bemerkbar. » mehr

Susanne Weg-Remers

28.10.2020

Wie Mediziner Brustkrebs auf die Schliche kommen

Je früher ein Tumor in der Brust erkannt wird, desto besser. Vor der ab Lebensmitte empfohlenen Mammographie zur Früherkennung haben manche Frauen aber Angst. Gibt es Alternativen? » mehr

Inkontinenz

01.07.2020

Wie Inkontinenz behandelt wird

Inkontinenz kann jeden treffen. Viele Betroffene schämen sich aber so sehr dafür, dass sie keinen ärztlichen Rat einholen. Dabei gibt es gute Behandlungsmöglichkeiten. » mehr

Unangenehmer Harndrang

25.09.2019

Was tun, wenn die Blase andauernd drückt?

Ein ständiger Harndrang mindert die Lebensqualität von Betroffenen. Das Leiden kann viele Ursachen haben - und manchmal gibt es dafür auch keinen Auslöser. » mehr

Antibabypille

18.08.2020

Antibabypille: Verhütungsmittel oder Lifestyledroge?

Vor 60 Jahren gingen in den USA die ersten Antibabypillen über den Ladentisch. Millionen Frauen weltweit setzen bis heute darauf. Über medizinische, politische und gesellschaftliche Kontroversen. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
16. 10. 2019
05:04 Uhr



^