Lade Login-Box.
Topthemen: Bilder vom Wochenende30 Jahre GrenzöffnungBlitzerwarnerVER Selb

 

Wann Assistenz- und Therapiehunde zum Einsatz kommen

Straßen überblicken, Dinge aufheben, Unterzuckerung erkennen: Warn- und Signalhunde können das und noch mehr. Die Krankenkasse zahlt die teure Ausbildung allerdings nur in einem Fall.



Ausgebildeter Assistenzhund
Assistenzhunde bringen eine ganze Palette von Fähigkeiten mit - und sind für Menschen mit körperlichen Beeinträchtigung zur Stelle, wenn es etwa darum geht, Schalter zur drücken oder Schubladen zu schließen.   Foto: VITA e.V. Assistenzhunde/dpa-tmn » zu den Bildern

1916 wurde der erste systematisch ausgebildete Assistenzhund an den Kriegsblinden Paul Feyen übergeben. Seitdem hat sich das Konzept bewährt.

«Der Hund ersetzt das Augenpaar, das der Blinde nicht nutzen kann, aber gerade heutzutage dringend braucht», erklärt Christin Huttera vom Deutschen Assistenzhundezentrum. Ein Beispiel: «Am Straßenverkehr nehmen immer mehr E-Autos teil. Sie sind so leise, dass der Blinde sie nicht hört.»

Der Hund sieht die Autos. Selbst wenn der Blinde ihm das Kommando gibt, die Straße zu überqueren, hat der Hund gelernt, sich zu weigern - ein möglicherweise lebensrettender Schutz. Und die Tiere können noch mehr als das. Sie sind zum Beispiel ein wichtiger sozialer Faktor, Türöffner im doppelten Sinne.

Ausbildung dauert lange und ist teuer

Die sozialen Fähigkeiten bringt der Hund in der Regel mit, den Rest muss er lernen. Das ist zeitintensiv und teuer, meistens kostet die zweijährige Ausbildung eine fünfstellige Summe. Die gute Nachricht: Sehbehinderte haben gute Chancen auf eine Kostenübernahme durch die Gesetzliche Krankenkasse.

«Auf Rezept übernehmen wir Blindenführhunde, also deren Anschaffung, Ausbildung sowie monatlich 177 Euro für Futter und Tierarzt», erklärt Michael Ihly, Sprecher der Techniker Krankenkasse. «Die Voraussetzungen sind, dass eine Sehbehinderung vorliegt, derjenige dennoch mobil ist und sich orientieren kann.»

Ausbilder, die auch geeignete Welpen aussuchen, können Interessierte zum Beispiel über das Deutsche Assistenzhunde-Zentrum anfragen. Von der Geburt des Welpens bis zum Einzug beim Bedürftigen vergehen allerdings etwa zwei Jahre.

Von Ruhe bis Distanz

Die emotionalen Fähigkeiten, gepaart mit einer brillanten Nase, ermöglichen eine ganze Palette an Hundeberufen. «Wir kennen Signal- und Warnhunde», so Huttera. Während der Blindenhund ein Signalhund ist und agiert, ist beispielsweise ein Diabetiker-Assistenzhund ein Warnhund, der reagiert. Er macht seinen Halter auf eine drohende Unterzuckerung aufmerksam.

Auch bei Posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS) oder Autismus können Hunde zu Assistenten werden. Der PTBS-Assistenzhund lernt zum Beispiel, Distanz zu Fremden zu schaffen. Der Autismus-Hund wird meistens in Familien mit Kindern eingesetzt. Er verhindert, dass das Kind einfach auf die Straße läuft, kann es bei Bedarf suchen und in emotionalen Notlagen beruhigen.

Bei Gehbehinderungen haben sich Hunde ebenfalls bewährt. «Für einen Rollstuhlfahrer werden heruntergefallene Gegenstände wie Handy, Schlüssel oder Geldbeutel zum Problem», sagt Laura Anthes vom Verein Vita, der sich auf Assistenzhunde für körperliche Beeinträchtigungen spezialisiert hat.

Assistenten ohne Förderung

Die Palette der Fähigkeiten ist dabei groß: Öffnen und Schließen von Schubladen oder Türen, das Drücken von Schaltern, das Ausziehen von Kleidungsstücken - das alles kann ein Hund, wenn man es ihm beibringt. Der Haken: Chancen auf Erstattung bei der Krankenkasse wie bei einem Blindenführhund gibt es praktisch nicht.

Ein ausgebildeter Assistenzhund kostet im Durchschnitt 25.000 Euro - eine Summe, die kaum einer der Bewerber aufbringen kann. Dass meist nur bei Sehbehinderten-Führhunden eine Chance auf Krankenkassen-Erstattung besteht, hängt auch damit zusammen, dass die Ausbildung nur bei diesen Hunden einheitlich geregelt ist.

Assistenzhunde anderer Professionen genießen aber trotzdem Sonderrechte im Alltag: Sie dürfen zum Beispiel meistens mit in Lebensmittelgeschäfte oder Krankenhäuser, mitunter auch in die Flugzeugkabine. Allerdings nur, wenn der Halter mit einem Ausweis seine Schwerbehinderung belegen kann.

Veröffentlicht am:
30. 10. 2019
10:37 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Ausweise Die Armen Gehbehinderungen Gesetzliche Krankenkassen Kinder und Jugendliche Krankenkassen Schubladen Sehbehinderte Sehschwäche Techniker Krankenkasse Tierärztinnen und Tierärzte
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Sinusitis

03.10.2019

Wozu braucht man Nasennebenhöhlen?

Sinusitis ist die Vokabel schlechthin zur Erkältungssaison: Nasennebenhöhlenentzündung. Fast jeder hat schon mal wegen ihr geschnieft oder nach Atem gerungen. Ein Stück weit sind die Nasennebenhöhlen selbst für Experten ... » mehr

Tierischer Beistand

09.12.2019

Beistand auf vier Pfoten nimmt die Angst beim Zahnarzt

Angst vorm Zahnarzt? Manchmal hilft dann Hypnose. In Berlin gibt es aber auch Doc Peppi. Der hat vier Pfoten und sorgt mit echtem Hundeblick für Ablenkung. Hilft das? » mehr

Trinkverhalten der Deutschen

24.07.2019

Warum viele Menschen zu wenig trinken

Wasser marsch: Genug zu trinken, ist wichtig für den Körper - besonders bei Hitze. Doch viele Menschen achten nicht darauf, genügend Flüssigkeit aufzunehmen. Woran liegt das? » mehr

Tabletten in einer Pillendose

18.03.2019

Multimedikation kann gefährlich sein

Gerade ältere Menschen leiden oft unter mehreren Krankheiten gleichzeitig. Verschreiben verschiedene Fachärzte unabhängig voneinander Medikamente, kann das gefährlich werden. » mehr

Brigitte Goertz-Meissner

20.02.2019

Der knifflige Antrag auf Vorsorgekur

Wer gesundheitlich angeschlagen ist, kann sich von der Krankenkasse eine Kur bezahlen lassen. Doch so ganz ohne weiteres bewilligen die Kassen das nicht. Für den Antrag sollten sich Versicherte daher viel Zeit nehmen - u... » mehr

EU-Studie

vor 19 Stunden

Deutschland mit Spitzenwert bei Depressionen

Wie depressiv fühlen sich die Deutschen im Vergleich zu anderen europäischen Staaten? Die hohen Werte mögen überraschen. Doch das kann viele Gründe haben - nicht nur negative. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
30. 10. 2019
10:37 Uhr



^