Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: 75 Jahre FrankenpostCoronavirusJubiläumsgewinnspielBlitzerwarner

 

Muss ich Angst vor fremdem Blut haben?

Fremdes Blut kann Leben retten. Risiken gibt es dabei zwar - doch die sind überschaubar. Und Alternativen existieren kaum. Unsichere Patienten sollten aber ruhig nachfragen, sagen Experten.



Lebensretter Transfusion
Eine Packung Leben: Jedes Jahr werden in Deutschland 4,7 Millionen Liter an Blutprodukten transfundiert.   Foto: Judith Michaelis/dpa-tmn » zu den Bildern

Blut versorgt den Körper mit Sauerstoff. Geht bei einem schweren Unfall oder einer großen Operation zu viel Blut verloren, ist das lebensgefährlich. Hier kommen Blutkonserven zum Einsatz.

An die 4,7 Millionen Liter Blutprodukte werden laut Professor Andreas Humpe pro Jahr in Deutschland transfundiert. Humpe ist Direktor der Abteilung für Transfusionsmedizin am Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität in München.

Der Arzt entscheidet

Wann genau eine Bluttransfusion nötig wird, lässt sich nicht pauschal sagen. Aber es gibt Querschnittsleitlinien mit entsprechenden Grenzwerten, erklärt Kristina Hölig. «Unter einem solchen Grenzwert nimmt der Organismus häufig Schaden, wenn er keine Transfusion bekommt.» Hölig leitet den Bereich Transfusionsmedizin am Uniklinikum Dresden und ist Vorsitzende des Berufsverbandes Deutscher Transfusionsmediziner.

Der behandelnde Arzt muss neben den Leitlinien immer den gesamten Menschen im Blick haben, sagt sie: «Ein 20-Jähriger mit gesundem Herz-Kreislauf-System kompensiert viel niedrigere Werte als ein 80-Jähriger, der schon gewisse Herzprobleme hat, Durchblutungsstörungen im Gehirn oder eine Lunge, die nicht mehr richtig funktioniert.»

Geringe Risiken - und strenge Regeln

Wie bei Medikamenten gibt es auch bei einer Bluttransfusion Risiken und Nebenwirkungen. Bei vielen Menschen ist die Angst vor möglichen Infektionen groß. Verbandschefin Hölig stuft die Gefahr allerdings als sehr gering ein. Dazu trägt nicht zuletzt das in Deutschland seit 1998 geltende Transfusionsgesetz bei.

Ein weiteres Risiko sind immunologisch aktive Bestandteile der Blutprodukte, sagt die Expertin. Sie können bei der Übertragung auf einen anderen Patienten Reaktionen auslösen. Allerdings seien langfristige Auswirkungen auf das Immunsystem schwer objektiv überprüfbar.

Und auch ein Verwechslungsrisiko im Krankenhaus besteht. Bei all dem ist Humpe aber wichtig: «Am Ende des Tages muss man sagen, dass ohne Bluttransfusionen eine Vielzahl der Therapien, die wir dem Patienten heute anbieten können, nicht möglich wären.»

Bei Angst beraten lassen

Trotzdem können Patienten die Transfusion verweigern, sagt Ruth Hecker, an der Uniklinik Essen für die Patientensicherheit zuständig und Vorsitzende des Aktionsbündnisses Patientensicherheit (APS). «Die Zeugen Jehovas lehnen das aus religiösen Gründen ab, aber natürlich kann jeder Patient sagen: «Das will ich nicht, weil ich Angst davor habe.»»

Bedenken können im Gespräch geklärt werden: «Wie zu einem operativen Eingriff bekommt man eine einzelne Aufklärung zum Thema Bluttransfusion. Auch nach einem Notfall muss man hinterher eine Sicherheitsaufklärung bekommen.»

Alternativen gibt es kaum. Eigenblutspenden wären eine davon - sie sind aber deutlich zurückgegangen. «Bei vielen Patienten ist das durch Begleiterkrankungen oder ein entsprechendes Alter gar nicht machbar, ohne sie zu gefährden», sagt Humpe.

Konsequentes Blut-Management

Stattdessen gehört die Rückgewinnung des eigenen Blutes bei einer Operation inzwischen zum Standard. Und auch das sogenannte Patient Blood Management (PBM) gewinnt an Bedeutung. Laut Humpe ist es aber keine Alternative zur Bluttransfusion, sondern eine Ergänzung.

«Man guckt sich den Patienten vor einer großen Operation an», erklärt Hecker das PBM. Typische Fragen dabei: «Was hat er für Erkrankungen, wie sind seine Blutwerte, was kann man tun, um diese zu verbessern, kann man ihm im Vorfeld etwa Eisen oder andere Präparate geben?» Außerdem wird ihm im Krankenhaus so wenig Blut wie möglich abgenommen.

Veröffentlicht am:
18. 12. 2019
04:53 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Blutprodukte Bluttransfusionen Durchblutungsstörungen Herzprobleme Immunologie Ludwig-Maximilians-Universität München Medikamente und Arzneien Patienten Transfusionsgesetz Transfusionsmedizin Universitätskliniken Zeugen Jehovas
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Blutspenden in Zeiten von Corona

23.06.2020

Blutspender dringend gesucht

Blutspenden könnten in Zeiten von Corona eine neue Bedeutung bekommen. Genesene mit Antikörpern sind vielleicht eine Hilfe für Schwerkranke. Doch bei Blutspenden gibt es Engpässe. Sollte Solidarität besser vergütet werde... » mehr

Torsten Blum

27.07.2020

Corona-Spätfolgen alarmieren Ärzte

Die Verharmlosung der Corona-Pandemie macht Lungenärzte wütend. Denn sie sehen inzwischen auch Folgeschäden bei Menschen, die nicht schwer erkrankt waren. Dabei geht es um mehr als die Lunge. » mehr

Kondome

08.01.2020

Sexuell übertragbare Krankheiten im Überblick

Sex soll Spaß machen - und keine Angst. Kein Wunder, dass die unschönen gesundheitlichen Folgen einer Bettgeschichte eher Tabuthema sind. Doch das Schweigen kann böse enden. » mehr

Beatmungsmaschine auf einer Intensivstation

17.04.2020

Das Für und Wider der Beatmungstherapie

Beatmungsgeräte gelten in der Corona-Krise als essenziell für die Behandlung von Patienten. Gleichzeitig birgt die Therapieform eine Reihe von Nebenwirkungen. Was bedeutet das für Patienten und Ärzte? » mehr

Augenuntersuchung

19.06.2020

Das sind typische Augenkrankheiten im Alter

Mit zunehmenden Lebensjahren werden Augenkrankheiten wahrscheinlicher. Das Tückische: Sie bleiben oft lange unbemerkt. Was sind ihre Symptome und wie lassen sie sich behandeln? » mehr

Fahrradfahren

16.09.2020

Warum wir im Alter abbauen und was wir tun können

Viele Krankheiten schlagen vor allem im höheren Alter zu. Das müsste nicht sein, glauben die Autoren Dominik Duscher und Nina Ruge - und plädieren für eine andere Sicht auf die Gesundheitsvorsorge. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
18. 12. 2019
04:53 Uhr



^