Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: 54. Hofer Filmtage75 Jahre FrankenpostCoronavirusJubiläumsgewinnspielBlitzerwarner

 

Was Nacht- und Schichtarbeit mit uns macht

Wer ständig im Schichtdienst oder sogar immer nachts arbeitet, tut seiner Gesundheit keinen Gefallen - im Gegenteil. Gerade die Nachtarbeit kann gefährlich sein.



Schlafen am Tag
Wer tagsüber ins Bett gehen muss, schläft oft schlechter. Unter ständiger Nachtaktivität leider zudem das Immunsystem.   Foto: Christin Klose/dpa-tmn » zu den Bildern

Arbeiten, wenn andere schlafen: Zum Beispiel in Krankenhäusern, bei der Polizei oder in der Industrie ist das keine Seltenheit.

Das macht nicht nur dauermüde, das ist auch ungesund. Das können Nacht- oder Schichtarbeiter nur bedingt beeinflussen. Aber es gibt ein paar Tipps, wie man mit seinen Arbeitszeiten besser zurechtkommen kann.

Welche Gefahren bestehen für Menschen, die im Nacht- und Schichtdienst arbeiten? An erster Stelle stehen laut Prof. Ingo Fietze, Leiter des Interdisziplinären Schlafmedizinischen Zentrums an der Charité Berlin, Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems wie Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen - zumindest was die Häufigkeit angeht. An zweiter Stelle folgen Stoffwechselerkrankungen.

Nachtarbeit und Krebs

Vor allem die Nachtarbeit birgt aber noch mehr Gefahren, wie eine Auswertung der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) der Weltgesundheitsorganisation aus dem Jahr 2019 zeigt: «Auf Basis dessen, was wir jetzt wissen, sind wir zu der Einschätzung gekommen, dass Nachtarbeit wahrscheinlich krebserregend ist», erklärt Prof. Hajo Zeeb vom Bremer Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie (BIPS), der an der Auswertung mitgearbeitet hat.

Aber warum schadet uns die Nachtarbeit? «Nachts erholt sich auch das Immunsystem», erklärt Fietze. Wer in der Nacht arbeitet und am Tag schläft, der hat somit ein weniger gut funktionierendes Abwehrsystem. Das gilt auch, wenn man den Schlaf tagsüber so gut wie möglich nachholen möchte: «Die Qualität des Schlafs ist am Tag immer schlechter und man schläft kürzer», so Fietze.

Verträglichkeit ist eine Typfrage

Manche Menschen kommen damit zurecht, andere nicht. «Es gibt noch keine Prädiktoren, wer Schichtarbeit verträgt und wer nicht», sagt Fietze. Warnsignale, dass einem Nacht- und Schichtarbeit nicht bekommen, gibt es laut Fietze viele: Man ist unkonzentriert, es passieren vermehrt Fehler oder sogar Unfälle, man ist geistig und körperlich nicht leistungsfähig, man hat schlechte Laune oder das Gedächtnis lässt nach.

Dass die Schichtarbeit müde mache, sei hingegen normal, sagt Fietze. «Solange Schichtarbeiter an mehreren freien Tagen oder im Urlaub gut schlafen, ist die Welt noch in Ordnung. Wenn sie in diesen Zeiten genauso schlecht schlafen wie in der Arbeitswoche, dann ist das ein ernst zu nehmendes Warnsignal.» Besser nicht im Schichtdienst arbeiten sollten Menschen mit ohnehin schon sensiblem oder schlechtem Schlaf, chronisch Kranke, wer einen weiteren Job hat oder familiär sehr eingebunden ist.

Lerchen in die Frühschicht

Die meisten Menschen gelten als sogenannte Eulen: Sie würden am liebsten zwischen 23:30 und 2.00 Uhr ins Bett gehen und zwischen 7:30 und 9:30 Uhr wieder aufstehen, erklärt Hans-Günter Weeß, Psychologe und Leiter des Schlafzentrums am Pfalzklinikum. Gut wäre es deshalb, wenn Menschen, die ohnehin Frühaufsteher sind - die sogenannten Lerchen - die Frühschichten übernehmen würden. Die Langschläfer machen dann dafür den Spät- und Nachtdienst.

Wenn in Wechselschichten gearbeitet wird, sei es laut Weeß besser, in kurzrotierenden Schichten zu arbeiten: also zwei Tage Frühdienst, zwei Tage Spätdienst, zwei Tage Nachtdienst und dann eine längere Erholungspause. «So fängt der Körper gar nicht erst an, sich anzupassen», erklärt Weeß. Wer etwa für jeweils eine Woche eine Schicht übernehme, befinde sich in einer Art Dauer-Jetlag, was langfristig belastender ist.

Veröffentlicht am:
11. 03. 2020
04:47 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Debakel Epidemiologie Gefahren Gesundheitsgefahren und Gesundheitsrisiken Immunsystem Krebsforschung Nachtarbeit Polizei Professoren Schichtarbeit Stoffwechselstörungen Weltgesundheitsorganisation
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Schlummertaste

vor 1 Stunde

Die Schlummertaste und ihre Folgen

Der Wecker schrillt, die Hand drückt den Alarm weg: Nur noch fünf Minuten schlummern. Und dann nochmal - und nochmal. Das «Snoozen» am Morgen halten viele für ungesund. Stimmt das? » mehr

Blutabnahmeröhrchen

08.07.2020

Infektion bedeutet wohl nicht automatisch Immunität

Tests finden bei vielen Menschen kurz nach einer Corona-Infektion schon keine speziellen Antikörper mehr im Blut. Was heißt das für Herdenimmunität, Immunitätspässe und die Entwicklung von Impfstoffen? » mehr

Beziehungsaspekt

01.10.2019

Welche Faktoren oft zu Burnout führen

Total ausgebrannt - früher dachte man da nur an überarbeitete Top-Manager, heute trifft es viele unterschiedliche Gruppen. Was kann einen Burnout auslösen? Und wie lässt er sich vermeiden? » mehr

Impfung gegen Covid-19

19.02.2020

Wann gibt es den ersten Impfstoff gegen Covid-19?

Mit der Ausbreitung des Coronavirus Sars-CoV-2 ist ein Wettbewerb zwischen Biotech-Unternehmen und Forschungsinstituten weltweit entbrannt. Wer stellt als Erstes einen wirksamen Impfstoff her? » mehr

Hans-Günter Weeß

01.04.2020

Gesund durch das erste Jahr mit Baby

Es ist so schön. Und so anstrengend. Das erste Jahr mit Kind ist ein Ausnahmezustand - für die Partnerschaft und für die Gesundheit. Dagegen hilft vor allem, viel zu reden und nicht zu streng zu sein. » mehr

Corona-Zahlen in Deutschland

19.08.2020

Das Virus auf der Deutschlandkarte

Volle Einkaufszentren, die U-Bahn zu Stoßzeiten, abendliches Gedränge im Szeneviertel - in der Stadt gäbe es reichlich Gelegenheit für Infektionen mit dem Coronavirus. Auf dem Land hingegen ist Platz. Müsste man meinen. ... » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
11. 03. 2020
04:47 Uhr



^