Lade Login-Box.
Topthemen: Bilder vom WochenendeHofer Filmtage 2019EhrenamtskampagneVER Selb

 

Boom bei Fitnessstudios - doch wer geht wirklich hin?

Der deutsche Fitnessmarkt ist ein Miliardengeschäft mit stetig steigenden Anmeldezahlen in den Studios. Sind viele Mitglieder schon zu Karteileichen geworden, oder werden die Deutschen immer fitter? Über die Fakten streiten Experten.



Training im Fitnessstudio
Fitnessstudios bekommen immer mehr Mitglieder. Doch nicht jeder, der sich anmeldet, nutzt es auch dauerhaft. Foto: Kay Nietfeld/dpa  

Ob Schwitzen im exklusiven «Boutique-Studio» oder Strampeln beim «Wasser-Workout»: Fitnessstudios können sich derzeit über mehr Mitglieder freuen. Doch werden die Deutschen tatsächlich immer sportlicher?

Nach Angaben der Branche sind erstmals mehr als zehn Millionen Menschen in einem Studio angemeldet. Die knapp 8700 deutschen Fitnessanlagen konnten damit im vergangenen Jahr wieder ein sattes Plus um 6,6 Prozent bei den zahlenden Kunden verbuchen.

Bis zum Jahr 2020 peilt die Branche mehr als zwölf Millionen Mitglieder an. Vorgestellt wurden die neuen Fitnesstrends bei der Fitnessmesse Fibo in Köln. Gewinner des Booms waren im vergangenen Jahr vor allem Studios aus dem Discount-Bereich. Insbesondere die großen «Top-Player» der Branche seien überproportional im Vergleich zum Rest des Marktes gewachsen, berichtet Karsten Hollasch von dem Beratungsunternehmen Deloitte.

Mitgliederstärkster Anbieter war nach den Ergebnissen einer Branchenstudie im vergangenen Jahr die McFit Gruppe mit 181 Anlagen und 1,1 Millionen Kunden. Dann folgten mit einigem Abstand die Konkurrenten clever fit, FitX, Fitness First sowie Kieser Training. Dabei zählten Ketten erstmals mehr Mitglieder als Einzelstudiobetreiber. Besonders die Kette FitX habe mit einem geschätzten Mitgliederwachstum um 70 Prozent auf 340 000 kräftig zulegen können, hieß es.

Die Monatspreise für Mitglieder schwanken dabei laut einer Branchenstudie je nach Betriebsform: Während die Kunden in Kettenbetrieben im vergangenen Jahr im Durchschnitt 34,47 Euro zahlen mussten, wurden Mitglieder in Einzelbetrieben mit 52,45 Euro zur Kasse gebeten. Am teuersten waren die durchschnittlichen Kosten in kleinen sogenannten Mikrobetrieben mit 65,80 Euro. Rund 90 Prozent des Gesamtumsatzes der Branche von 5,05 Milliarden Euro wurden dabei durch Mitgliedsbeiträge erwirtschaftet.

Damit konnte die Fitnessbranche sich im vergangenen Jahr als mitgliederstärkste Trainingsform in Deutschland feiern und die Konkurrenz aus Fußball, Turnen und Tennis deutlich hinter sich lassen. Doch allein mit der Unterschrift unter den Fitnessvertrag ist nach Ansicht von Sportwissenschaftlern noch keine Karriere als regelmäßiger Sportler besiegelt: «Die Mitgliedschaft im Fitnessstudio gehört mittlerweile zum guten Ton, wie früher Golf oder Tennis», sagt Professor Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule in Köln.

Denn nach der Anmeldung im Studio folge oft nach etwa acht bis zwölf Wochen ein Motivationstief, aus dem viele nicht mehr herausfänden, so Froböse. Würden alle zehn Millionen Mitglieder tatsächlich in die Fitnessstudios gehen, ginge das gar nicht, meinte der Experte. «Leider sind die Deutschen nicht spotlicher geworden», stellte er fest. «Mindestens die Hälfte sind Karteileichen», lautet sein Fazit.

Beim Fitnessverband DSSV verweist man dagegen auf eine vergleichsweise geringe Zahl von sogenannten «inaktiven Mitgliedern». Bei einer repräsentativen YouGov-Umfrage aus dem Jahr 2014 unter Fitnessstudio-Mitgliedern hätte lediglich drei Prozent der Befragten angegeben, «nie» im Studio zu trainieren, argumentierte DSSV-Sprecher Dustin Tusch. 18 Prozent der Befragten hätten dagegen angegeben, mindestens vier Mal in der Woche zum Training zu gehen. Aber das sind natürlich nur Auskünfte, die Menschen über sich selbst treffen.

Sportlich interessiert sind nach Ergebnissen der BAT-Stiftung für Zukunftsfragen vor allem junge Großstadtbewohner. «Innerhalb der Bevölkerung sagen etwas mehr Männer als Frauen sowie Großstädter als Dorf- oder Kleinstadtbewohner, dass sie regelmäßig in ein Fitnessstudio gehen», berichtet der wissenschaftliche Leiter der Stiftung, Ulrich Reinhardt. Auch steige mit Bildung und Einkommen die Häufigkeit, mit der ein Fitnessstudio besucht werde. «Den größten Unterschied gibt es in Bezug auf das Alter. Unter-30-Jährige treiben deutlich öfter Sport in einem Fitnessstudio als der Rest der Bevölkerung», so Reinhardt.

Mit neuen Angeboten hat die Branche ihre Zielgruppe fest im Blick: Bei Anbietern von sogenannten Flatrates können Mitglieder für ihren Monatsbeitrag etwa unter rund 40 Sportarten und 800 Trainingsorten in ganz Deutschland wählen. Die Liste reicht vom anstrengenden Klettersport Bouldern über Yoga bis hin zu Zumba. Im Trend sind auch digitale Fitnessangebote oder kombinierte Modelle aus Offline- und Online-Fitness. Online-Fitnessstudios, bei denen man zum Trainingsanleitungen im Internet finden kann, zählten nach Angaben von Deloitte Ende vergangenen Jahres rund 563 000 registrierte Mitglieder, von denen 194 000 bezahlte digitale Angebote nutzten.

Gute Angebote für Senioren seien derzeit jedoch oft noch Mangelware, beklagte Froböse. Für das tägliche Training im Kampf gegen den schleichenden Bewegungsmangel müsse man jedoch ohnehin nicht unbedingt ins Fitnessstudio gehen.

Veröffentlicht am:
12. 04. 2017
04:50 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Beratungsunternehmen Digitaltechnik Fitness-Studios Fitnessangebote Fitnessbranche Fitnesstrends Kunden McFit Sportwissenschaftlerinnen und Sportwissenschaftler Tennis
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Gamification

08.04.2019

Wie Fitness-Studios mit neuer Technik den Spaßfaktor erhöhen

Menschen ins Fitnessstudio zu bekommen, ist oft gar nicht so schwer. Sie dort zu behalten, anscheinend schon. Um Kunden langfristig zu binden, lassen sich die Anbieter einiges einfallen - und wollen vor allem mit neuer T... » mehr

Ulrich Kau

26.01.2018

Indoor Rowing ist effektiv und gesund

Der Trend begann im Fernsehen und eroberte von dort aus die Fitnessstudios und Wohnzimmer: Indoor Rowing ist das neue Spinning. Zu Recht - denn Rudern ist ein effektives und schonendes Ganzkörpertraining, das für die bre... » mehr

Lars Gabrys

25.01.2019

Welche Fitnessstudios sich für Menschen ab 65 eignen

Mit dem Alter nimmt die Muskelmasse ab, der Körper wird steifer, die Hormone stellen sich um. Sport und Bewegung helfen dabei, diese Prozesse zu verlangsamen. Doch wie finde ich dafür das passende Fitnessstudio? Und was ... » mehr

Pierre Geisensetter

21.07.2017

So funktioniert Virtual Fitness

Durch ein Videospiel oder auf einer Dachterrasse in Las Vegas radeln, unter der Sonne von Texas pumpen und in L.A. an der Ballettstange trainieren: Virtual Fitness macht all das möglich. Ein Trainer ist meist nicht anwes... » mehr

Das sind Slide Pads

12.07.2018

Fit rutschen mit Slide Pads: Was Einsteiger beachten sollten

Man sieht sie immer öfter, in Sport-Kursen, draußen oder im Fitness-Studio: Slide oder Sliding Pads, kleine runde Stoff-Plättchen, die man sich unter die Füße oder Hände legt. Ein Ganzkörpertraining fast für jedermann, s... » mehr

Joggen

02.10.2019

Moderates Intervalltraining bringt so viel wie Auspowern

Beim Training stets Vollgas geben - so kennen und mögen es viele Hobbysportler. Aber gemäßigtes Intervalltraining kann genauso gut wirken. Worauf Sie dabei achten sollten. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
12. 04. 2017
04:50 Uhr



^