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Hau wech, das Ding!

Hat man den Dreh raus, wird’s spaßig.Der Bumerang ist Sport mit Rückflug-Ticket.



 

Parfüm vom Baumarkt? Eher nicht. Bohrmaschine aus dem Autohaus? Einigermaßen schwierig. Wurfholz von Chanel? Kein Problem. Auch wenn der Mode-Konzern bei der Suche nach Sportartikeln sicher nicht allererste Adresse ist – aktuell würde man fündig. Immer mal wieder vertreibt die Edel-Marke Bumerangs. Seit Jahren schon. Nicht unbedingt als Schnäppchen. Und bislang erst recht nicht unter solch öffentlichem Aufruhr. Dass Chanel für das Wegwerf-Ding umgerechnet etwa 1300 Euro aufruft, stört dabei kaum jemanden. Weil aber angeblich die australische Kultur vereinnahmt wird, sind plötzlich alle auf dem Baum.

Man kann das schwungvolle Hölzchen ordern, sich an der politisch-moralischen Debatte beteiligen – oder am besten beides sein lassen. Die Anregung genügt völlig. Denn wenn es um ein bisschen Sport und Spaß geht, bei dem man sich – der Hitze wegen – nicht so schrecklich viel bewegen will, ist der Bumerang so ziemlich die beste Wahl. Der kommt nämlich immer wieder zurück. Jedenfalls wenn man ein wenig Übung hat und sich nicht völlig ungeschickt anstellt. Gut geworfen kann man damit zwar nicht mehr jagen wie einst, kriegt aber dabei jede Menge gute Laune. Und zwar für einen Bruchteil des Chanel-Preises.

Dass das krumme Ding unter guten Bedingungen an seinen Ausgangspunkt zurücktrudelt, ist kein Hexenwerk, sondern schlichte Physik. Dabei spielt es noch nicht mal eine Rolle, ob das Teil wie ein L aussieht. Die Form ist nämlich nahezu egal. Das Geheimnis liegt im Profil, das der Tragfläche eines Flugzeugs ähnelt. Und darin, dem Bumerang beim Abwurf eine hinreichend große Rotation mitzugeben. Irgendwann geht es dem Bumerang dann wie einem Radfahrer, der sich neigt und dabei eine Kurve nimmt.

Doch genug der grauen Theorie. Viel schneller versteht man die Wunder der Physik draußen. Ideal ist eine große Wiese, auf der im Umkreis von etwa 50 Metern keine Hindernisse stehen sollten. Schon gar keine Zuschauer. Ideal zum Üben wäre zudem eine sanfte, gleichmäßige Brise. Bumerang stammt schließlich von "boomari", was so viel wie Wind bedeutet. Bei Stärke drei und mehr allerdings lässt man als Bumerang-Novize lieber einen Drachen steigen . . .

Anders als man glauben könnte, wird der Bumerang nicht waagrecht geworfen wie eine Sichel, sondern beinahe senkrecht. Erst während des Fluges legt er sich allmählich flach. Am besten nimmt man ihn mit der gewölbten Seite nach innen zwischen Daumen und Zeigefinger und wirft nur ganz leicht nach oben über die Schulter. Ideal sind fünf bis 15 Grad. Ganz wichtig: Kurz bevor das Holz die Hand verlässt, das Gelenk leicht abknicken, als wollte man mit einer Peitsche schnalzen. So bekommt der Bumerang den richtigen "Spin". Locker und schnell ausgedreht fliegt er besser als hart geworfen.

Am Anfang wird’s eher gerade als krumm laufen. Das kann die unterschiedlichsten Gründe haben. Wenn das Profil nicht nach innen zeigt zum Beispiel, der Wurf zu schwach war oder der Wind von hinten kam. Kleiner Tipp: Es gibt Bumerangs für Rechts- und Linkshänder. Mit dem falschen funktioniert’s trotz größter Anstrengung nicht.

Irgendwann aber klappt das mit der Retoure. Und dann ist man schnell verleitet, den Bumerang zu fangen. Doch Vorsicht. Ein schnelles Wurfholz im Anflug ist – vor allem in Kopfhöhe – nicht ungefährlich. Wenn überhaupt, greift man ganz am Ende der Flugbahn zu. Spätestens wenn man die Nummer drauf hat, darf man sich zu den Guten zählen.

Autor

Wolfgang Plank

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Veröffentlicht am:
02. 06. 2017
11:30 Uhr

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