Lade Login-Box.
Topthemen: Bilder vom WochenendeStromtrasse durch die RegionBlitzerwarnerVER Selb

 

Die schwierige Trauer um Kollegen

Und plötzlich kommt er nicht mehr: Der Tod eines Kollegen ist für Berufstätige ein Schock. Jeder reagiert darauf anders - und trotzdem lohnt es sich, die Trauer gemeinsam zu bewältigen. Meist geht das auch ohne Hilfe von außen.



Miriam Junge
Diplom-Psychologin Miriam Junge arbeitet als Coach und Therapeutin.   Foto: Léa Steinacker/Miriam Junge

Die Nachricht vom Tod eines Kollegen ist für viele Berufstätige ein Schock. «Die Arbeit ist ein Umfeld, in dem wir nicht damit rechnen, dass jemand stirbt», sagt Coach und Therapeutin Miriam Junge.

Ein Schicksalsschlag - sei es durch Krankheit oder durch einen Unfall - trifft Mitarbeiter dann oft besonders schwer. «Jeder wird da individuell mit Kontrollverlust, dem Gefühl von Machtlosigkeit und dem eigenen Tod konfrontiert.»

Mit diesem Schock geht jeder anders um, je nach Persönlichkeit - und vielleicht auch je nachdem, wie eng die Bindung zum verstorbenen Kollegen war. Das heißt aber nicht, dass jeder für sich alleine trauern muss. «Die Bewältigung klappt in der Gruppe fast immer besser», sagt Junge . «Weil es ein geteiltes Schicksal ist, und weil es die Möglichkeit gibt, darüber zu reden.»

Innerhalb dieser gemeinsamen Trauer ist dann auch Platz für einen unterschiedlichen Umgang mit dem Thema, dem Naturell jedes Kollegen entsprechend. Manche ziehen sich vielleicht zurück und wollen gar nicht groß reden, erzählt die Diplom-Psychologin. Und andere werden aktiv und wollen unbedingt etwas tun. Das sei auch gut so: «Wichtig für die Bewältigung in der Gruppe ist, dass es jemanden gibt, der das offen und ehrlich anspricht.»

Oft sind das Kollegen, die schon Erfahrung mit dem Tod haben, aus der Familie zum Beispiel. Und die auch wissen, dass jeder Mensch die Phasen der Trauer in unterschiedlichen Geschwindigkeiten durchläuft. «Der oder die eine ist dann erstmal geschockt und will gar nicht darüber reden, der andere bricht in Tränen aus», sagt Junge. «Wer schon Erfahrung mit dem Tod hat, kann das oft besser einschätzen und damit besser umgehen.»

Oft übernehmen diese Kollegen dann eine Art Führungsrolle bei der Trauer. «Da geht es darum, Gelegenheiten zum Austausch zu schaffen, mit einem Meeting oder auch mit einer Gedenkstunde», so Junge. Das muss gar nicht der Vorgesetzte sein, im Gegenteil. «Gerade in sehr hierarchischen Unternehmen ist es für Kollegen oft schöner, wenn es jemand aus den eigenen Reihen macht.» Das Organisatorische zu klären, sei aber schon Sache der Führungskräfte - also zum Beispiel die Frage, wer die Aufgaben des Verstorbenen übernimmt.

Sind diese Voraussetzungen erfüllt, klappt die Trauer im Kollegenkreis meist ohne Probleme, sagt Junge. Reibungen kann es höchstens geben, wenn jemand mit dem Thema so gar nicht abschließen kann, also Monate später noch immer offensichtlich leidet. «Dann ist der Impuls «Jetzt reicht es auch mal» von anderen Kollegen vielleicht auch verständlich», sagt Junge. In solchen Fällen sollten sich die betroffenen Kollegen am besten professionelle Hilfe holen.

Ansonsten rät sie Teams aber, die Trauer zunächst ohne Hilfe von außen zu bewältigen - auch wenn es dafür Experten gibt. Sinnvoll sei das höchstens bei äußerst dramatischen Todesfällen oder wenn der Prozess trotz offensichtlichem Redebedarf nicht ins Laufen kommt. «Oft reicht schon eine Stunde und der Impuls, jetzt mal darüber zu reden», sagt Junge. «Die größte Schwierigkeit ist oft, diese erste Hürde zu überwinden.»

Veröffentlicht am:
19. 03. 2018
10:08 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Berufstätige Diplompsychologen Erfahrung Hilfe Schicksalsschläge Therapeutinnen und Therapeuten Trauer
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Frau hält sich die Hand vors Gesicht

15.01.2020

Bei Tränen im Berufsleben hilft Ablenkung

Ob aus Wut, Überforderung oder weil einen privat etwas bedrückt: Manchmal sind Berufstätige auch am Arbeitsplatz kurz davor, in Tränen auszubrechen. Wie geht man damit um? » mehr

Teamarbeit

13.01.2020

Mit Tauschgeschäften Zeitmanagement im Team verbessern

Alle drücken sich vor Aufgaben, die ihnen nicht liegen, und nichts geht voran: Wenn Teams unter diesem Problem leiden, hilft eine simple Lösung weiter. » mehr

Gehaltsverhandlung

03.01.2020

Wie Berufseinsteiger eine Gehaltserhöhung begründen

Im ersten Drittel der Karriere machen Berufstätige oft große Sprünge, was ihre Erfahrung angeht. Das kann sich auch auf der Gehaltsabrechnung zeigen. » mehr

Arbeitsplatz im Büro

27.12.2019

Höher Qualifizierte haben deutlich weniger Krankentage

Je besser qualifiziert, desto weniger Fehltage wegen Krankheit - zu diesem Schluss kommt der diesjährige Gesundheitsreport der Barmer. Welcher Zusammenhang könnte dahinter stecken? » mehr

Umfrage: Mehrheit ist im Weihnachtsurlaub dienstlich erreichbar

23.12.2019

Mehrheit ist im Weihnachtsurlaub dienstlich erreichbar

«An jetzt erreicht man sowieso niemanden mehr»: Rund um Weihnachten ist das eine oft gehegte Annahme unter Berufstätigen. Sie scheint aber nicht der Wahrheit zu entsprechen, wie eine Umfrage zeigt. » mehr

Umzug für den Job

27.11.2019

Für die Arbeit umziehen kommt für viele nicht in Frage

Für einen neuen Job den Wohnort zu wechseln, ist oft kein leichter Schritt. Denn meist müssen Arbeitnehmer dafür auch ihr soziales Umfeld aufgeben. Wie viele dennoch dazu bereit wären, zeigt eine Umfrage. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
19. 03. 2018
10:08 Uhr



^