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Tausende Lehrer gehen arbeitslos in die Sommerferien

Sommerferien sind etwas Wunderbares. Aber nicht für Lehrer, die zum Schuljahresende in die Arbeitslosigkeit geschickt werden - um danach wieder angestellt zu werden.



Befristung von Lehrern
Einige Bundesländer entlassen vor den Sommerferien einen Teil ihrer Lehrer, um sie zum neuen Schuljahr wieder einzustellen. Auf   Foto: Julian Stratenschulte

Tausende Lehrer werden zu Beginn der Sommerferien in die Arbeitslosigkeit entlassen. «Es zeichnet sich wieder deutlich ab», sagte die Vorsitzende der Bildungsgewerkschaft GEW, Marlis Tepe, mit Blick auf die Sommerferien 2018.

Eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur unter den Kultusministerien der Länder ergab, dass vor allem Vertretungslehrer im Angestelltenverhältnis betroffen sind. Die Länder sparen dadurch Millionen ein.

In Baden-Württemberg sind es nach Angaben eines Sprechers des Kultusministeriums 3300 Lehrer, deren Arbeitsvertrag spätestens mit dem Beginn der diesjährigen Sommerferien am 26. Juli endet. Ein Beschäftigung und Bezahlung dieser Vertretungslehrer auch in den Ferien würde das Land nach seinen Worten 12,5 Millionen Euro kosten.

Bundesweit meldeten sich nach einem Bericht der Bundesagentur für Arbeit in den Sommerferien 2017 rund 4900 Lehrkräfte arbeitslos. Der Bericht vermerkt, «dass die Zahl arbeitsloser Lehrkräfte regelmäßig in den Sommerferien stark ansteigt. Nach den Sommerferien geht die Arbeitslosenzahl wieder zurück.» Die tatsächliche Zahl der betroffenen Lehrer dürfte aber höher liegen. Nicht alle meldeten sich arbeitslos, erläuterte Tepe.

Tepe kritisierte den Kurs der Länder. Vor allem zeige sich, «dass die südwestlichen Bundesländer wieder in den Sommerferien nicht zahlen, in jedem Fall nicht Baden-Württemberg, auch Rheinland-Pfalz nicht». Für die Gewerkschafterin, die selbst viele Jahre im Klassenzimmer stand, ist die Sommerarbeitslosigkeit ein Unding: «Also das Schlimme ist, dass es wirklich dann für die Kollegen und Kolleginnen im Einzelfall eine totale Unsicherheit ist.»

Der Vorsitzende des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, forderte 50 000 neue Planstellen. «Ich halte es für skandalös, dass sich trotz Lehrermangel und massivem Unterrichtsausfall viele Bundesländer weigern, befristete Verträge in dauerhafte Beschäftigungsverhältnisse umzuwandeln», sagte er der «Bild»-Zeitung» (Montag). «Junge motivierte Lehrkräfte werden damit als beliebig verschiebbare Manövriermasse missbraucht.»

Die Bundesagentur für Arbeit registrierte in den vergangenen Sommerferien die meisten Arbeitslosmeldungen von Lehrkräften in Baden-Württemberg (rund 1680), Bayern (860) und Niedersachsen (470). Auch im relativ kleinen Hamburg (260) sei das Phänomen besonders erkennbar gewesen.

Ein Sprecher des Kultusministeriums in Baden-Württemberg betonte, dass die befristete Beschäftigung im Südwesten mit drei Prozent aller Lehrer die große Ausnahme sei. Es handele sich um Vertretungslehrer, die bei längeren Krankheiten oder Ausfällen durch Mutterschutz und Elternzeit einsprängen. Die meisten Kultusministerien äußerten sich ähnlich. Wie viele Lehrer dieses Jahr betroffen sind, war aber vielerorts noch nicht klar.

Der Vorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beckmann, kritisierte: «Eine Krankheits- und Elternzeitvertretung zu übernehmen, kann eine große Herausforderung darstellen, da man mitunter mitten im Schuljahr einspringen, den Wissensstand der Kinder schnell erfassen und sie bis zum Schuljahresende auf das Lernzielniveau bringen muss.» Diese Lehrkräfte mit Arbeitslosigkeit abzustrafen, sei dreist. Man müsse sich mal vorstellen, dass Elternzeitvertretungen in der Wirtschaft vor ihrem Jahresurlaub gekündigt werden, um danach wieder eingestellt zu werden. «Niemand würde sich solch eine Praxis bieten lassen», sagte Beckmann.

In Mecklenburg-Vorpommern läuft zum Ende des Schuljahres für 171 Lehrer an öffentlichen Schulen die befristete Anstellung aus. Wer im nächsten Schuljahr wieder beschäftigt wird, bekommt das Sommerferien-Gehalt nachbezahlt. Wer dieses Glück hat, war kurz vor Beginn der Ferien aber noch offen.

In Rheinland-Pfalz ändert sich demnächst etwas: Das Land will ab 2019 alle Vertretungslehrer über die Sommerferien bezahlen. Rund 1000 Lehrer könnten davon profitieren. Die Mehrausgaben betragen laut Bildungsministerium rund 2,5 Millionen Euro.

Insgesamt war die Sommerarbeitslosigkeit von Lehrern nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit im vergangenen Jahr geringer als in den drei Jahren zuvor. In Saarland sind nach Kultusministeriumsangaben dieses Jahr nur 38 Lehrer betroffen. In Nordrhein-Westfalen, Hessen und auch in Sachsen-Anhalt ist die Sommerarbeitslosigkeit von Lehrern eher kein Aufreger-Thema.

VBE-Chef Beckmann sagte: «Anscheinend ist doch angekommen, dass Sommerarbeitslosigkeit kein Anreiz dafür ist, Vertretungen zu übernehmen.» Wer den Lehrerberuf langfristig attraktiv machen möchte, müsse auch Vertretungslehrkräften gute Arbeitsbedingungen bieten.

Auch die GEW-Vorsitzende Tepe sieht einen Rückgang, hält aber an der Kritik fest: «Das macht unseren Beruf nicht attraktiv. Also wir sind ja eher in der Situation, dass wir einen drastischen Mangel an Fachkräften bekommen werden. Man muss den Beruf attraktiv gestalten und nicht sagen: Wir brauchen Euch in den Sommerferien nicht.»

Auch Referendare stehen laut Tepe in einigen Bundesländern in den Sommerferien zu Tausenden ohne Gehalt da. Nach GEW-Angaben haben die Nachwuchslehrer keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld, weil sie als Beamte auf Widerruf während des Vorbereitungsdienstes nicht in der Arbeitslosenversicherung versichert seien.

Veröffentlicht am:
12. 07. 2018
09:51 Uhr

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